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04.09.2019

18:38

Branchenanalyse

McKinsey hält das deutsche Banken-Problem für hausgemacht

Von: Andreas Kröner

Deutsche Institute haben es verschlafen, ihre Geschäftsmodelle rechtzeitig anzupassen, kritisiert die Beratungsfirma McKinsey beim Handelsblatt Banken-Gipfel.

Prof. Dr. Uwe Stegemann, Senior Partner bei McKinsey hält die Problem der Banken für hausgemacht. Marc-Steffen Unger für Handelsblatt

Handelsblatt Banken-Gipfel 2019

Prof. Dr. Uwe Stegemann, Senior Partner bei McKinsey hält die Problem der Banken für hausgemacht.

Frankfurt Handelskonflikte, niedrige Zinsen, harter Wettbewerb: Deutsche Bankmanager machen gerne externe Faktoren für die schwachen Zahlen ihrer Geldhäuser verantwortlich. Das Beratungsunternehmen McKinsey hat eine andere Sicht auf die Dinge. „Das deutsche Banken-Problem ist hausgemacht“, sagt McKinsey-Bankenexperte Uwe Stegemann. Viele Institute hätten zu lange auf eine baldige Zinswende gehofft und eine schleichende Erosion ihres Geschäftsmodells akzeptiert.

„Veränderungen wurden auf breiter Front vertagt“, kritisiert Stegemann. Institute in anderen Ländern hätten ihre Geschäftsmodelle schneller angepasst. Im deutschen Bankensektor seien die Personalkapazitäten nach der Finanzkrise dagegen viele Jahre kaum geschrumpft. Erst in den letzten ein bis zwei Jahren gebe es hier mehr Bewegung.

Und die Zeiten werden schwerer: Die Europäische Zentralbank (EZB) will die Zinsen in absehbarer Zeit nicht erhöhen, sondern hat eine weitere Lockerung ihrer Geldpolitik in Aussicht gestellt. Geschäftsbanken, die über Nacht Geld bei der Notenbank parken, müssen dafür dann aller Voraussicht nach höhere Strafzinsen bezahlen als bisher.

Aus Sicht des Beraters stehen Banken deshalb vor einer Zeitenwende. „Traditionelles, bilanzorientiertes Banking ‚made in Deutschland‘ ist in seinem jetzigen Zustand bei dieser Zinssituation mittelfristig nicht überlebensfähig.“ Das Management der Geldhäuser müsse schleunigst gegensteuern.

Neben mehr Kundenorientierung fordert Stegemann Fortschritte bei der Digitalisierung. In den vergangenen Jahren hätte Banken zwar viel Geld in IT und Technologie investiert. Dabei sei es jedoch oft in erster Linie um die Umsetzung regulatorischer Vorgaben gegangen – und nicht um eine grundlegende Modernisierung der Geschäftssysteme, kritisiert der Berater. Deshalb gebe es viel zu tun.

„Bereits heute ist mindestens ein Drittel der Arbeitsstunden im Banking automatisierbar.“ Durch eine stärkere Digitalisierung, gepaart mit einer Ausbildungsoffensive für Mitarbeiter, könnten Banken aus Sicht von Stegemann nicht nur Kosten sparen, sondern auch die Qualität ihrer Dienstleistungen deutlich erhöhen.

Banken-Gipfel 2019

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