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29.01.2019

17:30

Bezahldienste

Katarina Barley will Deutsche vom digitalen Bezahlen überzeugen

Von: Frank Matthias Drost

Die Bundesbürger vertrauen digitalen Bezahlmethoden nur wenig. Die Verbraucherschutzministerin Katarina Barley will das ändern – und einen Daten-Tüv etablieren.

Die Bundesverbraucherschutzministerin sorgt sich um den Datenschutz. picture alliance/dpa

Katarina Barley

Die Bundesverbraucherschutzministerin sorgt sich um den Datenschutz.

BerlinNur zögerlich begleichen Kunden in Deutschland ihre Rechnungen an der Ladenkasse auf digitalem Weg. Das hat aus Sicht von Bundesverbraucherministerin Katarina Barley (SPD) einen guten Grund.

„Verbraucher werden neue Bezahlmethoden erst akzeptieren, wenn sie ihnen vertrauen und das Bezahlen damit gleichzeitig unkompliziert möglich ist“, sagte sie auf dem Safer Internet Day 2019 in Berlin, den das Bundesverbraucherministerium gemeinsam mit dem Digitalverband Bitkom in Berlin veranstaltete. Es liege an der Wirtschaft, gute Modelle zu entwickeln, mahnte Barley.

In einer aktuellen Bitkom-Umfrage wurde deutlich, wie sehr die Bundesbürger noch am Bargeld hängen. Danach können sich 54 Prozent der Befragten nicht vorstellen, komplett auf Bargeld zu verzichten.

Aber die Wertschätzung lässt nach. So glaubten 38 Prozent, dass Bargeld in zehn Jahren nicht mehr das dominierende Zahlungsmittel in Deutschland sein werde, sagte Bitkom-Präsident Achim Berg.

Im Vergleich zum Vorjahr sei das ein Plus von sieben Prozentpunkten. Derzeit werden noch 74 Prozent aller Zahlungsvorgänge an der Ladenkasse bar getätigt.

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Kaum jemand in der Welt bezahlt so gerne mit Münzen und Scheinen wie die Deutschen. Dank Smartphone setzt sich aber das elektronische Bezahlen unaufhaltsam durch.

Auch im Onlinehandel genießen herkömmliche Bezahlmodelle großes Vertrauen. Die Bundesbürger favorisieren im Internet den Kauf per Rechnung oder Lastschrift. Erst an dritter Stelle steht das Onlinebezahlsystem Paypal.

Noch ein Nischendasein fristet das sogenannte Mobile Payment, also die Bezahlung mit dem Smartphone oder einem anderen mobilen Endgerät im stationären Handel. Allerdings dürfte die Einführung von Google Pay und Apple Pay in Deutschland die Attraktivität mobiler Bezahlmethoden erhöhen.

60 Prozent haben Sicherheitsbedenken

Doch wie sicher sind die Daten, die der Verbraucher bei den elektronischen Bezahlverfahren preisgibt? In der Bitkom-Umfrage gaben 60 Prozent der Befragten zu Protokoll, dass sie Sicherheitsbedenken haben. „Sie machen sich zu Recht sorgen“, urteilt der Vorstand der Verbraucherzentrale Bundesverband, Klaus Müller.

Er macht seine Bedenken allerdings eher am Datenschutz als an der Transaktionssicherheit fest. Untersuchungen der Verbraucherschützer belegten, dass bei elektronischen Zahlverfahren mehr Daten erhoben werden, als für den Dienst nötig sind.

Auch mithilfe bestehender Datenschutzerklärungen könnten Nutzer nicht erkennen, was mit ihren Daten geschehe. „Im Fall von Paypal benötigt man rund 24 Minuten zum Lesen der Datenschutzerklärung“, sagt Müller. Dabei sei die 48-seitige Aufzählung Dritter, an die Daten weitergeleitet werden, noch nicht berücksichtigt. Müller plädiert für kurze Datenschutzerklärungen und die Möglichkeit, dass Nutzer der Weitergabe von Einzeldaten zustimmen oder diese verweigern können.

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Aus Sicht des Potsdamer Professors für Wirtschaftsinformatik und Digitalisierung, Key Pousttchi, gehören Bezahldaten zu den mächtigsten Daten überhaupt. Daher würden Internetkonzerne wie Google, Apple, Facebook und Amazon auch in das Finanzwesen drängen, um ein immer vollständigeres Bild vom Kunden zu erhalten. Diese Sicht der Dinge teilt Ministerin Barley. „Wenn Internetkonzerne auch noch über finanzielle Daten verfügen, wird der Mensch noch gläserner“, befürchtet die Verbraucherschutzministerin

Wertvolle Bezahldaten als wichtiges Puzzlestück

Bezahldaten aus der realen Welt seien für die US-Internetkonzerne das wichtigste Puzzlestück, das ihnen zur vollständigen Nutzerprofilierung noch fehle, urteilt Pousttchi. „Die Internetkonzerne können 24 Stunden am Tag sehr detaillierte elektronische Nutzungsdaten mit Telekommunikationsdaten, Ortsdaten, Informationen aus lokalen Netzen und dem Bezahlverhalten verknüpfen und in Echtzeit auswerten“, erläutert der Wissenschaftler. Das Ergebnis seien treffsichere Prognosen der Nutzerbedürfnisse und des Nutzerverhaltens. Zudem ließen sich diese auch durch geeignete Methoden beeinflussen.

Dabei wendet sich der Digitalexperte nicht gegen das Sammeln von Nutzerdaten. „Die Dienste der Zukunft werden alle auf der Auswertung von Nutzerdaten beruhen“, ist sich Pousttchi sicher. Diesem Trend könne man sich nicht verweigern. Die Lösung des Problems, dass immer mehr Daten in den Händen weniger Konzerne gebündelt lägen, könnte darin bestehen, ein europäisches Betriebssystem für Smartphones zu schaffen.

Ziel sollte es dabei sein, die Auswertung der Nutzerdaten nicht gegen den Verbraucher und verborgen wie heute, sondern mit ihm gemeinsam und transparent vorzunehmen. Die Einführung des neuen Mobilfunkstandards 5G wäre dazu ein guter Anlass gewesen.

Für wen das noch Zukunftsmusik ist, für den hatte Bundesverbraucherschutzministerin Barley einen Vorschlag parat, der wohl schneller umzusetzen ist. „Ich setze mich für eine Art Daten-Tüv ein.“ Diese Behörde sollte stichprobenartig checken, ob auf unlautere Art und Weise Informationen gesammelt werden. Mit dem Bundesinnenministerium führe sie entsprechende Gespräche.

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