Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

10.03.2022

13:46

Rückversicherer

Hannover Rück erhöht Dividende auf Rekordniveau

Von: Christian Schnell

Der künftige Dax-Konzern zahlt seinen Aktionären eine Sonderdividende und schüttet 5,75 Euro je Aktie aus. Die Dividendenrendite steigt auf fast vier Prozent.

Im vergangenen Jahr hat sich der Gewinn der Hannover Rück auf 1,23 Milliarden Euro erholt. dpa

Hannover Rück

Im vergangenen Jahr hat sich der Gewinn der Hannover Rück auf 1,23 Milliarden Euro erholt.

München Der künftige Dax-Wert Hannover Rück zahlt seinen Anlegern eine Rekorddividende für das abgelaufene Jahr. Zuzüglich zu einer Basisdividende von 4,50 Euro je Aktie schüttet der drittgrößte Rückversicherer der Welt eine Sonderdividende von 1,25 Euro aus. Das teilte der Konzern am Donnerstagmorgen mit.

Damit liegt die Ausschüttung je Aktie erstmals bei 5,75 Euro in der 56-jährigen Geschichte und über den Erwartungen der Analysten. Auf Grundlage des aktuellen Aktienkurses bei rund 148 Euro ergibt sich damit eine Dividendenrendite von rund vier Prozent. Der größte Profiteur ist die Konzernmutter Talanx. Dem Versicherer gehört knapp über die Hälfte der Hannover-Rück-Aktien. Am Donnerstag verlor die Hannover Rück-Aktie wie der Gesamtmarkt rund 2,5 Prozent.

Möglich geworden ist die hohe Ausschüttung durch einen Rekordgewinn, der beinahe am oberen Ende der eigenen Prognose lag. Im vergangenen Jahr hatten die Hannoveraner einen Nettogewinn von 1,23 Milliarden Euro erzielt. Nach dem coronabedingten Gewinneinbruch im Jahr 2020 verdiente der Konzern damit fast 40 Prozent mehr. Erst im Herbst hatte er die erwartete Gewinnspanne in den Bereich zwischen 1,15 und 1,25 Milliarden Euro angehoben.

Einen erheblichen Anteil daran hat auch die erfolgreiche Kapitalanlage im vergangenen Jahr. Der Konzern hatte im Schnitt eine Rendite von 3,2 Prozent erzielt und damit deutlich mehr als die geplanten 2,4 Prozent. Einen wesentlichen Beitrag dazu lieferten der Anteil inflationsgeschützter Anleihen sowie Private Equity Fonds. Hinzu kamen hohe Kapitalzuflüsse bei den selbstverwalteten Kapitalanlagen. Sie stiegen um mehr als sieben Milliarden Euro auf insgesamt 56,2 Milliarden Euro.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Negative Auswirkungen des Ukrainekriegs auf das Portfolio erwartet Finanzvorstand Clemens Jungsthöfel nicht. „Unser Anteil an russischen Staatsanleihen liegt im zweistelligen Millionenbereich, im Vergleich zum gesamten Portfolio von über 56 Milliarden Euro ist das unwesentlich.“

    Große Belastungen durch Naturkatastrophen

    Hohe Belastungen gab es zuletzt allerdings durch Großschäden. Sie lagen im vergangenen Jahr deutlich über den Erwartungen der Hannoveraner. „Herausfordernd waren überdurchschnittliche Belastungen aus Naturkatastrophen in der Schadenrückversicherung sowie hohe pandemiebedingte Schäden in der Personenrückversicherung“, sagt Vorstandschef Jean-Jacques Henchoz. So schlugen die Kosten für die Coronapandemie mit insgesamt 582 Millionen Euro zu Buche.

    Der Großteil der Summe entfiel auf die besonders betroffenen Länder USA und Südafrika. Für Großschäden – vor allem aus Naturkatastrophen – musste der Konzern 1,3 Milliarden Euro leisten und damit mehr als die veranschlagten 1,1 Milliarden Euro. Im Jahr 2020 standen an dieser Stelle jedoch noch 1,6 Milliarden Euro.

    Größte Einzelschäden waren der Hurrikan „Ida“ in den USA mit 305 Millionen Euro sowie das Sturmtief „Bernd“ im Westen Deutschlands und in angrenzenden Ländern mit 208 Millionen Euro. Daneben ragten die Kältewelle im Süden der USA mit 136 Millionen Euro und die Unruhen in Südafrika mit 100 Millionen Euro heraus.

    Weiteres Wachstum geplant

    In diesem Jahr peilt die Hannover Rück nun einen Nettogewinn zwischen 1,4 und 1,5 Milliarden Euro an. Dabei soll auch die Bruttoprämie um mindestens fünf Prozent im Vergleich zu den 27,8 Milliarden Euro aus dem Vorjahr wachsen. Die Folge wären erstmals Prämieneinnahmen von mehr als 29 Milliarden Euro bei dem 1966 gegründeten Unternehmen. Die Ausschüttung soll dann wieder mindestens auf Höhe der Basisdividende von 4,50 Euro liegen.

    Eine Sonderdividende hängt von zwei Faktoren ab: Zum einen muss das Gewinnziel erreicht werden, zum anderen die Kapitalausstattung den Kapitalbedarf für künftiges Wachstum übersteigen. Jedoch zeichnen sich auch für dieses Jahr bereits wieder hohe Schäden ab.

    In Zusammenhang mit der Coronapandemie rechnet Vorstandschef Henchoz im ersten Quartal vor allem in den USA mit einer signifikanten Zahl an Todesfällen. Zu den Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine gebe es noch keine belastbaren Schätzungen. „Auch wenn die geschäftlichen Verbindungen nicht groß seien, gibt es Unwägbarkeiten“, so Henchoz.

    Die Hannover Rück pausiere derzeit wegen des Kriegs bei Vertragserneuerungen mit Kunden aus Russland und Belarus, erklärte der Schweizer. Im Rahmen der finanziellen Schadenerwartungen bewegen sich dagegen die aktuellen Überflutungen in Australien.

    Am Aktienmarkt hatte die Aktie der Hannover Rück in den jüngsten Turbulenzen zwar ebenfalls Einbußen hinnehmen müssen. In den Monaten davor war der Kurs jedoch stetig gestiegen, weshalb die Aktie zum 21. März in den Leitindex Dax aufsteigt und dort Siemens Energy ersetzt. Für die Hannover Rück sei die Aufnahme in den Dax Auszeichnung und Ansporn zugleich, um weiter überproportional zu wachsen.

    Generell profitieren die Rückversicherer nach den schweren Unwettern im vergangenen Jahr und den Auswirkungen der Coronakrise von steigenden Prämien und hoher Kundennachfrage. Bereits Anfang Februar teilte die Hannover Rück mit, dass in der Schaden-Rückversicherung bei der Erneuerungsrunde zum Jahreswechsel die Preise im Schnitt um 4,1 Prozent erhöht wurden.

    Laut Vorstandschef Henchoz setzte der Rückversicherer damit das fünfte Jahr in Folge höhere Preise durch. Haupttreiber für die Preisentwicklung seien neben hohen Schäden aus Naturkatastrophen, insbesondere in Europa und Nordamerika, auch das niedrigere Zinsumfeld und die deutlich gestiegenen Inflationsraten gewesen.

    Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

    Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

    Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

    ×