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20.05.2019

12:17

Die Papiere rutschten auf ein neues Rekordtief. Reuters

Deutsche Bank

Die Papiere rutschten auf ein neues Rekordtief.

Börsenkurs

Deutsche-Bank-Aktie sinkt auf Rekordtief

Von: Michael Maisch

Nach dem Aus der Fusionsgespräche mit der Commerzbank und vor der Hauptversammlung rutscht die Deutsche Bank zurück in die Dauerkrise.

Frankfurt Ein Ende mit Schrecken bedeutet noch lange nicht das Ende der Schrecken. Diese Erkenntnis dürfte bei den Aktionären der Deutschen Bank dreieinhalb Wochen nach dem Ende der Fusionsgespräche mit dem Frankfurter Rivalen Commerzbank stehen.

Zwar hielten die meisten großen Anteilseigner des größten heimischen Geldhauses die Verhandlungen über einen Zusammenschluss mit dem kleineren Frankfurter Nachbarn für einen Irrweg. Für die Deutsche Bank bedeutet das Fusions-Aus allerdings keinen Neuanfang, im Gegenteil: Am Montagmittag ist die Aktie des Instituts mit 6,65 Euro auf ein neues Rekordtief gefallen. Damit lag der Kurs mit 2,75 Prozent im Minus.

Die Aktie der Deutschen Bank schwächelt bereits seit Wochen, und das hat mit den Zukunftsaussichten zu tun. Gerade erst haben die Analysten der Schweizer UBS die Bank herabgestuft und ihr Kursziel für die Aktie auf 5,70 Euro nach unten korrigiert. Die Experten befürchten, dass sich das Umfeld an den Märkten in diesem Jahr nicht verbessern wird, außerdem gingen Vorstandschef Christian Sewing die strategischen Optionen aus.

Das aktuelle Kursniveau impliziere, dass die Bank 2020 eine Eigenkapitalrendite von 3,7 Prozent erreichen könne. Das halten die UBS-Analysten allerdings für illusorisch Sewing hat den Investoren bereits für 2019 eine Eigenkapitalrendite von vier Prozent versprochen. An diesem Ziel hält er zwar fest, räumt aber ein, dass die Bank dafür den Rückenwind der Märkte braucht. Die Analysten trauen der Bank im Schnitt derzeit nur eine Rendite von 1,8 Prozent für dieses Jahr zu. Für 2020 liegen die Prognosen bei 2,5 Prozent.

Darüber hinaus schafft es die Deutsche Bank nicht, aus den negativen Schlagzeilen zu kommen. Vergangene Woche war sie wegen einer Razzia bei ihren Kunden im Gespräch. An diesem Montag sorgte dann ein Bericht der „New York Times“ für schlechte Stimmung. Demnach sollen Führungskräfte des Instituts Mitarbeiter davon abgehalten haben, auffällige Transaktionen bei Firmen von US-Präsident Donald Trump und seinem Schwiegersohn Jared Kushner der Finanzaufsicht zu melden. Die Deutsche Bank wies die Vorwürfe zwar zurück. In Folge des Berichts gab die Aktie der Bank dennoch deutlich nach.

Bereits die Zahlen zum ersten Quartal, die die Bank kurz nach dem Abbruch der Verhandlungen mit der Commerzbank präsentierte, hatten die meisten Analysten enttäuscht. Zwar konnte das Institut seinen Nettogewinn in den ersten drei Monaten des Jahres um 67 Prozent auf 200 Millionen Euro steigern, und damit die Erwartungen übertreffen. Gleichzeitig musste Sewing allerdings die Ertragsprognose für dieses Jahr kassieren, und die Investmentbank machte nach einem Minus im vierten Quartal 2018 erneut Verluste.

Nach der Vorlage des mit Spannung erwarteten Zwischenergebnisses hatten neun Analysten ihre ohnehin sehr niedrigen Anlageurteile bestätigt, keiner erhöhte das Kursziel. Aktuell rät nur ein einziger von 29 von der Nachrichtenagentur Bloomberg erfassten Analysten zum Kauf der Aktie. Dagegen empfehlen 16 den Verkauf. Eine so schlechte Quote ist beispiellos unter europäischen Großbanken.

Die Probleme der Deutschen Bank zeigen sich auch am Verhältnis von Aktienkurs zum Wert des Vermögens in der Bilanz. Das sogenannte Kursbuchwertverhältnis ist nach den Kursverlusten der vergangenen Wochen auf nur noch 0,20 geschrumpft. Ein Wert über eins signalisiert Solidität, ein Wert darunter latentes Misstrauen.

Aber es sind nicht nur die wirtschaftlichen Aussichten, die den Aktienkurs belasten. Neuer Ärger droht dem Institut auf der Hauptversammlung am 23. Mai. Erstmals haben mit Glass Lewis und ISS beide großen internationalen Stimmrechtsberater ihren Kunden empfohlen, Aufsichtsrat und Vorstand nicht zu entlasten. Das könnte für Sewing und vor allem für den seit Jahren in der Kritik stehenden Aufsichtsratschef Paul Achleitner unangenehm werden, weil sich viele große Aktionäre an die Empfehlungen der Berater halten.

Experten gehen davon aus, dass allein ISS rund 30 Prozent der Stimmrechte beeinflusst, weitere zehn Prozent folgen den Schätzungen zufolge Glass Lewis. Ihre Ablehnung begründen die Stimmrechtsberater vor allem mit der unbefriedigenden wirtschaftlichen Lage der Bank und den schwachen Kontrollsystemen. In diesem Jahr wurde das Frankfurter Geldhaus in den größten europäischen Geldwäscheskandal rund um die Danske Bank verwickelt.

Achleitner und Sewing versuchen nun im Vorfeld des Aktionärstreffens ihre wichtigsten Anteilseigner davon zu überzeugen, Vorstand und Aufsichtsrat doch zu entlasten. Ihre Argumente: Es gebe doch große Fortschritte bei der Verbesserung der Kontrollsysteme, die meisten Vergehen und Fehler fielen in die Zeit bevor das heutige Management an Bord war. Außerdem habe die Bank fast alle ihre großen Rechtsrisiken abgearbeitet.

Bei der Umsetzung der Strategie sei man 2018 ebenfalls vorangekommen, das sei der erste Schritt um in den kommenden Jahren wieder auskömmliche Renditen zu erzielen. Informationen aus Finanzkreisen zufolge, bringen die Anstrengungen von Achleitner und Sewing zumindest Teilerfolge.

Einige große Investoren wollen das Duo trotz der Kritik von ISS und Glass Lewis offenbar trotzdem entlasten. Erfreulich werden die Abstimmungsergebnisse auf der Hauptversammlung aller Wahrscheinlichkeit nach dennoch nicht aussehen. Aber zumindest eine peinliche Nicht-Entlastung könnte Sewing und auch Achleitner womöglich erspart bleiben.

Mehr: Deutsche-Bank-Mitarbeiter sollen auffällige Transaktionen von Donald Trump gemeldet haben. Doch ihre Führungskräfte waren offenbar dagegen, diese Aktivitäten an die Finanzüberwachung der USA zu melden.

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Kommentare (1)

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Herr Lothar Bitschnau

20.05.2019, 13:03 Uhr

Was meint der Aufsichtsrat dazu?

Historisch tiefster Aktienkurs der Deutschen Bank nach 12-jährigem Abwärtstrend!
75 Mrd. Kapitalvernichtung für die Aktionäre.

Bei den letzten sechs Kapitalerhöhungen wurden die Aktionäre nur zu dummen Verlierern gemacht.
Seit vielen Jahren hält die Bank nichts von dem was sie „verspricht“, lässt sich aber von Medien in ununterbrochener Folge Betrugs- und Rechtsfälle aufdecken.

Nur das absurde Bonussystem funktioniert verlässlich. 1,9 Mrd. für 2018. Für was eigentlich?
Ein gemeinschaftlich organisiertes Geschenkekarussell ohne Bezug zum Unternehmensergebnis oder positiver Unternehmensentwicklung.

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