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29.11.2018

17:39

Binäre Optionen

Finanzaufsicht Bafin verbietet Vertrieb und Verkauf von riskanten Finanzwetten an Privatkunden

Von: Georgios Kokologiannis, Jürgen Röder

Binäre Optionen sind verlockend für Kleinanleger. Doch die Praxis hat offenbar gezeigt, dass die Produkte extrem verlustreich sind.

Die Finanzaufsicht will erneut ein riskantes Finanzinstrument aus Gründen des Verbraucherschutzes verbieten. dpa

Bafin

Die Finanzaufsicht will erneut ein riskantes Finanzinstrument aus Gründen des Verbraucherschutzes verbieten.

Frankfurt, Bonn Die deutsche Finanzaufsicht Bafin greift erneut bei riskanten Finanzwetten durch. Die Behörde plane, aus Verbraucherschutzgründen die Vermarktung, den Vertrieb und den Verkauf von sogenannten binären Optionen an Privatkunden in Deutschland zu untersagen, teilte sie am Donnerstag in Bonn mit. Damit reagiere sie darauf, dass ein vorübergehendes Verbot der Wertpapiere in der EU von der Europäischen Aufsichtsbehörde ESMA auslaufe.

Bei binären Optionen setzen Anleger darauf, dass zugrundeliegende Wertpapiere wie Aktien oder Währungen etwa in einem bestimmten Zeitraum fallen oder steigen. Tritt das Ereignis nicht ein, verliert der Anleger sein angelegtes Kapital. Geht die Wette auf, wird die Option entweder ausgezahlt oder der Anleger kann weiter handeln. Es gilt ein „alles-oder-nichts“-Prinzip.

Der Handel mit binären Optionen war bis vor wenigen Jahren nur Finanzinstituten und professionellen Tradern vorbehalten und dass ausschließlich außerbörslich (OTC Markt). Verlockend für Privatanleger ist insbesondere, dass sie theoretisch nicht über vertiefte Kenntnisse über Finanzprodukte verfügen müssen und auch mit relativ kleinen Beträgen einsteigen können.

Allerdings wird beim Handel mit binären Optionen nicht der tatsächliche Vermögenswert der gehandelten Produkte (etwa Gold, Aktien, Öl, Währungen) erworben, sondern lediglich eine Wette auf die Kursentwicklung abgeschlossen.

Bonitätsanleihen: Bafin zieht Verbot zurück

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Die Finanzaufsicht Bafin verzichtet auf ein Verbot von Bonitätsanleihen – vorerst. Der Grund: Die Finanzwirtschaft hat sich verpflichtet, den Verbraucher bei diesen Produkten besser zu schützen.

Anders als etwa der Handel mit Aktien, bei dem ein Totalverlust selten vorkommt, werden binäre Optionen außerbörslich über spezialisierte Broker gehandelt. Die Laufzeit der einzelnen Wetten kann von wenigen Sekunden bis hin zu mehreren Monaten dauern.

Binäre Optionen seien gerade in der Niedrigzinsphase verlockend für Kleinanleger, sagte Bafin-Exekutivdirektorin Elisabeth Roegele. Sie ließen sich leicht auf Online-Plattformen handeln und versprächen hohe Renditen. „Die Praxis hat aber gezeigt, dass die Produkte für Kleinanleger extrem verlustreich und sehr riskant sind.“

Binäre Optionen seien komplex und wenig transparent, so die Bafin. Wegen der oft sehr kurzen Laufzeiten könnten Kunden das Risiko-Rendite-Profil kaum einschätzen. Zudem gebe es Interessenskonflikte, da viele Anbieter die Preise festsetzten und zugleich als Gegenparteien aufträten.

Da sich Verbraucher zunehmend über Broker von binären Optionen beschwerten, hatte das Team Geldanlage und Altersvorsorge der Marktwächter Finanzen der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg die Branche im vergangenen Jahr stichprobenartig unter die Lupe genommen. Herausgekommen sind teils verheerende Ergebnisse.

„Binäre Optionen werden als einfache und vielversprechende Geldanlage dargestellt, eine Vielzahl der Anbieter ist aus unserer Sicht jedoch fragwürdig. Oft wird Seriosität mit unlauteren Mitteln vorgegaukelt“, sagte damals Referentin Beate Weiser. So habe das Marktwächter-Team etwa gefälschte Nachrichtenartikel im Design renommierter Nachrichtenseiten gefunden.

Zudem berichteten Verbraucher im Rahmen der Untersuchung auch von unerlaubten Werbeanrufen der Broker. Zum Teil konnte erst gegen eine obligatorische Geldeinlage von circa 250 Euro ein Nutzerkonto eröffnet werden. Ein weiterer Kritikpunkt: Die überprüften Anbieter verwirrten oft mit schlecht übersetzten Geschäftsbedingungen, außerdem seien die Regelungen zur Auszahlung gewonnener Beträge unklar.

„Weil die Anbieter sehr häufig im Ausland sitzen, können Verbraucher ihr Recht nur schwer durchsetzen. Die Rückforderung einbezahlter Einlagen müsste im Zweifelsfall über einen langen Rechtsweg eingeklagt werden. Viele Broker sind gar nicht greifbar“, warnte Weiser vor einem Jahr.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Bafin zum Kleinanlegerschutz einschreitet: Im Mai 2017 verbot sie Differenzgeschäfte (CFDs) mit Nachschusspflicht für Privatanleger, mit denen Investoren mit geringem Kapitaleinsatz auf die Kursentwicklungen etwa von Aktien spekulieren, aber auch schnell viel Geld verlieren können – bis über das eingesetzte Vermögen hinaus.

Zudem hatte die Bafin 2016 mit einem Verbot von Bonitätsanleihen gedroht, die Wetten auf die Kreditwürdigkeit von Unternehmen erlauben. Nach Zugeständnissen der Finanzbranche hatte die Behörde aber darauf verzichtet.

Mit Material von Nachrichtenagenturen

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