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13.07.2022

15:56

Berichtssaison in den USA

Viele schlechte Zahlen und eine Gewinn-Explosion: Was Analysten jetzt von den US-Konzernen erwarten

Von: Anke Rezmer

In dieser Woche beginnen die Quartalsberichte in den USA. Strategen und Investoren fürchten schwache Zahlen – vor allem eine Branche dürfte um bis zu 20 Prozent einbrechen.

Der Getränkeriese Pepsico, die Fluggesellschaft Delta Air und mehrere Großbanken werden diese Woche als erste Unternehmen über ihr zweites Quartal berichten. dpa

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Der Getränkeriese Pepsico, die Fluggesellschaft Delta Air und mehrere Großbanken werden diese Woche als erste Unternehmen über ihr zweites Quartal berichten.

Frankfurt Dieses Quartal schauen Anleger besonders nervös auf die turnusmäßigen Berichte der börsennotierten Unternehmen. Denn viele Analysten und Strategen fürchten, dass schwächere Firmenzahlen, vor allem aber trübere Ausblicke der Firmenmanager auf ihr weiteres Geschäft die Angst vor einer Rezession verstärken und Aktienkurse weiter nach unten drücken.

In dieser Woche werden der Getränkeriese Pepsico, die Fluggesellschaft Delta Air und mehrere Großbanken über ihr zweites Quartal berichten. Am Donnerstag legen JP Morgan und Morgan Stanley ihre Zahlen vor.

Im Durchschnitt rechnen Analysten für die 500 größten börsennotierten Unternehmen aus dem S&P-500-Index mit einer leichten Gewinn- und Umsatzsteigerung von vier beziehungsweise zehn Prozent. Die Margen dürften nach Einschätzung von Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank, allerdings gesunken sein.

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    Für einige Sektoren rechnen die Experten mit deutlichen Gewinnrückgängen: So dürfte das schwache Halbjahr an den Kapitalmärkten den Profit der Finanzunternehmen im zweiten Quartal um ein gutes Fünftel geschrumpft haben. Vor allem im Investmentbanking rechnen Analysten mit schwächeren Ergebnissen.

    Kommunikationsdienste gehen wegen der andauernden Pandemie ebenfalls durch schwierige Zeiten und dürften ein Gewinnminus von im Schnitt 14 Prozent verbucht haben. Ferner leiden die Versorger unter den in die Höhe geschossenen Energiepreisen. Schätzungen zufolge werden sie um zwölf Prozent weniger Profit ausweisen.

    Zu den Sektoren, die gut dastehen, zählt Stephan neben den Unternehmen der Öl- und Gassparte die Industrie- und Rohstoffunternehmen. Bei den Energieförderern dürften die hohen Energiepreise für eine Gewinnexplosion von 239 Prozent gesorgt haben.

    Für Industrieunternehmen rechnen Analysten dank besserer Geschäfte nach den Lockdowns im Schnitt mit 30 Prozent höheren Profiten. Die aktuelle Rohstoffrally dürfte den Firmen dieses Sektors im zweiten Quartal ein Gewinnplus von 17 Prozent beschert haben.

    Analysten erwarten negative Jahresaussichten

    Besonders spannend werden die Jahresaussichten der Vorstände sein. Hier rechnen Analysten mit negativen Nachrichten. Deutsche-Bank-Stratege Stephan sagt: „Die Weitergabe steigender Produktionskosten dürfte mit Blick auf die nachlassende Verbraucherlaune zunehmend schwerfallen, während das steigende Zinsniveau die Nachfrage drückt.“ Entsprechend könnte sich der Optimismus der Vorquartale wenden und negative Gewinnrevisionen zur Folge haben, fürchtet er.

    Seiner Ansicht nach hat der wichtigste US-Aktienindex S&P 500 bereits eine deutliche Verschlechterung der Gewinnaussichten eingepreist. Dennoch könnte eine breite Gewinnrevision für neue Turbulenzen sorgen.

    Viele Experten rechnen mit einer Gewinnrezession. Das bedeutet, dass in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen die Unternehmensgewinne im Schnitt niedriger ausfallen als vor Jahresfrist.

    So sieht Ann-Katrin Petersen, Kapitalmarktstrategin beim US-Fondsanbieter Blackrock, wegen des anhaltenden Kostendrucks und der schwächeren Umsätze spürbares Enttäuschungspotenzial bei den Gewinnschätzungen der Analysten. Sowohl in den USA als auch in Europa könnte das Wachstum der Unternehmensgewinne um mindestens ein Drittel geringer ausfallen, als derzeit mehrheitlich für die kommenden zwölf Monate erwartet wird, meint sie.

    Die Kernfrage für die Strategen beim US-Fondshaus JP Morgan Asset Management ist, „ob die Entwicklung noch viel schlechter sein wird, als der Markt bereits erwartet“. Ein Szenario ist eine kurz und flach verlaufende Rezession mit Gewinnrückgängen um etwa ein Zehntel und einer Kurskorrektur von 20 bis 25 Prozent. Drastischer wäre ein ausgeprägterer Abschwung mit deutlich größeren Gewinn- und Kurseinbußen. Unter dem Strich rechnen Analysten zunächst mit einem milderen Verlauf, sodass Firmengewinne in Industrieländern im Gesamtjahr 2022 noch leicht zulegen.

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