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09.07.2019

17:19

Arbeitsmarkt in London

Die Jobaussichten für entlassene Deutschbanker sind schlecht

Von: Carsten Volkery

Der Zeitpunkt für die Entlassungswelle bei der Deutschen Bank könnte für die Mitarbeiter kaum ungünstiger sein – vor allem für Aktienhändler.

Fußgänger im Londoner Finanzdistrikt Canary Wharf: Schwieriger Arbeitsmarkt für Banker. Reuters

Finanzdistrikt in London

Fußgänger im Londoner Finanzdistrikt Canary Wharf: Schwieriger Arbeitsmarkt für Banker.

LondonDie entlassenen Deutschbanker finden einen schwierigen Arbeitsmarkt vor. Die betroffenen Aktienhändler konkurrieren um eine schrumpfende Zahl an Stellen. Brancheninsider machen ihnen deshalb keine großen Hoffnungen. „Die Aussichten für Aktienhändler sind sehr schlecht“, sagt ein Londoner Investmentbanker. „Für Cash-Trader gehen die Chancen, einen Job zu finden, gegen null“. Etwas besser sehe es im Anleihehandel aus, doch auch hier seien die Banken relativ gut ausstaffiert.

Der traditionelle Ausweg für Banker, zu einem Hedgefonds oder in die Private-Equity-Branche zu wechseln, ist auch schwieriger geworden. Die Hedgefonds und Vermögensverwalter steckten ebenfalls in der Krise, sagt der Investmentbanker. Auch gebe es da nur „eine Handvoll Jobs“.

Am Montag hatte Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing eine weitreichende Restrukturierung der Bank angekündigt. In den kommenden dreieinhalb Jahren sollen 18.000 Arbeitsplätze abgebaut werden. Darin eingerechnet ist der Stellenabbau bei der Postbank in Deutschland, der sich auf mehrere Tausend Stellen beläuft.

International zieht sich die Bank komplett aus dem Aktienhandel zurück und will auch andere Handelsaktivitäten zurückfahren. Das betrifft weltweit Tausende Händler im Investmentbanking. In einer ersten Welle wurden am Montag Hunderte Mitarbeiter in New York, London und den asiatischen Finanzplätzen mit sofortiger Wirkung entlassen.

Das Ausmaß der Kürzungen überraschte selbst Branchenkenner. „Es war ein großer Schock“, sagt der Londoner Investmentbanker. Damit gehe ein Kapitel der europäischen Bankengeschichte zu Ende. „Es ist die Kapitulation der europäischen Banken vor den US-Banken.“

Etliche Deutschbanker hatten sich bereits selbst einen anderen Job gesucht, bevor die Restrukturierungspläne bekannt wurden. Im Juni verkündete etwa Edward Sankey, Co-Chef des Geschäfts mit Aktienplatzierungen, dass er nach 15 Jahren bei der Deutschen Bank zur britischen HSBC wechsle. Auch der Chef des Devisengeschäfts in Europa, Amedeo Ferri-Ricci, hatte die Bank vorausschauend verlassen.

Für den Rest wird es nun schwierig. Die Brexit-Unsicherheit führt dazu, dass Banken in den kommenden Monaten kaum neue Stellen in London schaffen werden. Und das Investmentbanking schrumpft bereits seit Jahren: Die zwölf größten Banken in der britischen Hauptstadt beschäftigen laut dem Analysehaus Coalition heute 5000 Händler weniger als vor fünf Jahren. Ein Ende des Trends ist nicht in Sicht: Die Erwartungen für den Aktienmarkt im zweiten Halbjahr sind düster. Auch findet der Aktienhandel zunehmend elektronisch statt, Jobs werden wegrationalisiert.

Einige der entlassenen Deutschbanker werden nach Einschätzung von Headhuntern bei Konkurrenten unterkommen – vor allem bei Banken aus den USA, Kanada und Japan. „Es wird Arbeitsplätze für diese Leute geben, aber leider nicht für alle“, sagte Noah Schwarz von der Personalberatung Korn Ferry dem Finanzdienst Bloomberg. „Einige dieser Banker müssen sich wohl neu erfinden.“

Besonders hart dürfte es die Älteren treffen. Sie sind teurer als der Nachwuchs und werden in Zeiten von Kostensenkungsplänen eher gemieden. Nur 19 Prozent der Angestellten im Londoner Finanzsektor sind über 50 – deutlich weniger als im Rest der arbeitenden Bevölkerung. Wer keine besondere Expertise oder ein gutes Netzwerk hat, wird schnell aussortiert.

Der Name Deutsche Bank im Lebenslauf beeindruckt potenzielle Arbeitgeber auch nicht mehr so wie früher. Es sei immer noch eine gute Marke, sagt der Londoner Investmentbanker. „Aber die Kultur bei der Deutschen Bank hat einen schlechten Ruf.“ Es gebe überdurchschnittlich viele Mitarbeiter, die sich als Superstars sähen. Solche Leute wolle man nicht unbedingt einstellen.

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