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21.10.2022

15:00

Rückversicherer

Münchener Rück hält trotz Hurrikanschäden an Prognose fest

Von: Christian Schnell

Der Rückversicherer rechnet damit, dass Hurrikan „Ian“ ihn rund 1,6 Milliarden Euro kosten wird. Trotzdem hält Munich Re an der Gewinnprognose fest.

Die Münchener Rück erwartet für das Gesamtjahr einen Gewinn von 3,3 Milliarden Euro. dpa

Münchener Rück

Die Münchener Rück erwartet für das Gesamtjahr einen Gewinn von 3,3 Milliarden Euro.

München Munich Re hat trotz eines Milliardenschadens durch Hurrikan „Ian“ in Florida im dritten Quartal schwarze Zahlen geschrieben. Unmittelbar vor Beginn des Rückversicherer-Treffens in Baden-Baden meldete der weltgrößte Rückversicherer am Freitag einen Gewinn von 500 Millionen Euro.

Dass trotz der hohen Schadenbelastung durch den Hurrikan ein Gewinn erzielt wird, liegt an der anhaltend guten Geschäftsentwicklung in allen Bereichen. Hinzu kommt ein positiver Einmaleffekt des Segments Leben/Gesundheit Deutschland der Erstversicherungstochter Ergo. Analysten hatten im Schnitt mit einem Verlust von 167 Millionen Euro für das dritte Quartal gerechnet.

Nach vorläufigen Berechnungen dürfte der schwere Wirbelsturm den Dax-Konzern rund 1,6 Milliarden Euro kosten, jedoch seien die Schätzungen noch nicht abgeschlossen und stünden unter Vorbehalt, hieß es am Freitag. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet der Rückversicherer weiterhin mit einem Gewinn von 3,3 Milliarden Euro.

Allerdings sei dieses Ziel nun deutlich schwerer zu erreichen und stehe unter dem Vorbehalt derzeit zu erwartender Sondereffekte vor allem im Bereich der Kapitalanlage. Bei der Vorlage der Quartalszahlen am 8. November will sich der Konzern dazu weiter äußern.

Im ersten Halbjahr erzielte die Munich Re einen Gewinn von 1,376 Milliarden Euro. Mit den erwarteten 500 Millionen Euro aus dem dritten Quartal bliebe dennoch eine Differenz von knapp 1,5 Milliarden Euro, die im vierten Quartal noch erzielt werden müssten, um das angepeilte Jahresziel von 3,3 Milliarden Euro zu erreichen.

Die Aktie der Munich Re war nach Bekanntgabe des Quartalsgewinns am Freitagnachmittag mit einem Plus von 2,7 Prozent der größte Gewinner in einem sehr schwachen Dax.

Nachdem die Erwartungen der Experten zu möglichen Schäden des schweren Unwetters Ian anfangs weit auseinandergelegen hatten, zeichnete sich in den vergangenen Tagen ab, dass der Wirbelsturm zu den schadenträchtigsten der vergangenen Jahrzehnte gehören dürfte.

Der Hurrikan traf am 28. September auf die Westküste Floridas. Mit Windgeschwindigkeiten von 150 Meilen (240 km/h) war Ian einer der stärksten Hurrikans, die jemals die Küste der USA erreicht haben. Die Folgen waren extreme Winde, Sturmfluten und Starkregen.

Viele Herausforderungen für Rückversicherer

Der größte Wettbewerber der Münchener, Swiss Re, korrigierte in dieser Woche hingegen seine Prognose und rechnet nun für das dritte Quartal mit einem Verlust von rund einer halben Milliarde Dollar. Nach den Berechnungen der Experten soll der versicherte Gesamtschaden zwischen 50 und 65 Milliarden Dollar liegen. Davon sollen rund 1,3 Milliarden Dollar auf Swiss Re entfallen.

Damit bleiben die Schweizer allerdings leicht unter den Schätzungen der Experten. Werner Schirmer, Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), hatte bereits Anfang Oktober mit einer Belastung für Swiss Re von 1,5 Milliarden Dollar gerechnet.

Für die Munich Re sagte er mit 1,8 Milliarden Euro die höchste Belastung für einen einzelnen Versicherer voraus. Für die Münchener kommen die Belastungen durch Hurrikan Ian zu einer Reihe von weiteren großen Herausforderungen. Schon mit den Halbjahreszahlen im Sommer zeichnete sich ab, dass die Auswirkungen der Zinswende und die Turbulenzen an den Kapitalmärkten Auswirkungen auf die Gewinnerwartungen haben.

Fragezeichen hinter Hannover Rück

Mit Spannung erwarten Experten nun, in welcher Größenordnung Hannover Rück als Nummer drei der Branche von den Auswirkungen des schweren Unwetters in Florida betroffen sein wird. Vorstandschef Jean-Jacques Henchoz hatte Anfang Oktober auf einer Investorenveranstaltung noch erklärt, dass der Marktanteil seines Hauses in Florida geringer sei als im Rest der USA. LBBW-Analyst Schirmer hatte zu dem Zeitpunkt bereits für Hannover Rück eine Schadenbelastung von 634 Millionen Euro erwartet.

Ab Sonntag startet nach zweijähriger Einschränkung durch Corona wieder nahezu uneingeschränkt der große Branchentreff in Baden-Baden. Die Preisverhandlungen zwischen Rück- und Erstversicherern für das kommende Jahr werden dort stark von den zuletzt hohen Schäden beeinflusst sein, erwarten Beobachter.

Zwar dürften die Prämien, die dann zu zahlen sind, deutlich anziehen. Dennoch dürfte die Vielzahl an finanziellen Herausforderungen dazu führen, dass die Rückversicherer künftig mit sinkender Profitabilität rechnen müssen, glaubt Matthew Mosher, Chef der Ratingagentur AM Best.

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