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03.08.2022

16:14

Allianz-Rentenkompass

Diese Konsequenzen hätte eine dauerhaft hohe Inflation für die Altersvorsorge

Von: Christian Schnell

Wer in einigen Jahrzehnten in Rente geht, muss wegen der gestiegenen Teuerungsraten womöglich deutlich mehr sparen. Für viele Deutsche ist das kaum möglich.

Hohe Inflation setzt viele Menschen bei der Altersvorsorge unter Druck. dpa

Rentner in einem Nationalpark

Hohe Inflation setzt viele Menschen bei der Altersvorsorge unter Druck.

München Bei der Altersvorsorge beschäftigt die Menschen in Deutschland derzeit vor allem ein Thema: die dauerhaft hohe Inflation. Während sich vor einem Jahr noch die meisten Deutschen keine Gedanken über Preissteigerung machten, setzt sich inzwischen jeder vierte mit dem Zusammenhang zwischen womöglich dauerhaft hoher Teuerung und Altersvorsorge auseinander. Das geht aus dem Rentenkompass der Allianz hervor.

Seit 2020 bietet der Versicherungskonzern das Portal Meine Allianz auch Nichtkunden an. Darüber können sie ihre eigene Altersvorsorge aus gesetzlicher, privater und betrieblicher Altersvorsorge sowie dem privaten Vermögen mit ihrem Rentenwunsch bei Ausscheiden aus dem Erwerbsleben abstimmen. Rund eine halbe Million Menschen hat das Tool seitdem genutzt – die Informationen sind Teil des Rentenkompasses.

Die Inflation lag im Juli in Deutschland bei 7,5 Prozent. Es war der zweite Monat in Folge, in dem die Teuerung sank – allerdings auf weiter hohem Niveau. Zwischen 2001 und 2021 lag die durchschnittliche Inflationsrate in der Bundesrepublik im Schnitt bei 1,6 Prozent.

In dem Portal können Kunden ihre eigenen Inflationserwartungen eingeben und so den Einfluss auf die eigene Wunschrente berechnen. Die Erwartungen liegen mittlerweile über dem Durchschnitt der vergangenen Jahre. So rechnet laut Allianz jeder vierte mit einer dauerhaften Inflation in Höhe von zwei Prozent, jeder zehnte hält mittlerweile sogar vier Prozent für ein realistisches Szenario.

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    Die Konsequenzen einer höheren Inflation wären gewaltig, wie eine Beispielrechnung zeigt: Wer in 33 Jahren in Rente gehen möchte und dabei eine monatliche Rente anstrebt, die bei der heutigen Kaufkraft 2160 Euro entspricht, der müsste bei zwei Prozent durchschnittlicher Inflation bis zum Jahr 2055 eine monatliche Rente von 4152 Euro anstreben. Wer stattdessen eine Inflation von vier Prozent in den kommenden 33 Jahren vermutet, der muss bereits eine monatliche Wunschrente von 7881 Euro anvisieren.

    Wunschrente wird kaum erreicht

    Die Realität ist von diesen Summen momentan weit entfernt. Die angestrebte Rente der männlichen Nutzer des Allianz-Rentenkompasses liegt derzeit im Mittel bei 2664 Euro. Kommt eine betriebliche Altersvorsorge hinzu, sind es 2884 Euro. Bei Frauen liegt die angepeilte Rente ohne betriebliche Altersvorsorge mit 2228 Euro darunter. Mit dem zusätzlichen Baustein über eine Absicherung durch den Arbeitgeber sind es 2375 Euro.

    Grund für die deutliche Differenz zur Wunschrente bei hoher Inflation ist die deutlich kürzere Dauer bis zum Renteneintritt der meisten Portalnutzer. Am häufigsten nimmt die Altersgruppe zwischen 55 und 60 Jahren den Service in Anspruch.

    Grafik

    Doch schon heute klafft in der Realität eine große Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit: Ihre Rentenziele erreichen nur 14 Prozent der Männer und zwölf Prozent der Frauen.

    In der vergangenen Woche berichteten die Sparkassen in Baden-Württemberg, dass ihre Kunden kaum noch Geld zum Sparen übrig haben. „Die Hälfte unserer Kundinnen und Kunden braucht ihre kompletten Einnahmen für die Deckung der monatlichen Ausgaben“, sagte der dortige Sparkassenpräsident Peter Schneider.

    Für viele Deutsche ergibt sich dadurch ein spezieller Konflikt. Bei hoher Inflation müssten sie eigentlich mehr für das Alter vorsorgen, in der Praxis ist das aber wegen massiv gestiegener Lebenshaltungskosten kaum möglich. Viele Menschen steuern so zwangsläufig auf eine Rentenlücke zu, die perspektivisch noch größer ausfallen könnte als in der Vergangenheit.

    Damit es mit der Wunschrente klappt, haben die Experten der Allianz errechnet, welchen Anteil die einzelnen Bausteine der Altersvorsorge idealerweise beisteuern sollten. Damit keine Alterslücke klafft, müsste ein Anteil von 63 Prozent aus der gesetzlichen Altersrente kommen, zwölf Prozent müsste die betriebliche und sechs Prozent die private Altersvorsorge beisteuern. Zudem sollen elf Prozent aus dem privaten Vermögen kommen und acht Prozent aus Immobilien.

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