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11.09.2019

17:11

Autobank

So will VW Financial Services von der Elektromobilität profitieren

Von: Judith Henke

Volkswagen will den Vertrieb seines ersten reinen Elektromodells ID.3 vor allem über Leasing-Verträge sicherstellen. Wachsen will die Autobank auch im Flottengeschäft.

Der ID.3 ist das erste reine Elektroauto von Volkswagen. dpa

IAA 2019

Der ID.3 ist das erste reine Elektroauto von Volkswagen.

Frankfurt Kaum hat Volkswagen auf der IAA mit dem ID.3 sein erstes reines Elektromodell enthüllt, möchte auch die Banktochter des Autokonzerns vom E-Mobilitäts-Boom profitieren. Volkswagen Financial Services zielt nach eigenen Angaben darauf ab, für rund 80 Prozent der neuen E-Fahrzeuge des Konzerns Leasing-Verträge abzuwickeln.

Jens Legenbauer, Sprecher der Geschäftsführung von Volkswagen Leasing, sieht im Leasing den Schlüssel zur E-Mobilität. „Dem Kunden wird so die Angst vor E-Mobilität genommen“, sagt er. Die Autobank habe vor, den gesamten Lebenszyklus des E-Autos zu begleiten. So würde das E-Auto nach drei Jahren nicht einfach weiterverkauft, sondern über einen Anschlussvertrag als Gebrauchtwagen an einen neuen Kunden weitervermittelt.

Interessant sind Elektroautos auch für Firmenflotten, denn Fahrer von E-Autos als Dienstwagen müssen ihre privaten Strecken seit Anfang dieses Jahres nur noch pauschal mit 0,5 Prozent des Bruttolistenpreises versteuern – bei Verbrennern sind es ein Prozent. Im Flottengeschäft sieht die VW-Bank einen wichtigen Schlüssel, um weiter zu wachsen. „Wir haben uns das Ziel gesetzt, bis 2025 die Nummer Eins der Flottenanbieter zu werden“, verkündet Kai Vogler, Leiter des Vertriebs Europa von VW Financial Services.

Bisher hat die VW Financial Services besonders im Privatkundensegment hohe Marktanteile. So werden in Deutschland rund 60 Prozent der Konzernfahrzeuge, zu denen unter anderem VW und Audi gehören, über die VW-Tochter geleast oder finanziert. In Großbritannien, Italien, Spanien und Frankreich sind es insgesamt 50 Prozent.

„Hier wird die Luft langsam zu dünn, um weiter zu wachsen“, so Vogler. Das Flottengeschäft sei allerdings noch ein Wachstumsmarkt. Zwar sei die VW-Bank bei Fahrzeugen ihrer eigenen Marke bereits Flottenanbieter Nummer Eins. Doch nun gelte es, andere Marken in das Flottenangebot zu integrieren, um größere Kunden zu gewinnen und sich europa- und weltweit auszudehnen.

Wachstumstreiber Gebrauchtwagen

Bis 2025 hat sich VW Financial Services das Ziel gesetzt, 30 Millionen Verträge im Bestand zu haben – zurzeit sind es rund 20 Millionen. Als weiteren Wachstumstreiber sieht Vorstandschef Lars Henner Santelmann das Gebrauchtwagengeschäft. Der Privatkundenmarkt werde immer mehr zu einem Gebrauchtwagenmarkt, sagt er. Bereits im Oktober 2017 hat die VW-Finanzsparte die Online-Gebrauchtwagenplattform Heycar gegründet, bis Ende des Jahres sollen 600 000 gebrauchte Fahrzeuge auf der Plattform gelistet sein.

Der Automarkt verzeichnet zurzeit einen rückläufigen Trend bei Neuverkäufen. Experten, etwa vom Center of Automotive Management, gehen für dieses Jahr von einem Rückgang der globalen Verkäufe um fünf Prozent aus. Die VW-Bank, früher nur Leasings- und Finanzierungsanbieter, hat mittlerweile ihr Geschäft auf Dienstleistungen rund um Mobilität ausgeweitet, darunter Car-Sharing und das Zahlen von Parkscheinen per App.

Dass der Trend bei Mobilität vom Besitzen des Autos zum Nutzen geht, haben auch die Autobanken der Konkurrenz erkannt. So etwa die Mercedes-Benz Bank, wie deren Vorstandsvorsitzender Benedikt Schell sagt. „Die Mercedes-Benz Bank entwickelt sich schon seit vielen Jahren von einer klassischen Autobank zur Mobilitätsbank.“ Gerade im Hinblick auf E-Mobilität ginge es darum, ein Ökosystem rund ums Auto zu schaffen. Das ginge von der Finanzierung über die Ladeinfrastruktur bis zur integrierten Abrechnung

Trotz dieser neuen Herausforderungen und Wachstumsziele möchte die VW-Bank, die im letzten Jahr 2,6 Milliarden Euro Gewinn machte, bis 2025 jährlich 850 Millionen Euro sparen. Im Rahmen dieses Effizienzprogrammes werden bei der Autobank auch Jobs wegfallen – unter anderem in Deutschland. Der Abbau werde aber überwiegend über Fluktuation gesteuert, so Vorstandschef Santelmann. Stellen, die frei werden, würde man nicht zwingend neu besetzen.

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