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30.09.2022

16:47

Versicherer

Allianz ordnet den Vorstand neu, Hoffnungsträgerin steigt auf

Von: Christian Schnell

Das Vorstandsgremium schrumpft um zwei Personen. Aus einem Verkauf in Kroatien winkt eine dreistellige Millionensumme.

Allianz-Chef Oliver Bäte: Sein Vertrag läuft bis 2024. Getty Images

Oliver Bäte

Allianz-Chef Oliver Bäte: Sein Vertrag läuft bis 2024.

München Die Allianz hat ihre Zuständigkeiten im Vorstand neu strukturiert und verkleinert das Gremium zum Jahresende um zwei Personen. Neben Sergio Balbinot, dessen altersbedingter Abschied seit einem Jahr feststeht, wird auch Ivan de la Sota den bislang elfköpfigen Vorstand verlassen. Der Spanier, der gut 30 Jahre für die Allianz tätig war, gehörte seit dem Jahr 2018 dem Führungsgremium an.

Mit der Verkleinerung des Vorstands bekommt die Ankündigung von Konzernchef Oliver Bäte vom Investorentag im Dezember erste Konturen. Damals kündigte er an, dass die Allianz von einer Finanz- zu einer Managementholding werden soll.

Auch die Probleme rund um fehlgeschlagene die Hedgefonds-Strategie der Tochter Allianz GI in den USA haben zu einer Beschleunigung des Umbauprozesses beigetragen, heißt es aus dem Haus.

Ivan de la Sota war bislang für das sogenannte Allianz Customer Modell (ACM) verantwortlich. Damit sollten Produkte grenzüberschreitend vereinfacht und im Idealfall einheitlich angeboten werden. Das Vorhaben ist seit Jahren eines der Kernthemen von Vorstandschef Oliver Bäte, der immer wieder die Eigenständigkeit der einzelnen Landesgesellschaften in der Produktgestaltung monierte. De la Sota kam zwar bei dieser Mammutaufgabe voran, intern gab es jedoch auch immer wieder Kritik.

Im Vergütungsbericht für das abgelaufene Jahr, in dem der Aufsichtsrat die Leistungen der einzelnen Vorstände vergleicht, landete Ivan de la Sota auf dem letzten Platz. Seit Längerem wurde deswegen über sein Ausscheiden spekuliert.

Offiziell begründet die Allianz sein Ausscheiden damit, dass die Prozesse für das ACM inzwischen so weit fortgeschritten sind, dass die Mitarbeiter wieder in ihre ursprünglichen Sparten Sach-, Leben- und Krankenversicherung zurückkehren könnten.

Für die verbleibenden neun Führungskräfte, die ab dem kommenden Jahr dem Allianz-Vorstand angehören, ergeben sich somit eine Reihe von Zusatzaufgaben zu ihrer bisherigen Tätigkeit. Die Aufgaben von de la Sota und Balbinot gehen auf sie über.

Das Geschäft in Lateinamerika, Spanien und Portugal etwa übernimmt Christopher Townsend. Der Brite ist bisher für die Industriekundensparte AGCS, die Rückversicherung Allianz RE sowie die Geschäfte in Großbritannien, Irland und in Afrika zuständig.

Zusatzaufgaben für die Vorstände

Für Asien und Australien ist künftig Renate Wagner verantwortlich. Als Finanzvorständin für das Asiengeschäft kennt sie die Region aus ihrem früheren Aufgabenbereich. Bisher schon ist sie für Personal und das Geschäft mit Übernahmen zuständig. Im vergangenen Jahr managte sie bereits die Neuordnung der Allianz Deutschland, die inzwischen weitgehend abgeschlossen ist.

Wagner gilt als mögliche Kandidatin für die Position des Allianz-Chefs, sollte CEO Oliver Bäte seinen bis 2024 laufenden Vertrag nicht verlängern. Intern gilt Wagner als durchsetzungsstark. Mit dem neuen Aufgabengebiet in Asien erhält sie zudem die Zuständigkeit für eine Region, in der sich die Allianz in den kommenden Jahren ein hohes Wachstum verspricht.

Keine Überraschung ist hingegen, dass Andreas Wimmer nun auch für die Lebensversicherung verantwortlich ist. Seit einem Jahr ist er im Vorstand für die Vermögensverwaltungssparte zuständig. Davor war er Chef der deutschen Lebensversicherungsgesellschaft in Stuttgart, die seit Jahren hohe Gewinne an die Zentrale liefert. Dass Vermögensverwaltung und Lebensversicherung enger verzahnt werden sollen, ist seit Längerem im Gespräch. Mit der Neuordnung im Vorstand kommt es nun zum Vollzug.

Finanzressort wird aufgewertet

Eine Schlüsselposition erhält künftig Finanzvorstand Giulio Terzariol. Neben seinem Team werden dann die sogenannten Safeguard-Bereiche Risk, Recht und Compliance angesiedelt. „So wollen wir die relevanten Fähigkeiten konzentrieren und damit die Wirkung dieser Funktionen weiter verstärken“, sagte Oliver Bäte am Freitag im Handelsblatt-Interview.

Nötig geworden war dieser Schritt, weil die Finanzaufsicht Bafin im Rahmen der Prüfung um die fehlgeschlagene Structured-Alpha-Strategie in den USA Verbesserungen bei der Steuerung insbesondere im Bereich des Risikomanagements und der Compliance gefordert hatte.

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Daneben meldete die Allianz sowie die italienische Großbank Unicredit am Freitagmorgen, dass sie ihre Finanzbeteiligungen, die es seit vielen Jahren in Kroatien gibt, entflechten wollen. In diesem Zusammenhang verkauft der Dax-Konzern seinen Anteil von 11,7 Prozent an der Zagrebacka Banka (Zaba) an den Mehrheitseigentümer Unicredit. Die börsengelistete Zaba ist eines der größten Finanzhäuser in Kroatien und wird derzeit mit rund 2,7 Milliarden Euro bewertet.

Im Gegenzug gibt die Zaba ihre Beteiligung von 16,8 Prozent an der Allianz Hrvatska an den Versicherer ab. Operativ wollen beide Finanzunternehmen, die auch in Deutschland eng zusammenarbeiten, in Kroatien weiter kooperieren. Die Unicredit kommt damit auf mehr als 95 Prozent an der kroatischen Bank.

Die Allianz dürfte durch die Transaktion einen dreistelligen Millionenerlös erzielen. Ihr Aktienpaket an der Zagrebacka Banka ist an der Börse umgerechnet rund 0,3 Milliarden Euro wert. Deren Beteiligung an der Allianz-Tochter dürfte deutlich geringer sein.

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