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21.06.2022

16:50

Versicherung

Eiopa-Chefin Hielkema will europäische Versicherungsaufsicht vereinheitlichen

Von: Susanne Schier

Verbraucher sind im Falle der Pleite eines Versicherers in den EU-Mitgliedstaaten unterschiedlich geschützt. Das muss sich nach der Eiopa-Chefin dringend ändern.

„Aufsicht ist unsere Stärke. Aber wir sind nur so stark, wie unsere Macht es uns erlaubt“, so die Niederländerin. Eiopa

Petra Hielkema

„Aufsicht ist unsere Stärke. Aber wir sind nur so stark, wie unsere Macht es uns erlaubt“, so die Niederländerin.

Frankfurt Eiopa-Chefin Petra Hielkema fordert eine Stärkung und Vereinheitlichung der europäischen Versicherungsaufsicht. Im Zuge der Digitalisierung böten immer mehr Versicherer ihre Dienstleistungen grenzüberschreitend an, sagte die Präsidentin der EU-Versicherungsaufsicht am Dienstag bei einer Onlinekonferenz.

In den meisten Fällen sei das zum Vorteil der europäischen Verbraucherinnen und Verbraucher. Es könne aber auch bedeuten, dass Versicherte Policen kaufen, ohne zu wissen, aus welchem Land diese stammen, wer letztendlich verantwortlich ist, wenn etwas schiefgeht, und welchen Einfluss es haben könnte, wenn der Versicherer pleitegeht.

„Im Geiste des Gemeinsamen Marktes sollte das kein Problem sein“, sagte Hielkema, die die Eiopa seit September führt. „Leider sehen wir aber immer mehr Fälle, in denen die Kunden in einem EU-Mitgliedstaat schlechter geschützt sind und im Falle einer Pleite weniger Entschädigung erhalten als in einem anderen.“ Das sei aus ihrer Sicht inakzeptabel. Der Verbraucherschutz im Versicherungssektor müsse daher dringend harmonisiert werden.

Aufsicht muss sich auf künftige Pleiten vorbereiten

„Aufsicht ist unsere Stärke. Aber wir sind nur so stark, wie unsere Macht es uns erlaubt“, sagte die Niederländerin. „Zu oft brauchen wir zu lange, um diese Fälle zu lösen.“ Die Eiopa habe zwar den Auftrag, die Finanzstabilität zu sichern und die Verbraucher zu schützen. Sie setzt dabei aber nur den Rahmen für die nationalen Versicherungsaufseher.

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    Man müsse nun Entscheidungen treffen. Wenn die EU-Staaten keine zentrale Versicherungsaufsicht in Europa wollten, müsse man die Defizite anders lösen. „Das Problem wird nicht weggehen“, sagte Hielkema. Denn egal wie widerstandsfähig der Versicherungssektor und wie robust die Regulierung sei – man werde dennoch ab und zu mit Pleiten konfrontiert werden und müsse darauf vorbereitet sein.

    Die Eiopa schaue deshalb genau auf den Vorschlag der EU-Kommission für eine Richtlinie zur Sanierung und Abwicklung von Versicherungsunternehmen: „Das wäre sinnvoll für die Finanzstabilität und für die Versicherten.“

    Nicht alle KI-Anwendungen im Versicherungssektor sind hochriskant

    Wichtige Themen, mit denen sich die Gesellschaft und die Versicherer derzeit ebenfalls beschäftigen müssten, sind Hielkema zufolge Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Vielfalt. Im Zusammenhang mit der Digitalisierung hob die Eiopa-Chefin vor allem den Aspekt der Künstlichen Intelligenz (KI) hervor. Sie begrüße zwar den Vorschlag der EU-Kommission für einen ethischen und vertrauenswürdigen Umgang mit KI. Man müsse sich den Versicherungssektor aber noch einmal genauer anschauen.

    So ist Hielkema dagegen, dass alle KI-Anwendungen bei Versicherern automatisch als hochriskant eingestuft werden. „Der Einsatz von KI bei der Preisfindung und im Underwriting dürfte einen höheren Einfluss auf Verbraucher haben als eine Anwendung im Backoffice“, betonte Hielkema.

    Zudem müsse man anerkennen, dass der Versicherungssektor schon stark reguliert ist. Ihrer Ansicht nach sollten daher die Eiopa und die nationalen Aufsichtsbehörden für die Entwicklung weiterer Regeln verantwortlich sein.

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