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04.10.2022

15:47

Versicherung

Für die europäischen Rückversicherer dürfte Hurrikan „Ian“ teuer werden

Von: Susanne Schier

Die Naturkatastrophe in den USA könnte zu den zweithöchsten jemals registrierten Versicherungsschäden führen. Das trifft auch Munich Re, Swiss Re und Hannover Rück.

Strandbesucher begutachten die Schäden, die der Hurrikan „Ian“ im US-Bundesstaat Florida angerichtet hat. dpa

Daytona Beach Shores

Strandbesucher begutachten die Schäden, die der Hurrikan „Ian“ im US-Bundesstaat Florida angerichtet hat.

Frankfurt Hurrikan „Ian“ ist in den vergangenen Tagen durch Florida und South Carolina gefegt und hat schwere Verwüstungen hinterlassen. Auch wenn das komplette Ausmaß der Schäden noch nicht abzusehen ist, deutet sich an, dass Ian zur Katastrophe mit den zweithöchsten jemals registrierten Versicherungsschäden werden könnte. Das geht aus einer aktuellen Studie der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) hervor. Auch für die Rückversicherer Munich Re, Swiss Re und Hannover Rück könnte das Ereignis demnach teuer werden.

Bereits in den vergangenen Tagen haben verschiedene Risikomodellierungsagenturen Schätzungen für die Höhe der Versicherungsschäden abgegeben: Karen Clark geht beispielsweise von 63 Milliarden Dollar (64 Milliarden Euro) aus, Corelogic von 28 bis 47 Milliarden Dollar und AIR von 42 bis 57 Milliarden Dollar.

Laut LBBW-Analyst Werner Schirmer würde „Ian“ ab einer Schadensumme von 23 Milliarden Dollar für die Versicherer zu den acht teuersten Hurrikans seit über einem halben Jahrhundert zählen. Ab 47 Milliarden Dollar wäre er die zweitteuerste Naturkatastrophe, die jemals registriert wurde – hinter Hurrikan „Katrina“ im Jahr 2005 und vor dem Erdbeben in Japan im Jahr 2011.

Unter der Annahme einer marktweiten Belastung von 50 Milliarden Dollar erstellte Schirmer grobe Schadenschätzungen für die europäischen Branchenvertreter. Demnach wären die Rückversicherer Munich Re mit 1,8 Milliarden Euro und Swiss Re mit 1,5 Milliarden Dollar am stärksten betroffen. Für Hannover Rück sagt Schirmer eine Belastung von 634 Millionen Euro voraus. Bei Munich Re wäre das Katastrophenbudget für das Gesamtjahr damit weitgehend ausgeschöpft, bei Swiss Re und Hannover Rück wäre es sogar überschritten.

Auch einige Erstversicherer sind in Florida aktiv: Auf Talanx und Axa kämen demnach Schadenaufwendungen in Höhe von jeweils 750 Millionen Euro zu. Bei Zurich könnten es 750 Millionen Dollar (756 Millionen Euro) sein. Eher geringe Schäden vermutet Schirmer dagegen bei Allianz (260 Millionen Euro), bei Generali bezeichnete er sie ohne konkrete Zahlenangabe als „minimal“.

Versicherer nennen noch keine eigenen Zahlen

Schirmer setzt seine Schadenprognosen auch ins Verhältnis zum Eigenkapital und zum erwarteten Vorsteuerergebnis im Jahr 2022. Hieran gemessen wäre Swiss Re am stärksten betroffen, gefolgt von Munich Re und Hannover Rück. Er werde seine Ergebnisschätzungen für das laufende Geschäftsjahr voraussichtlich bei mehreren Unternehmen nach unten korrigieren müssen, so der Versicherungsexperte. Zugleich weist er darauf hin, dass die Schätzungsunsicherheit momentan noch groß sei.

Berenberg-Analystin Kathryn Fear schrieb bereits vor einigen Tagen, dass sie bei mehreren europäischen Versicherern höhere Schäden erwarte. Die Ergebnisbelastungen werden aus ihrer Sicht aber wohl keine größeren Auswirkungen auf die starken Bilanzen von Rückversicherern wie Munich Re haben.

Bis die Versicherer eigene Schadenzahlen nennen, dauert es meist etwas länger. Sprecher von Munich Re, Swiss Re und Hannover Rück wollten auf Handelsblatt-Nachfrage keine Angaben zu möglichen Schäden machen.

Die Belastungen aus Hurrikan „Ian“ dürften aber auch dazu beitragen, dass die Rückversicherungsprämien bei der anstehenden Vertragserneuerungsrunde zum Jahreswechsel weiter steigen. Bereits beim großen Branchentreffen der Rückversicherer in Monte Carlo, das Mitte September stattfand, waren Preissteigerungen ein großes Thema – weil die Nachfrage nach Rückversicherungsschutz steigt, aber zugleich das Angebot knapp ist.

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