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03.11.2019

16:20

CFO des Monats

Ulrike Brouzi – eine sensible Krisenexpertin für die DZ Bank

Von: Elisabeth Atzler, Andreas Kröner

Die Finanzchefin muss die DZ Bank durch den Abschwung steuern. Die Zeit bei ihrem kriselnden Ex-Arbeitgeber, der NordLB, hat sie wachsam gemacht.

Die Fränkin kommt in Frankfurt gut an. Bert Bostelmann/bildfolio für Handelsblatt

Ulrike Brouzi

Die Fränkin kommt in Frankfurt gut an.

Frankfurt Als Ulrike Brouzi das Angebot bekam, Finanzchefin der DZ Bank zu werden, hat sie zunächst um ein informelles Treffen mit der Führungsspitze des Frankfurter Instituts gebeten. Die 54-Jährige wollte sehen, wie sie mit den Co-Chefs Uwe Fröhlich und Cornelius Riese auskommt. Die drei verstanden sich gut, und so wechselte die Managerin vor gut einem Jahr von der Norddeutschen Landesbank (NordLB) zum genossenschaftlichen Zentralinstitut DZ Bank in Frankfurt.

Das Vorgehen passt zu Brouzi, die Wert auf den persönlichen Austausch legt. „Für mich war es eine Grundbedingung, die Menschen, mit denen ich viel zu tun haben werde, vorher zu treffen“, sagt sie. „Es ist wichtig, zu wissen, ob die Chemie stimmt – und das merkt man auch schnell.“ Dieser persönliche Ansatz wird offenbar von ihren Kollegen honoriert. „Sie ist jemand, der sehr gut mit Leuten kann“, lobt ein langjähriger Weggefährte. „In Sitzungen kann sie Strömungen gut erkennen und passt auf, dass Gremien effektiv arbeiten.“

Im Sparkassenlager und bei den Genossenschaftsbanken ist solch eine ausgleichende Art ein Pluspunkt, weil es die Manager oft mit einer Vielzahl von Eigentümern zu tun haben. Bei der NordLB, Brouzis Ex-Arbeitgeber, sind neben dem Mehrheitseigner Niedersachsen noch Sachsen-Anhalt und mehrere Sparkassenverbände beteiligt.

Auch bei der DZ Bank hat sie es mit vielen Eigentümern zu tun. Das Spitzeninstitut gehört den knapp 900 Volks- und Raiffeisenbanken, die für das Geldhaus gleichzeitig die wichtigsten Kunden sind. Darüber hinaus kann Brouzi in Frankfurt von ihren Erfahrungen als Krisenmanagerin zehren. Die DZ Bank steht zwar, anders als die NordLB, stabil da. Aber auch die DZ Bank ist auf Sparkurs und muss nun mit Brouzi als Finanzchefin durch den Wirtschaftsabschwung steuern.

Ein Balanceakt, schließlich muss eine Bank auf der einen Seite Risiken zurückfahren, auf der anderen Seite will sie ihre Kunden nicht verschrecken. „Es stehen bei uns verschiedene Branchen auf der Beobachtungsliste“, sagt Brouzi. „Wir verfolgen die Entwicklungen sehr genau.“

Vergangenheit bei Krisenbank kein Problem

Der Niedergang der NordLB hat Brouzi besonders wachsam gemacht. Die Hannoveraner Landesbank ist ein Beispiel dafür, dass Vorstände auch Szenarien ernst nehmen müssen, die sie für sehr unwahrscheinlich halten. Lange glaubte die NordLB, dass die Schiffskrise nach ein paar Jahren ausgestanden sein würde. Aber die Probleme treiben Reeder und Banken bis heute um.

Dass Brouzi von einer Krisenbank kommt, die gerade mit Milliarden gerettet werden muss, sei kein Manko, findet man bei den Genossen. Brouzi sei für die Entwicklung bei der NordLB nicht persönlich verantwortlich gewesen. In Hannover sieht man das ähnlich. „Als sie in den Vorstand kam, befand sich das Institut bereits im Sinkflug“, sagt ein NordLB-Insider. „Es war nur die Frage, ob die Bank die Landebahn noch erreicht oder nicht.“

Brouzi ist mit Hannover nach wie vor eng verbunden. Ihre Familie lebt dort, und die Managerin pendelt am Wochenende regelmäßig zu ihrem Mann und ihrer jüngeren Tochter. Die ältere Tochter studiert und ist bereits außer Haus. Aufgewachsen ist Brouzi in Weißenburg in Mittelfranken, in Augsburg hat sie Wirtschaftsmathematik studiert.

Anschließend arbeitete sie 18 Jahre für die BayernLB. 2008 holte Ex-NordLB-Vorstand Johannes-Jörg Riegler sie dann nach Hannover. 2012 stieg sie in den Vorstand auf und war für verschiedene Ressorts verantwortlich, darunter Finanzen, Steuern, Organisation, IT, Compliance und Zahlungsverkehr.

Brouzi habe sich in ihrer Zeit in Hannover extrem weiterentwickelt, sagen Weggefährten. Kritiker monieren jedoch, die Managerin habe sich mitunter gescheut, harte Entscheidungen zu treffen – gerade wenn es darum gegangen sei, sich von Mitarbeitern zu trennen. Andere loben ihren diplomatischen Führungsstil, der nicht weniger effizient sei als der mancher lauter Topmanager. Wie viele Spitzenmanager hat auch Brouzi einen Vertrauten nachgeholt: Michael Lange kam im Oktober von der NordLB und ist bei der DZ Bank Leiter des Bereichs Compliance.

Außer Konkurrenz

Ihre Tätigkeit in Hannover hat Brouzi auf jeden Fall geholfen, sich rasch in der breit aufgestellten DZ-Bank-Gruppe zurechtzufinden. Denn die Zeiten, in denen Finanzchefs in erster Linie für die Bilanzen zuständig waren, sind laut Brouzi lange vorbei. Sie sieht ihre Rolle „als Unterstützerin der Strategie der Bank“. Dazu sollte man das Geschäftsmodell en détail verstehen und nicht nur die eigene Nische kennen.

Die DZ-Bank-Gruppe, zu der sehr profitable Töchter wie der Versicherer R+V und die Fondsgesellschaft Union Investment gehören, ist das zweitgrößte deutsche Geldhaus nach der Deutschen Bank. Mit ihrem Gewinn lassen die Genossen die private Konkurrenz seit Jahren alt aussehen. Im vergangenen Jahr belief sich der Vorsteuergewinn auf 1,4 Milliarden Euro. Ein Großteil dazu steuerten jedoch die Tochterfirmen bei.

Mit ihren Bankaktivitäten verdiente die DZ Bank zuletzt nur gut 300 Millionen Euro im Jahr. Die neue DZ-Bank-Spitze hat das Ziel ausgegeben, diesen Beitrag zu erhöhen. Doch das dürfte angesichts des Konjunkturabschwungs, des harten Wettbewerbs und der Zinspolitik der EZB äußert anspruchsvoll werden.

Die Herausforderung geht die Bank nach dem Abgang des langjährigen Chefs Wolfgang Kirsch Ende 2018 mit einem neuen Führungsteam an. An der Spitze stehen mit Fröhlich und Riese zwei Manager, die den Genossenschaftssektor in- und auswendig kennen. Riese arbeitet seit mehr als zehn Jahren in der DZ-Gruppe. Seit 2013 sitzt er im Vorstand.

Er ist erst 44 Jahre alt und hatte zuvor Brouzis Rolle als Finanzchef inne. Fröhlich stand rund zehn Jahre an der Spitze des BVR, des Lobbyverbandes der Volks- und Raiffeisenbanken. Zuvor war der 59-Jährige Vorstand der Berliner Volksbank, der größten deutschen Volksbank.

Frischer Wind

Hinzu kommt mit Brouzi nun eine Managerin von außen. Dass ein Vorstand von einer Landesbank ins Genossenschaftslager wechselt, hat Seltenheitswert. Sparkassen und Volksbanken sind schließlich die schärfsten Wettbewerber im deutschen Bankenmarkt.
DZ-Bank-Mitarbeiter berichten, dass durch Riese und Brouzi ein frischer Wind im Vorstand wehe. Das Management trete heute offener und lockerer auf als in der Vergangenheit.

Brouzi selbst sei zugänglich und einfühlsam. Sie interessiere sich für die Ansichten und Probleme ihrer Mitarbeiter. „Sie tut der Bank gut“, sagt ein Beschäftigter. Mit ihren Werten und ihrem Auftreten passe sie gut zur DZ Bank, meint auch ein führender Genossenschaftsbanker. „Sie spricht die Dinge klar und direkt an – aber immer respektvoll den handelnden Personen gegenüber.“

Dass sie klare Positionen nicht scheut, macht Brouzi auch an anderer Stelle deutlich: Die Topbankerin spricht sich für eine Frauenquote in den Vorständen großer deutscher Unternehmen aus. Denn sonst bewege sich nichts, so Brouzi. „Aber ich bin auch dafür, die Quote nach einer gewissen Zeit wieder abzuschaffen“, betont sie. Die Managerin verweist darauf, dass sich dank klarer Vorgaben bei der Besetzung von Aufsichtsräten schnell etwas bewegt habe „und dass kluge Frauen in die Gremien eingezogen sind“.

In den Vorständen deutscher Großbanken finden sich bisher nur wenige Frauen. Im Vorstand der Helaba und der Deutschen Bank sind aktuell keine Frauen vertreten – wobei Christiana Riley bei der Deutschen Bank bald in das Führungsgremium aufrücken soll. Bei der Commerzbank bekommt Bettina Orlopp bald mit Sabine Schmittroth eine Mitstreiterin im Führungsgremium.

Brouzi, bei der DZ Bank die einzige Frau im Vorstand, findet es wichtig, dass die Führungsgremien der Geldhäuser weiblicher werden: „Wenn sich an der Spitze der Unternehmen etwas ändert, gibt es auch insgesamt in den Unternehmen Veränderung“, meint Brouzi. Bei der DZ Bank kann sie selbst dafür sorgen.

Mehr: Credit Suisse steigert den Frauenanteil in der Chefetage auf ein Viertel – eine Besonderheit. Warum Banken sich mit der Gleichberechtigung schwertun.

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