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05.08.2022

09:13

Versicherer

Allianz übertrifft Gewinnerwartungen – und bestätigt Prognose

Von: Christian Schnell

Der Versicherungskonzern erholt sich vom Hedgefonds-Skandal. Zwei klassische Sparten bringen im ersten Halbjahr einen Umsatzschub. Eine Versicherungsform für Anleger schwächelt.

Der Allianz-CEO blickt optimistisch auf die kommenden Monate. IMAGO/Mauersberger

Oliver Bäte

Der Allianz-CEO blickt optimistisch auf die kommenden Monate.

München Die Allianz hat im zweiten Quartal die Erwartungen der Analysten übertroffen. In den Monaten von April bis Ende Juni erzielte Europas größter Versicherer einen operativen Gewinn von 3,5 Milliarden Euro. Analysten hatten im Schnitt mit einem Ergebnis von etwas mehr als 3,3 Milliarden Euro gerechnet.

Als Wachstumstreiber erwies sich vor allem die Sparte Schaden- und Unfallversicherung, während die Lebens- und Krankenversicherung unter dem Vorjahresergebnis lag. Für das Gesamtjahr bestätigte der Konzern seine Gewinnprognose von 13,4 Milliarden Euro, mit einer Spanne von einer Milliarde Euro nach oben wie nach unten.

Konzernchef Oliver Bäte blickte optimistisch auf den weiteren Jahresverlauf. „Wir sind gut positioniert, um die Auswirkungen der hohen Inflation und des wirtschaftlichen Drucks, der besonders in Europa zu spüren ist, zu bewältigen.“

Ihr bislang größtes Problem hatte die Allianz zuvor weitgehend gelöst, die teuren Konsequenzen daraus zeichnen sich aber weiterhin in den Zahlen ab. Für fehlgeschlagene Spekulationen um Structured-Alpha-Fonds der Tochter AGI in den USA bildete der Konzern im Mai eine weitere Rückstellung von 1,9 Milliarden Euro, die Gesamtsumme an Rückstellungen stieg damit auf 5,6 Milliarden Euro.

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    Diese schlug sich nun im Quartalsüberschuss nieder. Im zweiten Quartal lag der auf Anteilseigner entfallende Quartalsüberschuss bei 1,7 Milliarden Euro und damit rund eine halbe Milliarde Euro unter dem Vorjahresergebnis. Betrachtet man das gesamte erste Halbjahr, so zeigen sich die Auswirkungen noch deutlicher: Nur noch 2,3 Milliarden Euro blieben diesmal übrig und damit weniger als die Hälfte der 4,8 Milliarden Euro aus dem Vorjahreszeitraum.

    Belastungen beim Jahresüberschuss

    Konsequenzen zeigten sich auch für die Eigenkapitalrendite (Return on Equity, ROE). Sie betrug im zweiten Quartal nur noch 6,7 Prozent, ohne die Belastungen der Structured-Alpha-Fonds wären es 11,1 Prozent gewesen. Auch der Gewinn je Aktie (Earnings per Share, EPS) ging deutlich zurück, und zwar um 54 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Er betrug nur noch 5,28 Euro.

    Für die Aktionäre hat das keine Folgen. Der Dax-Konzern hatte bereits im vergangenen Jahr beschlossen, dass Sondereffekte wie die Structured-Alpha-Problematik keinen Einfluss auf die Dividendenzahlung haben werden. Die Anteilseigner dürfen damit wohl auch im nächsten Frühjahr mit einer hohen Ausschüttung rechnen.

    Trotz der Belastungen zeichnet sich vielerorts Zuversicht ab, dass die Probleme mit den US-Behörden inzwischen weitgehend gelöst sind. Der Münchener Konzern hatte stets betont, dass in der gesamten Rückstellung sowohl die Entschädigungen für Kunden als auch mögliche Strafzahlungen an US-Behörden enthalten seien.

    Der Versicherer sieht sich wieder auf Kurs. Reuters

    Allianz AG in München

    Der Versicherer sieht sich wieder auf Kurs.

    So hatten die Analysten der Bank of America vor wenigen Tagen bereits Entwarnung gegeben. „Die Allianz wird den Lärm um die Structured-Alpha-Fonds allmählich los“, schrieben sie. Je weiter die Probleme in den Hintergrund rückten, umso mehr dürfte in Zukunft wieder die Entwicklung der Kapitalerträge nach vorne drängen.

    Operativ liefen die Geschäfte der Allianz weiter gut. Der Gesamtumsatz des Allianz-Konzerns erhöhte sich im ersten Halbjahr um 7,2 Prozent auf 81,2 Milliarden Euro. Zum Wachstum trug vor allem die Sach- und Unfallversicherung bei. In der gewöhnlich ertragreichsten der drei Konzernsparten stieg der Umsatz überdurchschnittlich um 12,1 Prozent auf 37,7 Milliarden Euro. In den meisten Regionen legten sowohl die Preise als auch die Kundennachfrage nach Versicherungsschutz zu.

    Ein Plus gab es auch beim operativen Gewinn, der im Vergleich zum Vorjahr um mehr als fünf Prozent auf drei Milliarden Euro stieg.

    Großes Interesse an Reiseversicherungen

    Vor allem am Heimatmarkt Deutschland liefen die Geschäfte gut, an den Auslandsmärkten ragte die Türkei trotz der hohen Inflation im Land heraus. Hier hatte der Konzern seine Bilanzierung wegen der Teuerung umgestellt.

    Zudem kamen zuletzt die Geschäfte in den Bereichen „Global Lines“ wieder in Gang. Darunter fasst der Versicherer seine übergeordneten weltweiten Einheiten zusammen. Dazu gehören der Industrieversicherer AGCS sowie der Kreditversicherer Allianz Trade, der bis vor Kurzem unter dem Namen Euler Hermes firmierte. Am meisten heraus ragte jedoch Allianz Partners, eine Gesellschaft, die unter anderem Reiseversicherungen anbietet und deshalb nach einer coronabedingten Flaute im Jahr 2020 wieder erhebliche Nachfrage nach ihren Produkten spürt.

    Belastungen drohen im dritten Quartal aus Russland. Der Teilverkauf des dortigen Geschäfts dürfte das Nettoergebnis rund 400 Millionen Euro schmälern.

    Die Auswirkungen hoher Marktvolatilitäten und der hohen Inflation bekam der Konzern in seiner zweitwichtigsten Sparte Lebens- und Krankenversicherungen zu spüren. Der operative Gewinn sank im zweiten Quartal auf 1,1 Milliarden Euro, nach 1,3 Milliarden Euro im Vorjahr. Analysten hatten hier im Schnitt 1,168 Milliarden Euro erwartet.

    Dennoch: Das Interesse der Anleger an dieser Form der Absicherung ist vor allem in Deutschland und den USA weiter groß. Das Neugeschäft wuchs in der Lebensversicherung um 6,2 Prozent auf 672 Millionen Euro.

    Vermögensverwaltung spürt die Marktschwankungen

    Starke Marktschwankungen und die hohe Inflation machten auch dem Asset-Management, der kleinsten der drei Konzernsparten, zu schaffen. Der Bereich, in dem die beiden Vermögensverwalter Pimco und AGI zusammengefasst sind, verdiente im zweiten Quartal nur noch 771 Millionen Euro und damit 6,6 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Mit rund 100 Millionen Euro belastete die Abwicklung des US-Geschäfts von AGI im zweiten Quartal.

    Das für Dritte verwaltete Vermögen ging um 109 Milliarden Euro auf 1,769 Billionen Euro zurück. Zwischen April und Juni zogen Anleger 34 Milliarden Euro ab. Zusammen mit eigenen Anlagen verwaltete der Konzern zum Ende des zweiten Quartals 2,319 Billionen Euro.

    Ähnlich positiv wie die Allianz entwickelten sich die großen europäischen Wettbewerber im zweiten Quartal. Der größte Konkurrent Axa konnte seinen Gewinn im ersten Halbjahr trotz Belastungen aus dem Ukrainekrieg steigern. Die Franzosen überraschten damit die Analysten.

    Auch der italienische Versicherer Generali übertraf im ersten Halbjahr die Erwartungen. Belastend wirkten hier aber Abschreibungen auf russische Wertpapiere und die Beteiligung am russischen Versicherer Ingosstrakh.

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