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04.09.2017

19:53 Uhr

Blockchain-Technik

Ist Bargeld nun überflüssig?

Die Bitcoin-Kursgewinne zeigen: Kryptowährungen sind mehr als fixe Gedankenspiele gewiefter Internetpioniere. Jetzt entdecken auch nationale Zentralbanken das Potenzial der zugrundeliegenden Blockchain-Technologie.

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Zürich
Bitcoin war nur der Anfang. Während die Cyber-Währung bislang vor allem mit Betrugsvorwürfen und heftigen Kursausschlägen Schlagzeilen machte, trauen Experten der zugrundeliegenden Technologie Blockchain zu, das Finanzsystem umzukrempeln. War Blockchain ursprünglich eine Spielwiese für Utopisten und Spekulanten, zieht sie zunehmend auch die mächtigsten Institutionen des Finanzsystems in ihren Bann: Mindestens ein Dutzend Notenbanken rund um den Globus spielt derzeit durch, ob sich die Technologie für ihre Zwecke nutzen lässt.

Der Ersatz von Bargeld gehört dabei noch zu den konservativen Szenarien. Am Ende könnten ganz neue geldpolitische Maßnahmen zum Einsatz kommen. „Das hat ein enormes disruptives Potenzial für die Art und Weise, wie Zentralbanken arbeiten“, erklärt Hans Kuhn von der Universität Luzern. „Wir sind an einem Punkt, wo es zur größten tektonischen Verschiebung seit der Aufgabe des Goldstandards 1973 kommen könnte.“

Mit Bitcoin entstand 2008 erstmals eine elektronische Form von Bargeld, mit der sich zentrale Eigenschaften von Münzen und Banknoten ins digitale Zeitalter retten lassen: Eine direkte und sofortige Zahlung zwischen Nutzern, ohne dass sie ihre Identität offenlegen müssen. Auf breiter Front durchgesetzt hat sie sich bislang aber nicht.

Kurz & knapp erklärt: Blockchain

Was ist die Blockchain?

Der Begriff Blockchain beschreibt eine dezentrale Datenbank, bei der jeder User, der Teil dieses Blockchain-Netzwerkes ist, die gesamte Datenbank mit sämtlichen Informationsketten oder Ausschnitte davon besitzt. Die Blockchain funktioniert wie eine Art öffentliches Grundbuch oder ein digitaler Kontoauszug für Transaktionen zwischen Computern. Sie ist die technologische Basis für Kryptowährungen wie zum Beispiel Bitcoins.

Wie funktioniert die Blockchain?

Dadurch, dass alle Teilnehmer des Netzwerks eine vollständige Kopie bzw. einen Ausschnitt der kompletten Blockchain besitzen, können sie selbst prüfen, ob alle an einer Transaktion beteiligten Parteien mit derselben Version der Blockchain arbeiten. Eine externe und zentrale Aufsichtsinstanz, die Transaktionen prüft, wird dadurch überflüssig. Daraus ergibt sich allerdings die Herausforderung für alle Beteiligten, stets eine gemeinsame Datengrundlage zu schaffen. Dazu wird ein Konsensalgorithmus verwendet. In der Blockchain einigen sich die Netzwerkteilnehmer immer auf die längste verfügbare Block-Kette.

Welche Branchen profitieren von der Blockchain?

Die Bankenbranche beispielsweise nutzt Blockchains intensiv – und kann durch die neue Technik Finanztransaktionen schneller, billiger und sicherer durchführen. Vermittler wie Swift-Plattformen und Clearinghäuser, die für ihre Dienste eine Gebühr berechnen, könnten durch Blockchains perspektivisch ersetzt werden. Auch Wirtschaftsprüfer setzen auf die Blockchain, wenn es um die Automatisierung von Buchprüfungen geht.

Wo kommen Blockchains noch zum Einsatz?

Blockchains sind vielfältig nutzbar – und kommen vor allem dort zum Einsatz, wo es um Nachverfolgbarkeit und Konformität geht. Beispielsweise können sie als Beweis dienen, dass ein Paket vollständig geliefert wurde. Weitere Initiativen sind geplant: So soll die Blockchain künftig bei der Beglaubigung von Diplomen oder dem Optimieren von Lebensläufen eingesetzt werden. Und die Kreditkartengesellschaft Visa will 2017 einen Blockchain-Zahlungsservice einführen.

Was sind die Stärken der Blockchain?

Bei der Blockchain stehen Transparenz und Dezentralität im Vordergrund: User müssen Identität und Besitz sichtbar hinterlegen, so dass anonymisiert erkennbar ist, wer beispielweise welche Bitcoins an wen sendet. Die Identität hinter einer Adresse bleibt jedoch unklar. Im übertragenden Sinne könnte man sagen: Das Internet ist ein „Netzwerk von Informationen“, die Blockchain ein „Netzwerk des Vertrauens“.
Die Technologie gilt deshalb als vielversprechend, weil die Informationen einer Blockchain transparent und auf viele Computer verteilt gespeichert sind. Dadurch können sie nur mit enormem technischen Aufwand manipuliert werden.

Die Blockchain-Technologie, auf der Bitcoin beruht, bietet aber ihrerseits enorme Möglichkeiten. Denn die Software sammelt Daten von Transaktionen, fasst sie zu Blöcken zusammen und hängt sie aneinander. Das spart Zeit und Geld, etwa bei Überweisungen, weil zentrale Schaltstellen wie Banken nicht mehr gebraucht werden.

Solche vollautomatisierten Prozesse in Verbindung mit digitalen Währungen könnten auch für Notenbanken interessant sein. Immerhin erreichen die Kosten für die Bereitstellung von Bargeld in entwickelten Ländern ein bis zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Würde das Bargeld ganz abgeschafft, eröffneten sich ganz neue Perspektiven für die Geldpolitik: Um die Wirtschaft anzuschieben, könnten die Zinsen etwa unbegrenzt ins Minus gedrückt werden, weil das Geld von den Kunden ja nicht einfach abgezogen werden kann. Auf diese Weise könnten auch Währungen geschwächt werden.

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Eine Pionierrolle nimmt Schweden ein. Das war schon in den 1660er Jahren so, als in dem skandinavischen Land erstmals in Europa Banknoten ausgegeben wurden. Was damals die Druckerpresse war, ist heute die Computertechnologie. Dank ihr könnte die Riksbank als erste bedeutende Zentralbank eine eigene digitale Währung an den Start bringen. „Das ist so revolutionär wie Papiergeld vor 300 Jahren“, sagte Vize-Chefin Cecilia Skingsley der „Financial Times“.

Dass Schweden erneut vorprescht ist kein Zufall, denn in dem Land ist die Nutzung von Bargeld bereits massiv zurückgegangen. Die älteste Notenbank der Welt will nun verhindern, dass die Bevölkerung bei ihren Zahlungen Privatfirmen ausgeliefert ist, wenn Bargeld ganz verschwindet. Ende 2018 entscheidet die Riksbank, ob sie eine „E-Krone“ etwa in Form einer App oder eine Karte einführt. Bestehende digitale Zahlungsangebote wie Apple Pay ähneln dem nur auf den ersten Blick, denn sie laufen über die herkömmliche Infrastruktur der Kreditkartenunternehmen.

Kommentare (2)

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G. Nampf

05.09.2017, 09:23 Uhr

Jede Form von Nicht-BArgeld hat entscheidende Nachteile:

- sie braucht Strom. ImFalle eines Stomausfalls bzw. "Akku leer" kann man nicht bezahlen.

- "Eine direkte und sofortige Zahlung zwischen Nutzern, ohne dass sie ihre Identität offenlegen müssen."

" In China und Russland ist die Ausgangslage jedoch anders. „Da geht es um Kontrolle“, ..."

Dies ist ein Widerspruch in sich. Entweder die Identität bleibt verborgen, oder solche Zahlungsweisen ermöglichen die vollständige Kontrolle. Beide zusammen gehen nicht. Meine Prognose lautet: Da den Herrschenden in ALLEN (!) Ländern ein anonymes Bezahlen hochgradig zuwider ist, wird es auf Kontrolle hinauslaufen.

- "Das wohl radikalste Modell könnte so aussehen: Jedermann erhält ein Konto bei einer Notenbank, über das sämtliche Transaktionen laufen würden. „Die Notenbanken würden zu einer Art Volksbank“,..."

Die Notenbanken sind wirklich die letzten, die wissen müssen, wo ich sonntags meine Brötchen kaufe. Konto-basierte Geldsysteme bedeuten immer Überwachung.

- "Würde das Bargeld ganz abgeschafft, eröffneten sich ganz neue Perspektiven für die Geldpolitik: Um die Wirtschaft anzuschieben, könnten die Zinsen etwa unbegrenzt ins Minus gedrückt werden, weil das Geld von den Kunden ja nicht einfach abgezogen werden kann."

Bitcoin & Co. kann man auch nicht mit nach Hause nehmen. Und eine anonyme Umwandlung in z.B: Edelmetalle geht dann auch nicht mehr. Einer Enteignung seitens der Notenbanken steht also nichts im Wege.

Herr Heinz Keizer

05.09.2017, 10:02 Uhr

Bitcoin ist Spekulation, aber keine Währung. Das Ganze erinnert mich stark an die Tulpenmanie in den Niederlanden im 17. Jahrhundert. Kryptowährungen, insbesondere wenn sie vom Staat installiert werden, können sehr schnell zur Gängelung der Bürger dienen. Konten sind dann schnell gesperrt. Bestimmte Zahlungen können schnell unterbunden werden. Wir regen uns heute über eine angebliche Vorratsdatenspeicherung auf, die aber gar keine ist, aber die Gefahr, die da auf uns zukommt, wollen wir nicht sehen.

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