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10.10.2022

07:44

EU-Regulierung

„Neben Risiken die immensen Chancen sehen“: Deutsche Wirtschaft fürchtet zu strikte KI-Regulierung

Von: Susanne Schier

Führende Wirtschaftsverbände fordern, Künstliche Intelligenz nicht zu eng zu definieren. Sonst würden Innovationen erschwert und der globale Wettbewerb geschwächt.

Wie weit darf Künstliche Intelligenz gehen? Darum geht es gerade in Brüssel. imago images/Ikon Images

Gesichtserkennungstechnologie

Wie weit darf Künstliche Intelligenz gehen? Darum geht es gerade in Brüssel.

Frankfurt Die deutsche Wirtschaft fürchtet, dass die geplante EU-Regulierung zur Künstlichen Intelligenz (KI) die Entwicklung von KI-Anwendungen erschweren könnte. Die EU-Kommission will mit ihrer vorgeschlagenen Verordnung sicherstellen, dass in der EU angewendete KI-Systeme vertrauenswürdig sind.

Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des Versichererverbands GDV, mahnt jedoch, dass sich Europa im Bereich KI nur neben den USA und China behaupten könne, wenn der zukünftige Rechtsrahmen auch Innovationen ermögliche. „Wichtig ist, dass neben Risiken die immensen Chancen der Technologie gesehen werden“, sagte Asmussen dem Handelsblatt.

Der GDV und weitere deutsche Wirtschaftsverbände, darunter der Arbeitgeberverband BDA, der Digitalverband Bitkom und der Handelsverband HDE, haben gemeinsame Forderungen formuliert, um eine aus ihrer Sicht ausgewogene Regulierung zu erreichen. Ein entsprechendes Positionspapier will Asmussen an diesem Montag mit Vertreterinnen und Vertretern des Deutschen Bundestags diskutieren.

Entwicklungen, die auf Künstlicher Intelligenz basieren, stehen zwar oft noch am Anfang. Neue Anwendungen werden aber in vielen Bereichen der Wirtschaft erforscht und erprobt. Beispiele sind selbstlernende Roboter, vernetztes Fahren oder eine schnellere Schadensregulierung durch die Versicherer.

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    Die Unternehmen sehen „enormes Potenzial für die Steigerung von Innovation, Wachstum, Produktivität und die Schaffung von Arbeitsplätzen“, heißt es in dem Papier. Europa solle KI daher gezielt fördern, anstatt ihre Entwicklung und ihren Markteintritt zu erschweren.

    Viele Menschen sind aber misstrauisch, wenn künftig eine KI darüber entscheiden soll, ob sie beispielsweise einen Kredit oder eine Arbeitsstelle bekommen. Sie fürchten Überwachung und Manipulation.

    Vorschlag teilt KI-Anwendungen in vier Risikostufen ein

    Der von der EU-Kommission im April 2021 vorgelegte Entwurf teilt KI-Anwendungen in vier Risikostufen ein: minimales Risiko, begrenztes Risiko, hohes Risiko und inakzeptables Risiko. Je nach Einstufung soll es unterschiedliche Zulassungsvoraussetzungen und Kontrollen geben.

    Der risikobasierte Ansatz sei grundsätzlich richtig, betont Asmussen auch im Namen der anderen Wirtschaftsverbände. Besonders wichtig sei dabei die Definition, was künftig als KI gelte – und was nicht. Deshalb sei es zu begrüßen, dass sich die Kommission dahingehend an der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) orientiere, da diese Definition auch das Hinzufügen zukünftiger KI-Techniken erlaube.

    Zugleich kritisieren die Verbände, dass die Definition derzeit noch zu weit gefasst sei. Sie fordern, dass nur „echte“ Künstliche Intelligenz reguliert werden sollte. Damit ist beispielsweise maschinelles Lernen gemeint. Hier erkennt das System Muster und Gesetzmäßigkeiten in vorhandenen Daten und kann dann möglicherweise auch unbekannte Daten beurteilen.

    Doch längst nicht alle statistischen Modelle und Algorithmen, die Unternehmen einsetzen, haben etwas mit maschinellem Lernen zu tun. Solche Anwendungen sollten nach Ansicht der Verbände nicht unter die KI-Verordnung fallen. Man laufe sonst Gefahr, statt einer KI-Regulierung eine Software-Regulierung zu schaffen, betont Asmussen.

    Daneben fordern die Verbände, dass die Verordnung hochriskante KI-Anwendungen konkreter benennt, Doppelregulierung und Doppelstrukturen in der Aufsicht vermeidet und die Verhältnismäßigkeit sicherstellt. Zudem sollen Entwickler einen anwendungsorientierten Leitfaden an die Hand bekommen. Über die richtige Ausgestaltung der KI-Verordnung wird derzeit im EU-Parlament und EU-Rat debattiert.

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