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07.08.2019

09:32

Blitzanalyse

Gewinn der Commerzbank bricht ein – Bank hält trotzdem am Jahresziel fest

Von: Andreas Kröner

Die Zinsflaute und die Konjunkturabkühlung haben der Commerzbank im ersten Halbjahr zugesetzt. Der Druck auf das Management steigt. Auf die Aktie auch: Sie verliert deutlich.

Das Schild einer Commerzbank-Filiale nahe der Zentrale der Commerzbank in Frankfurt. Das Geldhaus hat weniger verdient als erwartet. dpa

Commerzbank

Das Schild einer Commerzbank-Filiale nahe der Zentrale der Commerzbank in Frankfurt. Das Geldhaus hat weniger verdient als erwartet.

Frankfurt Die Commerzbank hat an diesem Mittwochmorgen über die Geschäfte im ersten Halbjahr berichtet. Wegen des Zinsumfelds und der Konjunkturabkühlung ging der Gewinn deutlich zurück.

Damit steigt der Druck auf das Management, bis Herbst eine neue Strategie zu erarbeiten, um aus eigener Kraft mehr Gewinn zu erwirtschaften und für einen steigenden Aktienkurs zu sorgen. Seit einem Zwischenhoch während der Fusionsverhandlungen mit der Deutschen Bank Mitte April hat die Commerzbank-Aktie rund 30 Prozent verloren.

Im Vormittagshandel verliert die Aktie drei Prozent und wird zum Kurs von 5,53 Euro gehandelt.

Die wichtigsten Fakten im Überblick:

  • Der Gewinn ist im ersten Halbjahr um 27 Prozent eingebrochen auf 391 Millionen Euro.
  • Die Bank hat deutlich mehr Geld für ausfallgefährdete Kredite zurückgelegt. Die Risikovorsorge wurde um 60 Prozent auf 256 Millionen Euro erhöht.
  • Die um Sondereffekte bereinigten Erträge sanken im ersten Halbjahr um zwei Prozent auf 4,29 Milliarden Euro.
  • Für das Gesamtjahr 2019 erwartet die Bank weiterhin ein leicht höheres Konzernergebnis als im Vorjahr, als das Institut 865 Millionen Euro Gewinn machte. Dieses Ziel sei aufgrund der Zahlen im ersten Halbjahr und der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen aber „deutlich ambitionierter geworden“.

Das fällt positiv auf

Das Kundenwachstum: Drei IT-Pannen innerhalb von fünf Wochen haben das Privatkundenwachstum der Commerzbank nicht gebremst. Im ersten Halbjahr gewann die Sparte unter dem Strich 230.000 neue Kunden, wovon die Online-Tochter Comdirect 128.000 beisteuerte. Das angepeilte Geschäftsvolumen (Assets under Control) stieg auf 413 Milliarden Euro. Sein Ziel für 2020, auf mehr als 400 Milliarden Euro zu kommen, hat Privatkundenchef Michael Mandel damit bereits übererfüllt.

Grafik

Die Firmenkundensparte hat in den vergangenen drei Jahren 11.400 neue Kunden gewonnen. Auch dank der neuen Privat- und Firmenkunden hat die Bank ihren Zinsüberschuss im ersten Halbjahr um neun Prozent auf 2,5 Milliarden Euro gesteigert. „Damit erwiesen sich die Beiträge von neuen Kunden erneut als wichtiger Ausgleich für den Gegenwind aus negativen Zinsen, niedrigen Margen und Regulierung“, erklärte das Institut.

Fortschritte hat die Bank außerdem beim Abbau nicht strategischer Portfolios gemacht. Die interne Bad Bank (Asset & Capital Recovery, kurz ACR) wurde deshalb zum 1. Juli 2019 aufgelöst. Das verbliebene Restvolumen von 4,5 Milliarden Euro – darunter ein Schiffsportfolio mit einem Volumen von rund 200 Millionen Euro – wurde in das Segment „Sonstige und Konsolidierung“ übertragen.

Das fällt negativ auf

Der Gewinneinbruch: Der Gewinn ist im ersten Halbjahr um über ein Viertel eingebrochen auf 391 Millionen Euro. Die Commerzbank kommt damit auf eine Eigenkapitalrendite von 3,1 Prozent. Von ihrem Ziel, im kommenden Jahr auf fünf bis sechs Prozent zu kommen, ist das Institut damit noch weit entfernt.

Und auch das Ziel, den Vorjahresgewinn von 865 Millionen Euro im Jahr 2019 zu übertreffen, ist „vor dem Hintergrund der Ergebnisentwicklung im ersten Halbjahr sowie der sich spürbar eintrübenden gesamtwirtschaftlichen Lage und der zunehmend von Unsicherheit geprägten geopolitischen Situation deutlich ambitionierter geworden“, warnte das Institut.

Abschreibungen auf Altportfolios und der schrittweise Verkauf der Sparte „Equity Markets & Commodities“ (EMC) an Société Générale haben zum Gewinnrückgang beigetragen. Ins Auge sticht jedoch vor allem, dass die Commerzbank im ersten Halbjahr deutlich mehr Geld für ausfallgefährdete Kredite zurücklegen musste. Die Risikovorsorge wurde um 60 Prozent auf 256 Millionen Euro erhöht.

„Die höheren Belastungen sind auf Einzelfälle im zweiten Quartal sowie geringere Auflösungen von Risikovorsorge im ersten Halbjahr zurückzuführen“, erklärte die Commerzbank. Das Risikoergebnis liege im Rahmen der Erwartungen. Im Gesamtjahr rechnet das Institut weiter mit Belastungen von „mindestens 550 Millionen Euro.“

Insgesamt sei das Risikoprofil „weiter sehr gesund“, erklärte das Geldhaus. Nur 0,8 Prozent aller Engagements seien ausfallgefährdet.  

Was kommt

Ende April sind die Fusionsgespräche zwischen Deutscher Bank und Commerzbank geplatzt. Und auch andere potenzielle Käufer wie ING und Unicredit haben signalisiert, dass sie aktuell kein Interesse an einer Übernahme der Commerzbank haben.

Das Managementteam rund um Vorstandschef Martin Zielke hat sich vorgenommen, die Commerzbank aus eigener Kraft erfolgreicher zu machen. Es ist gerade dabei, eine neue Strategie für die nächsten Jahre zu erarbeiten, die im Herbst vorgestellt werden soll. „Die Herausforderungen für die Branche und für uns nehmen weiter zu“, sagte Zielke am Mittwoch. „Dies wird vermutlich weitere Investitionen erfordern, und genau das prüfen und bewerten wir im aktuellen Strategieprozess.“

Einige Investoren, Analysten und Bankenaufseher fordern jedoch, dass die Commerzbank nicht nur investiert, sondern auch ihre Kosten weiter senkt. Durch die Ausgabe einer eine Milliarde Dollar schweren Nachranganleihe (AT 1) Anfang Juli habe die Commerzbank ihre Flexibilität in herausfordernden Zeiten erhöht, betonen Analysten.

Die Commerzbank könne damit weiteres Wachstum finanzieren – oder auch die Restrukturierungsaufwendungen für ein neues Kostensenkungsprogramm.

Kommentare (1)

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Herr Lothar Bitschnau

07.08.2019, 11:08 Uhr

Der Unternehmenswert der Commerzbank liegt heute bei 24 % ihres Eigenkapitals.
Das ist eine Vertrauensbewertung der Aktionäre.
Die Commerzbank hat ja in der Vergangenheit noch größeren „Raubbau“ an den Aktionären betrieben wie die Deutsche Bank.

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