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17.01.2019

19:01

Der Bezahldienst hat mehr als 700 Millionen aktive Nutzer. Visual China Group/Getty Images

Alipay

Der Bezahldienst hat mehr als 700 Millionen aktive Nutzer.

Bezahldienst

Alipay weitet mit einer neuen Lizenz seine Macht in Europa aus

Von: Katharina Schneider

Der Bezahldienst gewinnt an Macht in Europa: Mit einer neuen Lizenz könnten die Chinesen hiesigen Verbrauchern das Bezahlen per App schmackhaft machen.

FrankfurtWenn Manager des chinesischen Zahlungskonzerns Alipay in Deutschland ihre Smartphone-App vorstellen, bringen sie das Publikum meist zum Staunen: Von mehr als 700 Millionen aktiven Nutzern sprach im vergangenen Monat etwa Xiaoqiong Hu, Managerin bei Alipay, auf einer Tagung des Handelsblatts. Das Unternehmen ist 2004 als Bezahlmethode für den Onlinehandel gestartet und hat sich seither zu einer mobilen Lifestyle-Plattform entwickelt.

Das Bezahlen ist dabei nur eine von vielen Funktionen. Auch wurden längst die Grenzen Chinas überwunden, Alipay wird in 20 europäischen Ländern akzeptiert. Allerdings: Bislang benötigen Nutzer dafür ein Konto in China und einen chinesischen Pass. Danach gefragt, wann sich Alipay auch für europäische Kunden öffnen wird, wiegeln die Alipay-Manager konsequent ab. Jetzt allerdings hat Alipay von der Finanzaufsicht in Luxemburg eine Lizenz als E-Geld-Institut erhalten.

Das gibt Anlass zu neuen Spekulationen. Nach Einschätzungen von Fachleuten könnte Alipay sein Geschäftsmodell mit der Lizenz in zwei Richtungen erweitern: Zum einen könnte das Unternehmen auch europäischen Verbrauchern seine Bezahlfunktion zur Verfügung stellen. Zum anderen könnte es seinen Service für Händler ausweiten. Beides dürfte die Macht des Konzerns im europäischen Zahlungsverkehrsmarkt enorm ausweiten.

Unterstützung leistet dabei die zweite EU-Zahlungsdiensterichtlinie (PSD2). Sie regelt, dass bestimmte Firmen – auch solche mit E-Geld-Lizenz – auf Bankkonten zugreifen und dort im Auftrag ihrer Kunden Überweisungen anstoßen dürfen.

Durch diesen Direktzugriff werden Partnerschaften mit Banken oder Kreditkartenunternehmen obsolet und zugleich droht den traditionellen Anbietern der Verlust des Kundenkontakts. Das Machtgefüge am Zahlungsmarkt wandelt sich, und Anbieter wie Alipay oder auch Google und Amazon, die ebenfalls eine E-Geld-Lizenz haben, könnten zu den ganz großen Gewinnern gehören.

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Marcus Mosen, selbstständiger Berater und Investor, sieht in der Lizenz noch einen weiteren Vorteil: „Das ist auch ein Image-Gewinn“, sagt der Zahlungsmarktexperte.

Hakan Eroglu, Berater bei der Consulting-Firma Accenture, hält es nicht für unwahrscheinlich, dass Alipay seine Bezahlfunktion auch für europäische Kunden öffnet und dafür ein eigenes Zahlungssystem aufbaut. „Dank PSD2 könnte es direkt auf die Konten seiner Kunden zugreifen“, so der Experte. Ähnliches wird auch Internetkonzernen wie Amazon und Google zugetraut. Letzterer könnte damit seinen Bezahldienst Google Pay verbessern und sich ebenfalls unabhängig von Partnern machen.

Das Potenzial wäre aus Sicht von Eroglu enorm: „Der chinesische Markt ist zwar sehr groß, aber er ist bereits weitgehend gesättigt.“ Deshalb erschienen die 500 Millionen EU-Bürger aus chinesischer Sicht als durchaus attraktives Ziel. Insbesondere, da sich das Bezahlen mit dem Smartphone hier noch nicht durchgesetzt habe. Punkten könnte Alipay insbesondere mit den zahlreichen Zusatzangeboten seiner App.

Nutzer können damit beispielsweise ein Taxi buchen, einen Tisch im Restaurant reservieren, oder sie bekommen Shopping-Tipps zu Händlern in der Nähe. In den vergangenen Jahren haben die Chinesen bereits ein großes Netzwerk mit europäischen Händlern aufgebaut. Allein in Deutschland wird Alipay dank Kooperationen mit Dienstleistern wie Wirecard, Concardis und Bluecode bei mehreren Tausend Unternehmen akzeptiert, darunter Ketten wie Rossmann, Müller und Galeria Kaufhof und Luxusmarken wie Gucci und Burberry.

Einstieg in Handelsfinanzierung

Das Vertrauen hiesiger Kunden zu gewinnen dürfte indes keine leichte Aufgabe sein. Dank Ant Financial habe Alipay jedoch genug Geld für Marketing, meint Eroglu. Ant Financial hatte im vergangenen Jahr rund 14 Milliarden Dollar von Investoren erhalten und wurde zuletzt mit 150 Milliarden Dollar bewertet.

Gefragt nach ihren Plänen mit der Lizenz, blieben die Chinesen selbst vage. „Dadurch können wir Unternehmen in Luxemburg und Europa noch besser betreuen und ihnen helfen, mit chinesischen Touristen in Kontakt zu kommen“, sagte ein Sprecher von Ant Financial dem Handelsblatt.

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Nach Ansicht von Experten könnte dies auf einen Einstieg in die Handelsfinanzierung hindeuten. Damit könnten die Chinesen einmal mehr den klassischen Banken gefährlich werden. Mosen wird konkret: „Denkbar wäre etwa, dass Alipay den Händlern Finanzierungsmöglichkeiten anbietet, so wie es heute schon Paypal tut.“

Und er traut Alipay sogar noch mehr zu: „Ich würde auch nicht ausschließen, dass Alipay irgendwann selbst direkt Verträge mit Händlern in Europa abschließt, statt mit lokalen Zahlungsverkehrsanbietern zu kooperieren.“

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