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31.10.2022

17:41

Zahlungsverkehr

Europas größter Zahlungsabwickler Worldline sieht sich nach möglichen Zukäufen um

Von: Elisabeth Atzler

Der Chef des französischen Konzerns, Gilles Grapinet, rechnet damit, dass die Konsolidierung der Branche fortschreitet. Den Namen der deutschen Tochter Payone will er erhalten.

Der 59-Jährige steht seit fast zehn Jahren an der Unternehmensspitze. imago images/IP3press

Gilles Grapinet

Der 59-Jährige steht seit fast zehn Jahren an der Unternehmensspitze.

Frankfurt Der größte europäische Zahlungsabwickler, Worldline aus Frankreich, peilt weitere Zukäufe an. Worldline-Chef Gilles Grapinet sagte dem Handelsblatt: „Ich werde das Mandat, das ich vom Aufsichtsrat erhalten habe, ausüben, und das enthält die Prüfung möglicher Übernahmen. In der Zahlungsbranche geht es vor allem um die Technologie in großem Maßstab.“ Die branchenweite Konsolidierung werde weitergehen, sagte Grapinet. Der europäische Zahlungsmarkt sei noch immer zersplittert.

Worldline hat in den vergangenen Jahren mehrere Wettbewerber und Spezialisten gekauft. Dazu zählen Six Payments aus der Schweiz und Ingenico aus Frankreich. An Payone aus Frankfurt – an der Firma sind auch deutsche Sparkassen beteiligt – hält Worldline die Mehrheit.

Grapinet sieht gleichwohl „genug Platz für mehrere große Paymentfirmen in Europa“ – und Wachstumschancen für die Branche: „Das Volumen an Barzahlungen ist noch immer sehr hoch, rund 50 Prozent in Europa, und der E-Commerce wird weiter wachsen“, sagte der Worldline-Chef.

Der 59-Jährige steht seit fast zehn Jahren an der Unternehmensspitze. Worldline bezeichnet sich selbst als größten Zahlungsabwickler Europas und als viertgrößten Zahlungsdienstleister weltweit. Der Konzern hat etwa 18.000 Beschäftigte.

Paymentfirmen wickeln im Auftrag von Händlern Zahlungen an der Ladenkasse sowie zunehmend im E-Commerce ab. Für den Onlinehandel bieten Zahlungsdienstleister möglichst alle nötigen Bezahlmethoden wie Kreditkarte, Paypal oder Rechnungskauf aus einer Hand an. Einen kleinen Teil des Transaktionsvolumens erhalten Anbieter wie Worldline von Händlern als Gebühr.

Das Geschäft boomt – bei geringen Margen

Das Geschäft boomt durch den weltweiten Trend zu mehr digitalen Zahlungen. Doch angesichts der niedrigen Margen ist der Konkurrenzdruck enorm. Für die Anbieter geht es darum, möglichst viele Zahlungen über ihre Systeme abzuwickeln und so die Kosten je Transaktion zu drücken.

Immer mehr Menschen zahlen mit Bankkarte. Davon – wie auch vom Wachstum im E-Commerce – profitieren Zahlungsabwickler wie Worldline. obs

Kartenzahlung

Immer mehr Menschen zahlen mit Bankkarte. Davon – wie auch vom Wachstum im E-Commerce – profitieren Zahlungsabwickler wie Worldline.

Mit Adyen aus den Niederlanden, Checkout.com aus Großbritannien und Stripe aus den USA sind einige relativ junge Firmen zu großen Wettbewerbern geworden. Im Gegensatz zu vielen Konkurrenten wickelt Worldline auch Zahlungen im Auftrag von Banken ab, die Teile des Zahlungsverkehrs ausgelagert haben.

Beim Börsenwert liegt Adyen mit rund 44 Milliarden Euro vorn, die Aktie hat auf Sicht von zwölf Monaten aber deutlich verloren. Worldline kommt auf rund zwölf Milliarden Euro, die Nexi Group aus Italien auf nahezu elf Milliarden Euro.

Bei Worldline hatten die Zukäufe in den vergangenen Jahren große Bedeutung. Zwei Drittel des Wachstums in den vergangenen fünf Jahren gingen auf Übernahmen zurück, ein Drittel entfiel laut Unternehmensangaben auf organisches Wachstum. Im dritten Quartal 2022 stieg der Umsatz auf knapp 1,2 Milliarden Euro, das entspreche einem organischen Wachstum von zehn Prozent.

In Deutschland ist Worldline besonders durch Payone vertreten. Dabei soll es auch bleiben: „Wir behalten ‚Payone‘ als Firmennamen. Es ist eine etablierte Marke“, sagte Grapinet. Es gebe überhaupt keinen Grund, einen solchen Markennamen zu ändern. Das Unternehmen wickelt unter anderem Zahlungen für Aldi Süd, die Deutsche Bahn, Notebooksbilliger.de, Puma, Rossman und Zalando ab.

Stärkere Prüfung durch die Aufsicht

Mit Blick auf eine intensive Untersuchung der Branche durch die deutsche Finanzaufsicht sagte Grapinet: „Wir begrüßen diese Prüfung und den Dialog mit den Aufsehern gänzlich.“ Es sei sehr wichtig zu verstehen, dass es im Zahlungsgeschäft vor allem um Vertrauen gehe. „Es funktioniert nur, wenn Kunden dem System als Ganzes und den Zahlungsdienstleistern vertrauen. Ein großer Teil des Vertrauens entsteht durch die Tatsache, dass wir lizenziert und regelmäßig geprüft werden.“

Vor knapp einem Jahr war bekannt geworden, dass die Finanzaufsicht Bafin nach dem Wirecard-Skandal damit begonnen hatte, mehrere große Zahlungsdienstleister unter die Lupe zu nehmen. Neben einer Sonderprüfung bei Unzer habe die Behörde auch intensive Untersuchungen bei Payone und Concardis gestartet – unter anderem dazu, ob die Vorkehrungen gegen Geldwäsche und andere illegale Geschäfte ausreichend seien, sagten mehrere mit dem Thema vertraute Personen damals dem Handelsblatt.

Hintergrund war die Pleite von Wirecard. Die von der Bafin im Nachgang zum Wirecard-Vorfall angeordnete Sonderprüfung für deutsche Zahlungsdienstleister sei für Payone abgeschlossen, erklärte Worldline jetzt.

Bei Unzer stellten die Aufseher erhebliche Mängel fest. Die Tochtergesellschaft Unzer E-Com GmbH darf bis auf Weiteres keine neuen Kunden mehr aufnehmen, wie die Bafin Ende August mitteilte. Zudem schickt die Behörde einen Sonderbeauftragen ins Unternehmern, der überwachen soll, dass Unzer seine Schwächen abstellt.

Die Sonderprüfung ergab laut Bafin „eine Vielzahl von zum Teil gravierenden Mängeln in den Bereichen der angemessenen Maßnahmen der Unternehmenssteuerung, Kontrollmechanismen und Verfahren“. Darüber hinaus seien „schwerwiegende Mängel“ bei der Bekämpfung von Geldwäsche festgestellt worden.

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