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01.12.2021

11:38

Handelsblatt testet

Schutz vor virtuellen Angriffen: Das sind die besten Versicherungen gegen Cyberkriminalität

Von: Dirk Wohleb

Mit speziellen Versicherungen können sich auch kleine und mittelgroße Unternehmen vor den finanziellen Folgen von IT-Angriffen schützen. Welche Policen überzeugen.

Neun Prozent der Unternehmen in Deutschland fürchten die Pleite infolge eines Cyberangriffs. Getty Images

Cyberkriminalität

Neun Prozent der Unternehmen in Deutschland fürchten die Pleite infolge eines Cyberangriffs.

Düsseldorf Cyberkriminalität ist ein lukratives Geschäft. Der finanzielle Aufwand ist für Hacker minimal, die Gewinnspannen sind hoch, und das Risiko, sich vor Gericht verantworten zu müssen, ist äußerst gering. Viele Angriffe gehen von Tätern in Ländern aus, die die Justiz hierzulande nicht belangen kann.

Die jährlichen Schäden für die deutsche Wirtschaft belaufen sich auf 223 Milliarden Euro, wie der Digitalverband Bitkom berichtet. Das ist mehr als doppelt so viel wie 2019 mit einem Volumen von 103 Milliarden Euro. Immerhin neun Prozent der Unternehmen in Deutschland fürchten sogar die Pleite infolge eines Cyberangriffs.

Unternehmen müssen sich besser schützen und ihre IT-Systeme vor Angriffen schützen. Cyberkriminelle nutzen Mitarbeiter als vermeintlich schwächstes Glied der Kette für ihre Angriffe. Die beliebteste Masche der virtuellen Angreifer ist Ransomware.

Dabei handelt es sich um eine Software, die Daten verschlüsselt und IT-Systeme unbrauchbar machen kann. Klicken Mitarbeiter in einer Mail auf einen Link mit einer schadhaften Software, wird diese installiert. Nur wenn die Unternehmen Lösegeld bezahlen, auf Englisch „ransom“, geben die Angreifer vor, die Daten wieder zu entschlüsseln.

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    Nicht nur eine gute IT, auch Cyberpolicen schützen vor den finanziellen Folgen von Cyberattacken. „Eine Cyberversicherung ist elementar. Denn jede Firma hat eine IT für die Abrechnung oder für Kundendaten“, sagt Michael Franke, Geschäftsführer der Ratingagentur Franke und Bornberg.

    Die Experten haben für das Handelsblatt die Policen für kleine und mittelgroße Unternehmen unter die Lupe genommen. Bei diesen Unternehmen sind die Konditionen und die Rahmenbedingungen der Versicherer vergleichbar, bei größeren werden sie individuell ausgehandelt und vereinbart.

    Methodik

    Musterfall

    Die Experten von Franke und Bornberg legen ihrer Bewertung drei Musterfälle zugrunde: das Unternehmen eines Elektrikers, eine Sprachschule und einen Textileinzelhändler. Die Versicherungssumme liegt bei 500.000 Euro, der Umsatz beim Einzelhändler und Elektriker beträgt ebenfalls 500.000 Euro, die Sprachschule macht zwei Millionen Euro Jahresumsatz. Je nach Branche unterscheidet sich der Versicherungsbedarf stark. Der Elektriker braucht in der Regel keine Deckung für Schäden, die in der Cloud oder beim E-Payment anfallen. Für den Einzelhändler dagegen sind digitale Zahlungen aufgrund des wachsenden Online-Absatzes zunehmend wichtig. Deswegen spielt die Deckung von Schäden durch Hackerangriffe bei elektronischen Zahlungen eine viel größere Rolle.

    Bewertung

    Das Rating der Policen macht 70 Prozent aus. Anhand von 115 Kriterien haben die Experten von Franke und Bornberg die Qualität der Produkte analysiert. Darunter finden sich zum Beispiel 13 Aspekte für Betriebsunterbrechungen, wenn das Unternehmen also wegen eines Cyberangriffs nicht mehr arbeiten kann, oder zwölf Kriterien für Drittschäden, die bei anderen Firmen entstehen können. Ein weiterer zentraler Aspekt ist auch die Wiederherstellung von IT-Systemen. Hier unterstützen Versicherer ihre Kunden mit entsprechenden Dienstleistungen. Denn bei einem Hackerangriff ist schnelle Hilfe gefragt. Der Preis einer Police geht zu 30 Prozent in die Gesamtwertung ein.

    Schwerpunkt der Bewertung ist das Rating der Policen, das 70 Prozent der Wertung ausmacht. Der Preis geht zu 30 Prozent in die Policen ein. Franke und Bornberg hat die Versicherungsbedingungen und die Leistungen der Versicherer auf Herz und Nieren geprüft. Die Ratingagentur hat anhand von 115 Kriterien die Policen qualitativ untersucht. Das Spektrum reicht von der Übernahme der Kosten bei einer Betriebsunterbrechung über den Umfang der versicherten IT-Systeme bis hin zur Wiederherstellung der IT-Systeme.

    Weil Unternehmen je nach Branche unterschiedlichen Cyberrisiken ausgesetzt sind, hat die Ratingagentur Musterfälle für drei Unternehmen analysiert: die Firma eines Elektrikers, eine Sprachschule und einen Textileinzelhändler. „Der Elektrotechnikbetrieb wird in der Regel keinen Schutz für Schäden durch Attacken in der Cloud oder beim E-Payment benötigen“, erklärt Franke.

    Billig ist der Versicherungsschutz nicht, wie die Auswertung zeigt. Das ist eine Folge der steigenden Zahl von Cyberangriffen und damit größerer Schäden. Die Prämien für Cyberpolicen werden nach Angaben des Beratungsunternehmens Aon im Industriebereich um 30 Prozent steigen.

    Eine Police für einen Handwerkerbetrieb kostet jährlich zwischen 629 Euro und 1325 Euro. Dabei sind hohe Prämien kein Indiz für Qualität. So bietet die VHV mit dem Tarif „Cyberprotect 3.0“ bei einer Jahresprämie von 656 Euro den zweitgünstigsten Tarif – und das bei einem Toprating FFF, das für eine sehr gute Produktqualität steht. Dagegen wird der Tarif „Cyberrisk-Versicherung“ für 1325 Euro der R+V nur mit der Note „ausreichend“ bewertet.

    Grundsätzlich teurer ist der Versicherungsschutz für Dienstleister oder Einzelhändler. Der Grund dafür: Sie benötigen in der Regel einen Schutz vor Cyberschäden, der über den Bedarf eines Handwerksunternehmens hinausgeht. Dazu zählen Schäden, die durch Cyberangriffe in der Cloud oder auch beim E-Payment entstehen können. Deswegen benötigen sie ein umfangreicheres Versicherungspaket.

    Grafik

    In allen drei Musterfällen kann die VHV mit dem Produkt Cyberprotect 3.0 den ersten Platz belegen. „Für Unternehmen mit einem Jahresumsatz von bis zu zehn Millionen Euro bieten wir einen einfachen Abschlussprozess mit einem verständlichen Formular im Internet“, erklärt Produktmanager Marek Naser von der VHV. Kunden können den umfangreichen Basisschutz durch zusätzliche Bausteine erweitern. Zum Beispiel für Schäden, die durch Cyberspionage verursacht werden.

    Im Schadensfall bietet die Versicherung einen umfangreichen Service. Zum Leistungspaket zählt eine rund um die Uhr erreichbare Soforthilfe durch zertifizierte IT-Dienstleister. „Das Ziel ist, die IT-Systeme so schnell wie möglich wieder ins Laufen zu bringen“, erklärt Naser.

    Häufig gehe es im ersten Schritt darum, überhaupt die Kommunikationsfähigkeit des Unternehmens wieder herzustellen. Der Versicherer vermittelt Experten für die schnelle Wiederherstellung der IT. Darüber hinaus profitieren Versicherungsnehmer durch die Garantie für Leistungsupdates bei zukünftigen Produktverbesserungen. Hacker finden immer wieder neue Angriffswege. Deswegen ist es besonders wichtig, einen Versicherungsschutz auf dem neuesten Stand zu besitzen.

    Der Versicherer Victor bietet mit seinem Tarif „Cybervlex“ einen Tarif, der für die Bedürfnisse von Unternehmen in unterschiedlichen Branchen angepasst werden kann. Das Ziel ist dabei auch, Schäden von vorneherein zu verhindern.

    Dazu bietet der Versicherer IT-Sicherheitstests und Web-Security-Checks. Das Unternehmen schult Mitarbeiter seiner Kunden, um sie für Cyberangriffe zu sensibilisieren. Im Musterfall für den Einzelhändler schneidet der Tarif mit der Note „sehr gut“ ab. Die jährliche Prämie von 640 Euro ist auch die günstigste in dieser Kategorie.

    Unternehmen, die eine Cyberversicherung abschließen, sollten den Rat von Beratern einholen, empfiehlt Franke: „Ein Unternehmen kann die Risiken in der Regel nur schwer überschauen. Außerdem gilt es zu prüfen, ob Cyberrisiken schon über andere Policen abgedeckt sind. So könnte zum Beispiel das Risiko eines Betriebsausfalls bereits abgedeckt sein. Die Beispiele zeigen: Der Beratungsbedarf beim Thema Cybersicherheit ist sehr hoch und wird es auch in Zukunft bleiben.

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