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11.08.2019

17:30

Börsenbetreiber

Konkurrent für die Deutsche Börse: Die neue Handelsplattform Spectrum startet

Von: Andreas Kröner

Der britische Finanzkonzern will mit der Plattform Spectrum in Frankfurt Privatanleger ansprechen – und etablierten Betreibern Marktanteile abnehmen.

Spectrum: Finanzkonzern IG startet neue Handelsplattform

Nicky Maan

Der Spectrum-Chef will in fünf Jahren schwarze Zahlen schreiben.

Frankfurt Nicky Maan ist positiv überrascht von Frankfurt. Die Stadt sei sehr international und viel besser als ihr Ruf, sagt der Manager des britischen Finanzkonzerns IG Group. Maan ist darüber sehr froh, denn der 33-jährige Brite wird künftig viel Zeit in der Mainmetropole verbringen.

Der Grund: IG geht an diesem Montag in Frankfurt mit einer neuen europäischen Handelsplattform namens Spectrum an den Start – und Maan ist deren Chef. Spectrum bietet den Handel mit strukturierten Produkten an und will den Platzhirschen Deutsche Börse und Börse Stuttgart künftig Marktanteile im Geschäft mit Privatanlegern abnehmen.

„In fünf Jahren möchten wir der wichtigste Handelsplatz für Privatanleger sein“, sagt Maan im Gespräch mit dem Handelsblatt. Anleger können nicht direkt bei Spectrum handeln, aber über Banken und Broker – in Deutschland beispielsweise über ING, Comdirect, Flatex oder die Consorsbank. Diese Firmen will Maan als Kunden gewinnen.

Spectrum ist eine sogenannte Multilateral Trading Facility, die von der deutschen Finanzaufsicht Bafin reguliert wird. Im Vergleich zu alteingesessenen Börsenbetreibern habe Spectrum drei wesentliche Vorteile, sagt Maan: Die Firma sei fokussierter, schneller und billiger.

Bei Spectrum sind zum Start 400 Turbo-Warrants handelbar. Das sind Anlageinstrumente, mit denen Anleger, die sich der Risiken bewusst sind, auf steigende oder fallende Kurse von Basiswerten setzen können – bei Spectrum zunächst auf Indizes, Währungen und Rohstoffe. 2020 sollen Turbo-Warrants auf einzelne Aktien dazukommen, perspektivisch dann auch längerfristige Finanzinstrumente.

Schwächen der Etablierten ausnutzen

IG hat Spectrum komplett neu aufgebaut und versucht, Schwächen der traditioneller Anbieter auszunutzen. Besonders in Deutschland würden es die meisten Broker vorziehen, Geschäfte von Privatanlegern außerbörslich (OTC) laufen zu lassen und nicht über regulierte Marktplätze, erklärt Maan. Der Hauptgrund dafür seien die Komplexität und die hohen Kosten bei der Nutzung von Börsen.

Spectrum sei deshalb bewusst schlank aufgestellt. „Wir werden billiger sein“, betont Maan. „Wir haben einen Handelsplatz gebaut, der ganz auf Privatanleger ausgelegt ist. Deshalb haben wir viele Dinge weggelassen, die es bei bestehenden Börsen gibt und die viel Geld kosten.“

 Spectrum verzichtet beispielsweise darauf, Geschäfte über Clearinghäuser wie LCH oder Eurex Clearing abzuwickeln. „Das ist bei unseren Produkten ein überflüssiger Schritt“, findet Maan. Es reiche aus, dass die Produkte am Ende beim Wertpapierverwahrer Clearstream verbucht würden. „Auf ein Clearinghaus zu verzichten macht das ganze billiger für den Broker, der diese Ersparnis dann an den Privatanleger weiterreichen kann.“

Maan will mit seinem Angebot nicht nur etablierten Börsenbetreibern Marktanteile abnehmen. Er setzt zudem drauf, dass Broker und Banken künftig außerbörsliche Geschäfte auf Spectrum verlagern – auch auf Druck der Aufsichtsbehörden und der eigenen Compliance-Abteilungen. „In den nächsten zehn Jahren wird es auf jeden Fall eine Bewegung in diese Richtung geben.“

Neben dem Preis wirbt Spectrum damit, dass Anleger über die Plattform an Werktagen rund um die Uhr strukturierte Produkte kaufen und verkaufen können. An der Deutschen Börse und der Börse Stuttgart geht dies nur zwischen acht und 22 Uhr.

Darüber hinaus will Spectrum neue Produkte schneller auf den Markt bringen. Bisher dauere das bei den meisten Anbietern zwei bis drei Tage, sagt Maan. „Wir haben das auf 24 Stunden reduziert. Und in den nächsten drei Monaten werden wir es bis auf drei Stunden drücken.“

Millionen-Investitionen

Die IG Group habe mehrere Millionen in den Aufbau von Spectrum gesteckt, sagt Maan. „Es handelt sich um einen signifikanten Betrag.“ In weniger als fünf Jahren will das Unternehmen schwarze Zahlen schreiben. Es bietet den Handel in acht europäischen Ländern an: neben Deutschland noch in Frankreich, Italien, Schweden, den Niederlanden, Irland, Norwegen und Spanien.

Aktuell besteht das Spectrum-Team aus 30 Mitarbeitern – die meisten davon sitzen im Frankfurter Westhafen Tower. Von dort blickt auch Nicky Maan über den Main – und versprüht Optimismus. Spectrum sei bereits in Kontakt mit vielen potenziellen Kunden, sagt er. Die Verhandlungen würden Zeit brauchen. Aber das Potenzial sei gewaltig. „Wir sind sehr zuversichtlich.“

Kommentare (1)

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Herr Michael Däppen

12.08.2019, 09:55 Uhr

Wäre noch toll, wenn deren Website funktionieren würde
https://www.spectrum-markets.com/ --- M.R.

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