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14.08.2019

03:51

Bankenlandschaft

Diese Kandidaten werden als HSBC-Chef gehandelt

Von: Carsten Volkery

Der überraschende Abgang von John Flint löst eine Personalrochade bei Europas größter Bank aus. Die Suche nach einem neuen Chef könnte ein ganzes Jahr dauern.

Der CEO der Großbank Lloyds war bereits vor zwei Jahren im Gespräch bei HSBC. Reuters

Antonio Horta-Osorio

Der CEO der Großbank Lloyds war bereits vor zwei Jahren im Gespräch bei HSBC.

Frankfurt Nach dem abrupten Abgang von John Flint in der vergangenen Woche muss die HSBC nun schon wieder einen neuen Vorstandschef suchen. Europas größte Bank will sich bis zu zwölf Monate Zeit nehmen, um dieses Mal den richtigen Kandidaten zu finden. So lange soll Noel Quinn die Geschäfte führen.

Der Rücktritt Flints nach nur 18 Monaten im Amt hatte die Londoner Finanzbranche überrascht. Über die Gründe schweigt die Bank sich aus. Doch soll Verwaltungsratschef Mark Tucker die Geduld mit Flints vorsichtigem Managementstil verloren haben. Der HSBC-Veteran, der seit 30 Jahren bei der Bank war, hatte im Wesentlichen den Kurs seines Vorgängers Stuart Gulliver fortgeführt und zu wenig neue Akzente gesetzt. Ihm wird auch vorgeworfen, nicht schnell genug die Kosten gesenkt zu haben. Gesucht wird nun jemand, der die Baustellen der Bank beherzt angeht.

In London wird bereits über erste Namen spekuliert. Die große Frage ist, ob sich das Traditionshaus erstmals in seiner 154-jährigen Geschichte für einen externen Kandidaten entscheidet. Nachdem der Insider Flint enttäuscht hat, könnte Tucker nun auf frische Ideen von außen setzen. Dafür spricht auch, dass Tucker selbst der erste Verwaltungsratschef ohne HSBC-Erfahrung ist: Er kam vor zwei Jahren vom Versicherer AIA. Mit dem Rauswurf von Flint hat er ein Signal gesetzt, dass er mit alten Traditionen brechen will.

Als heißer Kandidat gehandelt wird Antonio Horta-Osorio. Der Vorstandsvorsitzende der britischen Großbank Lloyds war bereits vor zwei Jahren bei HSBC für den Chefposten im Gespräch. Bei Lloyds hat er erfolgreich die Kosten gesenkt. Gegen den Portugiesen spricht allerdings, dass er keine Asienerfahrung hat. Hongkong und China sind die wichtigsten Märkte der HSBC.

Der frühere UBS-Investmentbankchef Andrea Orcel wäre derzeit sogar frei, nachdem sein Wechsel an die Spitze der spanischen Bank Santander spektakulär gescheitert ist. Als Investmentbanker dürfte der Italiener jedoch nicht das richtige Profil für die konservative Unternehmensbank haben.

Der italienische Investmentbanker hängt in der Warteschleife. Bloomberg/Getty Images

Andrea Orcel

Der italienische Investmentbanker hängt in der Warteschleife.

Ein Asien-affiner Kandidat wäre Piyush Gupta, aktuell Chef der DBS Group in Singapur. In den vergangenen zehn Jahren hat er das Institut auf einen beeindruckenden Wachstumskurs gebracht. Für ihn wäre der Wechsel in die riesige HSBC mit ihren 230.000 Mitarbeitern jedoch ein gewaltiger Sprung.

Die Auswahl qualifizierter Kandidaten, die auch noch Asienerfahrung mitbringen, ist begrenzt. Daher könnte der Verwaltungsrat am Ende doch wieder in den eigenen Reihen schauen – oder einen ehemaligen HSBC-Manager zurückholen. In diese Kategorie fiele etwa Mark McCombe, der früher das wichtige Hongkong-Geschäft der Bank geleitet hat und inzwischen Vorstand beim Vermögensverwalter Blackrock ist.

Als Favorit unter den internen Kandidaten gilt Finanzvorstand Ewen Stevenson. Der 53-jährige Neuseeländer war erst im Januar von der Royal Bank of Scotland gekommen und ginge daher fast noch als externer Kandidat durch. Er ist wie Tucker ein zupackender Typ. Bei der Bekanntgabe der Halbjahreszahlen erklärte er bereits, in welchen Bereichen die Bank sich verbessern müsste.

Es ist aber auch nicht undenkbar, dass der Aufsichtsrat in einigen Monaten entscheidet, dass Interimschef Quinn seinen Job so gut macht, dass er auch langfristig bleiben soll. Für den bisherigen Chef des Firmenkundengeschäfts wäre das ein steiler Karriereschritt: Er wurde gerade erst überhaupt in den Verwaltungsrat befördert.

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