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30.09.2021

20:13

Versicherer

Vorstandswechsel bei der Allianz: Eigengewächs folgt auf Jacqueline Hunt

Von: Christian Schnell

PremiumDer Versicherer tauscht die beiden Vorstände Jacqueline Hunt und Sergio Balbinot aus. Die Nachfolger rücken aus zwei wichtigen Sparten auf.

Besonders die Nachfolge von Vorständin Jacqueline Hunt war im Vorfeld mit Spannung erwartet worden. Reuters

Allianz

Besonders die Nachfolge von Vorständin Jacqueline Hunt war im Vorfeld mit Spannung erwartet worden.

München Die Allianz baut ihren Vorstand gleich auf zwei Positionen um. Für die bisherigen Mitglieder Jacqueline Hunt und Sergio Balbinot rücken Andreas Wimmer und Sirma Boshnakova in das zehnköpfige Gremium nach. Das gab der Konzern am Donnerstag nach Börsenschluss bekannt.

Sowohl Wimmer als auch Boshnakova sind bisher schon bei der Allianz tätig. Wimmer ist Chef der wichtigen Lebensversicherungssparte, Boshnakova verantwortet den Wachstumssektor Allianz Partner, in dem sogenannte Assistance-Versicherungen beispielsweise für Reisen angeboten werden. Beide Neulinge erhalten – wie bei der Allianz bei Neueinsteigern in den Vorstand üblich – einen Vertrag über drei Jahre. Die Wechsel seien langfristiger und strategischer Natur, hieß es.

Besonders die Nachfolge von Jacqueline Hunt war im Vorfeld mit Spannung erwartet worden. Zu ihrem Aufgabenbereich zählt der Geschäftsbereich Asset-Management, in dem nach derzeitigem Stand Schadenzahlungen von bis zu sechs Milliarden Dollar drohen.

Die Tochter Allianz Global Investors (AGI) hatte Großinvestoren wie Pensionskassen in den USA Hedgefonds angeboten, die mit dem Einbruch der Kurse zu Beginn der Corona-Pandemie massiv unter Druck gerieten und teils liquidiert werden mussten. Rund 25 Adressen fordern inzwischen Schadensersatz.

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    Eine Richterin im New Yorker Stadtteil Manhattan ließ am Donnerstag zwölf Klagen – darunter zwei Sammelklagen – im Volumen von vier Milliarden Dollar zu. In der 81-seitigen Entscheidung schrieb die Bezirksrichterin, die Investoren müssten zeigen, dass die AGI bei der Steuerung der „Structured Alpha“-Fonds nachlässig und nicht im guten Glauben gehandelt habe.

    Hunt, die seit dem Jahr 2016 dem Allianz-Vorstand angehört, hatte nach Bekanntwerden des ganzen Ausmaßes dem Vernehmen nach angeboten, ihren noch bis Ende kommenden Jahres laufenden Vertrag vorzeitig zu beenden. Sie bleibt der Allianz jedoch auch nach ihrem sofortigen Ausscheiden als Beraterin erhalten.

    Eigengewächs rückt in den Vorstand

    Ihr Nachfolger Andreas Wimmer ist ein Allianz-Eigengewächs. Nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre in Regensburg und der Promotion stieg der heute 47-Jährige im Jahr 2004 bei der Allianz in der Lebensversicherung-Sparte in Stuttgart ein. Nach Stationen als Vorstandsassistent arbeitete er einige Jahre in der Produktentwicklung und stieg 2009 zum Leiter des Maklervertriebs auf. Nach weiteren Stationen unter anderem in der Sachversicherung gehört er seit dem Jahr 2015 dem Vorstand der Allianz Lebensversicherung an. Seit Anfang vergangenen Jahres ist er deren Vorstandsvorsitzender.

    Der derzeitige Vorstandsvorsitzende von Allianz Leben tritt die Nachfolge von Jacqueline Hunt im Allianz-Vorstand an.

    Andreas Wimmer

    Der derzeitige Vorstandsvorsitzende von Allianz Leben tritt die Nachfolge von Jacqueline Hunt im Allianz-Vorstand an.

    Der erneute Aufstieg nach nicht einmal zwei Jahren auf dieser Position wird bei der Allianz intern als perspektivische Langfristlösung gewertet. Wimmer hatte in der kurzen Zeit als Chef der Lebensversicherung gleich den branchenweit beachteten Schritt gewagt, das Garantieversprechen von hundert Prozent der eingezahlten Beiträge bei neuen Lebensversicherungen zu kappen und mit größerem Risikospielraum auch mehr Rendite in Aussicht zu stellen.

    Dem Schritt, je nach Risikoneigung nur 90, 80 oder gar 60 Prozent der eingezahlten Beiträge zu garantieren, folgten anschließend viele andere Anbieter. Von Verbraucherschützern hagelte es zwar Kritik, Wimmers Schritt festigte jedoch die Position der Allianz als unangefochtene Nummer eins unter den deutschen Lebensversichern mit einem Marktanteil von knapp 30 Prozent.

    Innerhalb der Allianz hatten manche Beobachter auch mit einem externen Topmanager oder einer Topmanagerin auf der wichtigen Position gerechnet. Für Wimmer sprach jedoch, dass er als Vorstandschef der Lebensversicherung schnell aus dem langen Schatten seines Vorgängers Markus Faulhaber herausgetreten war. Faulhaber hatte in seinen fast vier Jahrzehnten im Haus die Lebensversicherungs-Sparte an die Spitze geführt. In der Branche hatte er deswegen den Beinamen „Mister Lebensversicherung“.

    Die Aufarbeitung des Schadens rund um die AGI-Hedgefonds wird Andreas Wimmer als neuer verantwortlicher Konzernvorstand nur bedingt verantworten müssen. Vorstandschef Oliver Bäte hat den Vorfall inzwischen zur Chefsache erklärt.

    Hunts Nachfolger wäre damit zwar ebenfalls befasst, mindestens ebenso wichtig ist jedoch die künftige Ausrichtung der Vermögensverwaltung mit dem Schwerpunkt eines nachhaltigen Umbaus des Portfolios. Nachdem der Konzern sich schon vor rund zwei Jahren zum Ziel der Klimaneutralität bis ins Jahr 2050 bekannt hatte, kam Anfang dieses Jahres ein anspruchsvolles Zwischenziel dazu: Nun sollen die Emissionen bei ausgewählten Portfolios aus Aktien und Unternehmensanleihen bis ins Jahr 2025 schon um 25 Prozent gegenüber 2019 sinken.

    Die 42-jährige Finanzvorständin von Allianz Deutschland übernimmt zum 1. Januar 2022 den Posten von Andreas Wimmer als Vorstandsvorsitzende von Allianz Leben.

    Katja de la Viña

    Die 42-jährige Finanzvorständin von Allianz Deutschland übernimmt zum 1. Januar 2022 den Posten von Andreas Wimmer als Vorstandsvorsitzende von Allianz Leben.

    Noch bis zum Jahresende wird Andreas Wimmer in Doppelfunktion dem Konzernvorstand angehören und die Lebensversicherung leiten. Dann übernimmt Katja de la Viña diese Position von ihm. Die 42-Jährige ist im Moment noch Finanzvorständin der Allianz Deutschland. Die wird zum Jahresende in der derzeitigen Form aufgelöst.

    Erfahrung in schwierigem Wachstumsmarkt

    Neben Andreas Wimmer zieht ab dem neuen Jahr mit Sirma Boshnakova ein weiterer Neuling in den Allianz-Vorstand ein und ersetzt dort Sergio Balbinot. Der erfüllt seinen Vertrag bis Ende 2022, der Konzernvorstand hat dann übergangsweise elf Mitglieder. Boshnakova soll bereits ab dem kommenden Jahr vermehrt Aufgaben von Balbinot übernehmen. Der 63-jährige Italiener hatte vor wenigen Wochen die interne Altersgrenze von 62 Jahren überschritten und ist nach Vorstandschef Bäte das dienstälteste Mitglied im Gremium.

    Für Boshnakova ist die Konzernzentrale in der Münchener Königinstraße kein Neuland. Vier Jahre war die 49-jährige Russin dort im mittleren Management tätig, ehe sie 2019 zur Chefin von Allianz Partners aufstieg. Die in den Jahren vor der Corona-Pandemie stark wachsende Sparte, die sogenannte Assistance-Versicherungen zum Beispiel für Reisen oder Unterhaltungselektronik anbietet, musste wegen der eingeschränkten Reisetätigkeit im vergangenen Jahr einen Umsatzrückgang um 19 Prozent hinnehmen.

    Die 49-Jährige wird im Allianz-Vorstand die Nachfolge von Sergio Balbinot antreten, dessen Amtszeit am 31. Dezember 2022 ausläuft.

    Sirma Boshnakova

    Die 49-Jährige wird im Allianz-Vorstand die Nachfolge von Sergio Balbinot antreten, dessen Amtszeit am 31. Dezember 2022 ausläuft.

    Im Konzern hielt man dennoch an der Strategie in dem außerhalb von Krisenzeiten margenstarken Geschäft fest. Die Zahlen für das erste Halbjahr bestätigen inzwischen die Erwartungen, dass es zu einer starken Rückkehr der Sparte in diesem Jahr kommen könnte.

    Verlängert wurden erwartungsgemäß die Verträge der beiden Vorstände Renate Wagner und Klaus-Peter Röhler. Wobei beide im kommenden Jahr auch einen Teil ihrer bisherigen Aufgaben verlieren werden. Röhler ist neben seiner Aufgabe im Konzernvorstand noch Chef der Allianz Deutschland. Wagner ist dort im Vorstand unter anderem für Personalfragen zuständig. Mit dem im Frühjahr angekündigten Ende der Allianz Deutschland in der bisherigen Form sind beide Positionen hinfällig.

    Dafür sind sowohl Röhler als auch Wagner an anderer Stelle vermehrt gefordert. Röhler ist neben dem Versicherungsgeschäft im deutschsprachigen Raum auch für die Länder in Mittel- und Osteuropa zuständig. Nachdem im Frühjahr das Polengeschäft des Konkurrenten Aviva übernommen wurde, muss Röhler nun dafür sorgen, dass die Allianz dort am Markt künftig weit mehr ist als nur eine Randerscheinung. Renate Wagner ist neben Personalfragen für ein breites Portfolio aus Recht, Compliance sowie Fusionen und Übernahmen zuständig. In jedem Bereich dürften die Aufgaben in Zukunft weiter zunehmen.

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