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08.08.2019

07:13

Für die Aktie geht es steil bergab. dpa

Commerzbank-Zentrale in Frankfurt

Für die Aktie geht es steil bergab.

Analyse

Wie die EZB-Politik und steigende Kreditausfälle der Commerzbank zusetzen

Von: Andreas Kröner

Der Druck auf die Commerzbank nimmt zu. Vorstandschef Martin Zielke muss seine Strategie möglicherweise stärker verändern als ursprünglich geplant.

Frankfurt Mehr Kreditausfälle, eine Serie von IT-Pannen und vermutlich bald eine weitere Zinssenkung der EZB. Für die Commerzbank gab es in jüngster Zeit eine Reihe von schlechten Nachrichten. Und Besserung ist aktuell nicht in Sicht.

„Auch im zweiten Halbjahr gibt es keinen Mangel an Herausforderungen“, sagte Finanzchef Stephan Engels am Mittwoch bei der Präsentation der Halbjahreszahlen – und nannte unter anderem den Brexit, die Konjunkturabkühlung in Deutschland und die anhaltenden Handelsstreitigkeiten.

Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass die Commerzbank ihre Strategie im Herbst möglicherweise stärker anpassen wird als ursprünglich geplant.

Nach der geplatzten Fusion mit der Deutschen Bank hatte Vorstandschef Martin Zielke noch betont, dass er keinen Anlass für grundlegende Änderungen sieht. Das Management prüfe lediglich, „ob wir an der einen oder anderen Stelle noch einmal nachschärfen“, sagte er dem Handelsblatt Ende April.

Gut drei Monate später hat sich seine Wortwahl spürbar verändert. „Die Herausforderungen für die Branche und für uns nehmen weiter zu“, sagt Zielke nun. „Dies wird vermutlich weitere Investitionen erfordern, und genau das prüfen und bewerten wir im aktuellen Strategieprozess.“

Laut Finanzchef Engels sind weitere Investitionen unter anderem nötig, um die Abwicklungsplattformen der Bank billiger zu machen und so die Kosten zu senken. Darüber hinaus wollten sich Engels und Zielke nicht zur künftigen Ausrichtung von Deutschlands zweitgrößter Privatbank äußern.

Gewinnziel in Gefahr

Die Ergebnisse des ersten Halbjahres unterstreichen jedoch, dass es Handlungsbedarf gibt. Der Gewinn brach um 27 Prozent auf 391 Millionen Euro ein. Das entspricht einer Eigenkapitalrendite von 3,1 Prozent. Von ihrem Ziel, im kommenden Jahr auf fünf bis sechs Prozent zu kommen, ist die Commerzbank damit noch weit entfernt.

Und auch das Ziel, den Vorjahresgewinn von 865 Millionen Euro im Jahr 2019 zu übertreffen, ist „vor dem Hintergrund der Ergebnisentwicklung im ersten Halbjahr sowie der sich spürbar eintrübenden gesamtwirtschaftlichen Lage und der zunehmend von Unsicherheit geprägten geopolitischen Situation deutlich ambitionierter geworden“, warnte die Commerzbank.

Grafik

Analysten sprachen von ernüchternden Zahlen. Die Commerzbank-Aktie verlor zeitweise mehr als fünf Prozent. Seit einem Zwischenhoch während der Fusionsverhandlungen mit der Deutschen Bank Mitte April hat das Papier damit ein Drittel seines Werts eingebüßt.

Zum Gewinnrückgang im ersten Halbjahr trugen Abschreibungen auf Altportfolios und der schrittweise Verkauf der Derivatesparte EMC an Société Générale bei. Auffällig ist jedoch vor allem, dass die Commerzbank deutlich mehr Geld für ausfallgefährdete Kredite zurücklegen musste. Die Risikovorsorge stieg um beachtliche 60 Prozent auf 256 Millionen Euro.

Die höheren Belastungen sind laut Engels auf geringere Auflösungen von Risikovorsorge zurückzuführen – und auf „weniger als eine Handvoll“ Einzelfälle. Dabei handle es sich um Unternehmen aus allen Regionen, die aus verschiedenen Gründen Probleme hätten – etwa, weil sie sich mit Projekten verhoben oder juristische Auseinandersetzungen verloren haben.

Einen Trend zu mehr Kreditausfällen – branchenübergreifenden oder in bestimmten Sektoren wie der Autoindustrie – hat die Commerzbank bisher jedoch nicht festgestellt.

Engels rechnet bis Jahresende mit weiteren Einzelfällen, aber trotz Konjunkturabkühlung nicht mit einer Flut an Kreditausfällen. „Unsere Risikoindikatoren sind stabil.“ Im Gesamtjahr kalkuliert der Finanzchef mit einer Risikovorsorge von mehr als 550 Millionen Euro, aber deutlich unter einer Milliarde Euro.

Die Kreditausfälle belasteten vor allem das Ergebnis der Firmenkundensparte, das im ersten Halbjahr um mehr als die Hälfte einbrach. Darüber hinaus setzen der Commerzbank der harte Wettbewerb und die Geldpolitik der EZB zu. Diese verlangt aktuell einen Strafzins von 0,4 Prozent, wenn Institute über Nacht Geld bei ihr parken. Im September könnte die Zentralbank den Einlagezins weiter senken – auf minus 0,5 Prozent.

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Auf die Commerzbank kämen in diesem Fall im ersten Jahr zusätzliche Belastungen von 50 Millionen Euro zu. Pläne, die Negativzinsen an Privatkunden weiterzugeben, gibt es aktuell nicht. Engels schloss dies für die Zukunft jedoch nicht aus. Falls viele Konkurrenten diesen Weg einschlagen sollten und die Commerzbank dann mit Einlagen überhäuft werde, „müssten wir uns das sicherlich noch mal sehr genau anschauen“.

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