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11.01.2019

15:35

Buchhaltung

Deutsche Bank verlagert offenbar US-Jobs aus Kostengründen nach Indien

Deutschlands größtes Geldhaus kann offenbar seine Sparziele einhalten. Die Bank hat aber nicht nur mit ihren Ausgaben zu kämpfen.

Der Hauptsitz des Geldhauses in Frankfurt. dpa

Deutsche Bank

Der Hauptsitz des Geldhauses in Frankfurt.

New York, MumbaiDie Deutsche Bank stand an vorderster Front, als die Wall Street begann, Arbeitsplätze in den USA in billigere Städte zu verlagern. Jetzt siedelt das deutsche Kreditinstitut einige dieser Arbeitsplätze in Indien an.

Die Bank verlegt etwa 60 Stellen aus der Buchhaltung von ihrem Campus in Jacksonville, Florida, nach Mumbai, um die Kosten zu senken, wie mit der Angelegenheit vertraute Personen sagten. Der Schritt ist Teil einer größeren Verlagerung: Das Management beabsichtigt, in diesem Jahr mehr Arbeitsplätze aus den USA nach Indien zu bringen, sagte einer der Insider.

„Wir überprüfen regelmäßig unsere Präsenz und suchen nach Möglichkeiten, die betriebliche Effizienz zu steigern, um den Kundenservice zu verbessern und die Erträge der Aktionäre zu steigern“, erklärte eine Sprecherin der Deutschen Bank. „Unsere Präsenz in Jacksonville ist ein wesentlicher Bestandteil unserer regionalen Präsenz in Amerika und wir legen großen Wert auf unsere Aktivitäten in Jacksonville.“

Große Banken haben Arbeitsplätze aus New York City nach Jacksonville und Salt Lake City verlagert, wo Büros billiger sind und die Angestellten normalerweise weniger verdienen, aber die Lebenshaltungskosten niedriger sind. Der Druck, einen Schritt weiter zu gehen, ist bei der Deutschen Bank groß: Vorstandschef Christian Sewing reduziert die Aktivitäten in den USA und verschlankt das Unternehmen nach jahrelangen Skandalen und schwacher Performance.

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Das größte deutsche Geldhaus steht unter finanziellem Druck. Eine Maßnahme: Die Summe der Prämien für die Mitarbeiter fällt unter zwei Milliarden Euro.

In einem Punkt gibt es aber wohl Fortschritte: Das Geldhaus hat im vergangenen Jahr offenbar ihr Sparziel eingehalten. „Wir haben unsere Kosten im Griff“, sagte Finanzchef James von Moltke am Freitag bei einem Neujahrsempfang des Instituts in Düsseldorf. „2018 haben wir in einem solchen Umfang nachhaltig die Kosten gesenkt, dass wir selbstbewusst sagen können: Wir sind überzeugt, dass die Zeiten vorbei sind, in denen die Deutsche Bank Ziele gesetzt hat, die sie dann nicht einhält.“

Mit ausufernden Kosten kämpft die Bank seit Jahren. Dem früheren Vorstandschef John Cryan war es nicht gelungen, diese nachhaltig in den Griff zu bekommen. Dies soll sich nun ändern. Das Institut hatte angekündigt, dass die Kosten 2018 rund 23 Milliarden Euro nicht überschreiten sollen. 2019 sollen sie dann auf 22 Milliarden Euro sinken.

Die Bank hat aber nicht nur mit ihren Ausgaben zu kämpfen: Nach der Bewältigung zahlreicher teurer Skandale hatten im vergangenen Jahr Staatsanwälte die Frankfurter Zentrale wegen des Verdachts der Geldwäsche durchsucht, auch ist die Bank als Korrespondenzinstitut in den Geldwäsche-Skandal der Danske Bank verwickelt. „Es ist offensichtlich, dass die teilweise verzerrten Diskussionen über diese Themen unserem Geschäft schaden“, beklagte von Moltke. „Wir wollen diese Vorwürfe schnellstmöglich aufklären und ausräumen und kooperieren vollumfänglich mit den Behörden“, sagte er mit Blick auf die Razzien im November. „Bisher haben wir keine Hinweise auf ein Fehlverhalten unserseits“, bekräftigte er.

Die Deutsche Bank sei nach den Turbulenzen der Vergangenheit in den vergangenen drei bis vier Jahren stabilisiert worden, bekräftigte der Finanzchef. „Unsere Bilanz ist solide wie selten zuvor.“ Das Geschäft mit ihren Kunden wolle die Bank nicht mehr nur stabilisieren - vielmehr solle dieses nun ausgebaut werden. „Wir können wieder kontrolliert wachsen.“ Detaillierter ließ er sich nicht in die Karten blicken. „Prognosen sind riskant, aber eines wage ich vorauszusagen: 2019 wird wieder ein sehr spannendes Jahr“, sagte von Moltke nur.

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