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25.08.2022

12:04

Rückversicherer

Naturkatastrophen könnten Rückversicherer im zweiten Halbjahr noch mehr belasten

Von: Susanne Schier

Nach den ersten sechs Monaten haben Munich Re und Co. schwächere Gewinne präsentiert. Die Ratingagentur Moody’s rechnet im Herbst mit weiteren Herausforderungen.

Hochwasser in Australien IMAGO/AAP

Überschwemmungen in Australien

Schon im ersten Halbjahr verzeichnen die Rückversicherer hohe Schäden durch Naturkatastrophen.

Frankfurt Wegen hoher Schäden durch Naturkatastrophen und schwächerer Kapitalanlageergebnisse haben die vier großen europäischen Rückversicherer Munich Re, Swiss Re, Hannover Rück und Scor für das erste Halbjahr einen zum Teil deutlichen Gewinnrückgang präsentiert. Höhere Versicherungsprämien glichen die Inflation bei den Schadenkosten nur zum Teil aus.

Im zweiten Halbjahr könnten Schadeninflation und Naturkatastrophen zu weiteren Belastungen führen, wie aus einer aktuellen Studie der Ratingagentur Moody’s hervorgeht.

„Die Rückversicherer scheinen zuversichtlich zu sein, dass ihre Preiserhöhungen ausreichen, um steigende Schadenkosten auszugleichen“, schreiben die Experten rund um Moody’s-Kreditanalyst Christian Badorff. Doch es sei fraglich, ob die Schadenreserven tatsächlich ausreichen. Zugleich sei das Schadenbudget für Naturkatastrophen bei den meisten Rückversicherern schon stark ausgereizt.

Rückversicherer setzen höhere Preise bei den Erstversicherern durch

Die hohe Inflation macht sich mit steigenden Baumaterial- und Ersatzteilpreisen vor allem in der KfZ-Versicherung und der Wohngebäudeversicherung bemerkbar. Die Rückversicherer seien im bisherigen Jahresverlauf in der Lage gewesen, höhere Preise bei den Erstversicherern durchzusetzen und die Teuerung weitgehend auszugleichen, heißt es in der Moody’s-Analyse weiter.

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    Probleme machen könnten ihnen aber vor allem Schäden aus den vergangenen Jahren, die noch nicht reguliert sind. Die Schadenreserven, die die Rückversicherer hierfür gebildet hatten, sind der Ratingagentur zufolge womöglich zu niedrig – weil die Inflation in diesem Jahr deutlich stärker gestiegen sei als erwartet. Es bestehe das Risiko, dass die Rückversicherer die Schadenreserven aufstocken müssen.

    Auch Analyst Darius Satkauskas von der Investmentbank KBW bezeichnet das Inflationsumfeld in einer aktuellen Branchenstudie als eine der wesentlichen Herausforderungen für die Rückversicherer. Unternehmen mit höheren Reserven wie Munich Re oder Hannover Rück sollten diese seiner Ansicht nach aber gut meistern können.

    Schäden aus Naturkatastrophen sind im zweiten Halbjahr oft höher

    Moody’s weist zudem darauf hin, dass die Schäden aus Naturkatastrophen im zweiten Halbjahr meist höher sind als im ersten. Der Hauptgrund hierfür ist die atlantische Hurrikan-Saison, die Experten zufolge auch in diesem Jahr überdurchschnittlich aktiv ausfallen dürfte.

    Hurrikan „Ida“ imago images/ZUMA Wire

    Hurrikan „Ida“

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    Wegen der Überschwemmungen in Australien und Südafrika sowie der Stürme in Europa verzeichneten die Rückversicherer aber schon im ersten Halbjahr hohe Naturkatastrophenschäden – bei Swiss Re lagen sie sogar über dem Budget für die ersten sechs Monate.

    Die tatsächlichen Schäden aus Naturkatastrophen seien laut Moody's sogar noch höher als von manchen Anbietern angegeben: Hannover Rück und Scor rechneten demnach Schäden aus einer Dürre in Brasilien hier nicht ein. Die Schaden-Kosten-Quote, die Schäden und Kosten ins Verhältnis zur Prämie setzt, stieg bei den vier Rückversicherern indes von 95,5 Prozent auf 98,9 Prozent, wie Moody’s vorrechnet.

    Im Lebensrückversicherungsgeschäft profitierten die Anbieter jedoch davon, dass sich die Auswirkungen der Corona-Pandemie allmählich abschwächen. Auch die Schäden aus dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine sind bislang überschaubar, wenngleich es hier noch Unsicherheiten gibt.

    Manche Unternehmen halten an Gewinnzielen fest

    Moody’s zufolge sank der Nettogewinn der vier Rückversicherer in den ersten sechs Monaten 2022 um 47 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 3,6 Milliarden Euro gewesen. Die Ergebnisse von Swiss Re und Scor fielen dabei deutlich schwächer aus als die der deutschen Konkurrenten, was auch auf niedrigere Kapitalanlageergebnisse zurückzuführen ist.

    Insbesondere Hannover Rück stach hier positiv hervor. Das Unternehmen bestätigte ebenso wie Munich Re die Gewinnziele für das Gesamtjahr, während Swiss Re dahinter ein Fragezeichen setzte.

    Positiv für die Branche ist, dass die Nachfrage der Erstversicherer nach Rückversicherungsschutz vor allem in der Schaden-Rückversicherung nach wie vor hoch bleibt. Die Prämieneinnahmen der vier Rückversicherer stiegen im ersten Halbjahr im Schnitt um 15,9 Prozent. Während Munich Re, Swiss Re und Hannover Rück das Rückversicherungsgeschäft für Naturkatastrophen weiter ausbauen, gibt sich Scor zurückhaltender.

    Als eine „Kernstärke“ der Rückversicherer bezeichnet Moody’s unterdessen die Kapitalausstattung. Durch den Zinsanstieg an den Märkten hätten sich die ohnehin schon starken Solvenzquoten, die das Verhältnis von vorhandenen zu geforderten Eigenmitteln angeben, deutlich erhöht. Auch die Investmentbank KBW lobte, dass die defensiven Bilanzen der Rückversicherer den Anlegern in Zeiten steigender Rezessionsrisiken etwas Sicherheit geben könnten.

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