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08.09.2019

15:08

Der Handelssaal im Deutsche Bank Campus.

Handelssaal

Der Handelssaal im Deutsche Bank Campus.

Banken

Kahlschlag in den Handelssälen: Wie globale Investmentbanken schrumpfen

Von: Felix Holtermann, Michael Brächer

Weltweit fallen bei Investmentbanken mehr als 30.000 Stellen weg. Schuld ist ein gefährlicher Cocktail aus Rezessionsgefahr, Regulierung und Digitalisierung.

Das Umfeld im Investmentbanking wird rauer. Das zeigen nicht zuletzt die jüngsten Nachrichten aus der Schweizer UBS: Die Großbank baut ihre Sparte kräftig um. Geschäftsbereiche sollen zusammengelegt werden, Hunderte Jobs könnten wegfallen.

Dass die UBS mit ihren Problemen im Investmentbanking nicht allein dasteht, lässt sich auch auch an den Jobportalen ablesen. Plötzlich sind sie wieder da, die Mutmacher-Storys von einschlägigen Webseiten wie „eFinancialCareers“: „Sieben Wege für Banker, um die Entlassungswelle zu überstehen.“ Oder: „Fünf Jobs bei der Deutschen Bank in Asien, bei denen du nicht gefeuert wirst.“

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Und wenn der Arbeitsplatz dann trotzdem weg ist: „Warum du mit deinen Freunden in die Kneipe gehen solltest, wenn du gerade gekündigt wurdest.“

Die Angst vor der Entlassung geht um in vielen Banketagen von New York bis Frankfurt. Besonders hart trifft es das Investmentbanking. Die Großbanken haben in den vergangenen Monaten den Abbau Zehntausender Stellen angekündigt, vor allem im Handelsbereich.

Dabei zeigt sich eine deutliche Unwucht: Während die Wall-Street-Häuser nur im begrenzten Umfang streichen, setzen Europas Banken auf Entlassungen im großen Stil – und das könnte erst der Anfang sein.

Erstaunlich ist laut Beobachtern nicht die schiere Zahl an Entlassungen, sondern ihre Hintergründe. Während Bankchefs von der „Konzentration auf die Stärken“ sprechen, sehen Experten einen Strukturwandel im Investmentbanking. An dessen Ende könnten einige wenige Wall-Street-Banken den Markt beherrschen – und die meisten europäischen Häuser nur noch unter ferner liefen rangieren.

18.000 Jobs werden allein bei der Deutschen Bank gestrichen, viele davon im Handelsgeschäft. 5000 Stellen, vor allem hochrangige Positionen, fallen bei der britischen HSBC weg, 3000 bei der Konkurrenz von Barclays.

Die französische Société Générale verkündete im April den Abbau von 1600 Stellen vor allem in der Investmentbank. Auch BNP hat dort spürbare Einschnitte angekündigt. Und die US-Großbank Citigroup meldete im Juli „Hunderte“ Jobkürzungen in der Kapitalmarktsparte.

Die Züricher Großbank will mehrere Bereiche zusammenzulegen. Reuters

UBS

Die Züricher Großbank will mehrere Bereiche zusammenzulegen.

Die Schweizer UBS will ihren geplanten Stellenabbau im Moment nicht kommentieren. Die Züricher Großbank bestätigt aber, dass sie plant, mehrere Bereiche zusammenzulegen. So soll das Geschäft mit Aktien mit dem für Devisen, Zinsen und Krediten zu einer Handelsdivision namens „Global Markets“ verschmolzen werden. Und im Beratungsgeschäft, das bislang regional organisiert war, soll eine neue Division namens Global Banking entstehen.

Als die Schweizer nach der Finanzkrise und diversen Skandalen ihre Investmentbank eindampften, galten sie noch als Vorreiter in der Branche. Die UBS konzentrierte sich auf ihre Stärken, etwa im Aktienhandel.

Doch zuletzt war der Handlungsdruck gestiegen. Von einem überraschenden Verlust am Ende des vierten Quartals abgesehen macht die UBS-Investmentbank zwar Gewinne, doch auch sie bekam zuletzt wachsenden Gegenwind zu spüren. Durch die Zusammenlegung der Divisionen soll das Geschäft schlagkräftiger werden und veränderten Kundenwünschen nachkommen, heißt es in Finanzkreisen – aber natürlich spielten auch Einsparungen eine Rolle. Die Mitarbeiter wurden über die Pläne informiert. Wie viele der insgesamt rund 5200 Jobs wegfallen, soll aber noch nicht entschieden sein.

Im Schnitt setzen die Banken, die die Entlassungen beziffert haben, rund sechs Prozent ihrer Angestellten vor die Tür. Die Begründungen ähneln sich: „Wir müssen uns auf unsere Stärken konzentrieren“, forderte Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing.

Man werde sich auf „Gebiete der Stärke“ fokussieren, wo man „dauerhaft unterscheidbare kompetitive Vorteile“ habe, erklärte die Société Générale unter Vorstandschef Frédéric Oudéa. Man wolle sich auf Wachstumsbereiche konzentrieren und gar nicht erst versuchen, anderen „Investmentbanken bei den Ranglisten hinterherzulaufen“, sagte HSBC-Interimschef Noel Quinn.

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