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26.07.2018

18:29

Comdirect und Google

So funktioniert die Überweisung per Sprachassistent wirklich

Von: Katharina Schneider

Die Bank Comdirect wirbt damit, Überweisungen per Google-Assistant zu ermöglichen. Ganz so bequem, wie das klingt, ist es aber nicht – ein Praxistest.

Als erste Bank in Deutschland will die Comdirect Überweisungen mit dem Sprachassistenten von Google ermöglichen. dpa

Online-Bank Comdirect

Als erste Bank in Deutschland will die Comdirect Überweisungen mit dem Sprachassistenten von Google ermöglichen.

FrankfurtDie Ankündigung klingt spektakulär: Als erste Bank in Deutschland will die Comdirect Überweisungen mit dem Sprachassistenten von Google ermöglichen. Wenn das ein Datenschützer hört, dürfte sein Entsetzen groß sein. Wenn es aber ein technikbegeisterter Nutzer erfährt, dürfte seine Begeisterung groß sein.

Der Praxistest zeigt: Beide Seiten können sich wieder beruhigen. Google kann auf weniger Daten zugreifen, als mancher zunächst befürchten mag. Zugleich ist die Lösung weniger bequem, als die Ankündigung vermuten lässt.

Deutsche Banken haben Sprachassistenten wie Amazons Alexa und den Assistant von Google schon recht früh für sich entdeckt. Um mit ihnen kommunizieren zu können, brauchen Nutzer einen entsprechenden Lautsprecher: ein Echo von Amazon oder ein Google-Home-Gerät. Zudem ist der Google Assistant auch auf dem Smartphone verfügbar – für Android- und Apple-Geräte.

Analog zu Apps für das Smartphone entwickeln Banken sogenannte Skills für Alexa und Actions für Google. Mit Sprachbefehlen wie „Alexa, frage Volksbank“ oder „Ok, Google, sprich mit Comdirect“ kann der Nutzer die Anwendungen öffnen.

Bisher erhielten Kunden auf diesem Weg hauptsächlich allgemeine Inhalte: Aktuelle Aktienkurse, Finanzinformationen oder die Öffnungszeiten der nächstgelegenen Filiale. Doch die Geldhäuser wollen künftig auch Banktransaktionen über die Sprachassistenten ermöglichen.

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Sprachassistent

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Während Amazon dem Kontozugriff über Alexa Anfang des Jahres eine Absage erteilt hat, ist Google hierbei offener. Seit Februar haben die Sparkassen eine Google Action zur Kontostandabfrage, 26 Institute sind darüber inzwischen erreichbar, weitere 104 sollen es nach Informationen des Sparkassenverbands DSGV testen. Die zwischenzeitlich angekündigte Funktion zur Überweisung von „Kleinstbeträgen“ lässt aber auf sich warten.

Die Comdirect will schneller sein. Tatsächlich können Kunden über die Action aber Überweisungen nur vorbereiten und nicht freigeben. Für den entscheidenden Schritt müssen sie weiterhin ihre Banking-App auf dem Smartphone öffnen. Wie genau die Kommunikation zwischen Kunde, Comdirect und Google Assistant funktioniert, zeigt ein Selbstversuch.

Der Praxistest

Mein Weg zur ersten Überweisung mit Unterstützung eines Sprachassistenten ist etwas holprig. Einen Google-Home-Lautsprecher habe ich nicht, also installiere ich die Google-Assistant-App auf meinem Smartphone.

Das tue ich mit reichlich Zähneknirschen, denn in punkto Daten, so scheint es mir, bleibt dem Tech-Konzern aus dem Silicon Valley damit gar nichts mehr verborgen. Beim Einrichten des Assistant heißt es etwa: „Ihre Aktivitäten auf Websites und in Apps werden von Google gespeichert“, „Informationen zu Kontakten, Kalendern, Apps und Musik sowie Daten von Ihren Geräten werden gespeichert“ und „Ihre Sprach- und Audiodaten werden zur Verbesserung der Spracherkennung aufgezeichnet“.

Der Kunde muss erst die Action starten und bekommt dann Informationen von Comdirect.

Dialog mit dem Google Assistant

Der Kunde muss erst die Action starten und bekommt dann Informationen von Comdirect.

Als ich all dem zugestimmt habe, ist der Assistant bereit, meine erste Frage zu beantworten: „Sprich mit Comdirect und überweise zehn Euro“, sage ich ihm – und prompt startet die Comdirect-Action. Hat eben noch eine weibliche Stimme zu mir gesprochen, fragt mich nun eine männliche: „An wen möchten Sie zehn Euro überweisen?“. Ich nenne eine Person aus meinem Freundeskreis.

Als Antwort folgt: „Ich muss dein Konto bei Comdirect mit Google verbinden. Ist das okay?“ Ich sage „ja“ und nachdem kurz der Hinweis „Linking Account“ erscheint, wird auch schon meine Comdirect-App geöffnet und ich logge mich ein.

Knackpunkt Datenschutz

Die Bank begrüßt mich mit einem Warnhinweis: „Bei der Nutzung der Sprachassistenz-Funktionalität kann es passieren, dass andere Personen Informationen über Ihre Bankaktivitäten erfahren, wenn Sie entsprechende Sprachbefehle in Ihr Endgerät sprechen oder Sprachansagen abgespielt werden. Stellen Sie daher durch ein diskretes Nutzungsverhalten, die Positionierung Ihres Endgeräts sowie entsprechende Einstellungen im Gerät sicher, dass Dritte keine Kenntnis von Ihren Bankaktivitäten nehmen können, sofern Sie dies nicht wünschen.“ Dahinter folgt noch ein Dokument mit Nutzungsbedingungen und eines mit Datenschutzbestimmungen.

Im Sinne des Datenschutzes sollte ich mich wohl besser nicht in der U-Bahn oder einem anderen öffentlichen Ort mit dem Assistant unterhalten. Das war sowieso klar, aber was ist mit dem anderen potenziellen Lauscher, Google?

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In der App wird mein Dialog mit dem Assistenten Wort für Wort dokumentiert. Ob Google das mitliest? In ihren Datenschutzbestimmungen weißt die Bank darauf hin, dass die Kunden mit Google nochmal gesonderte Vereinbarungen treffen. Bei Google heißt es dazu: „Wir speichern Daten zu Ihren Google Assistant-Interaktionen auf unseren Servern, die sich in unseren Rechenzentren befinden.“ Den Aktivitätsverlauf des Assistenten könnten Nutzer löschen.

Dennoch hegen Daten- und Verbraucherschützer gegenüber Sprachassistenten grundsätzliche Bedenken. Oftmals seien der Ort der Datenverarbeitung und die Speicherdauer nicht hinreichend klar. Und gespeicherte Sprachinformationen könnten mit Daten aus anderen Online-Quellen zu detaillierten Nutzerprofilen für Marketing und Marktforschung zusammengeführt werden, sagte ein Mitarbeiter der Bundesdatenschutzbeauftragten kürzlich dem Handelsblatt.

Voice-Passwort

Letztlich muss jeder Nutzer selbst die möglichen Vor- und Nachteile abwägen. Um meinen Test fortsetzen zu können, stimme ich den Nutzungsbedingungen und den Datenschutzbestimmungen der Comdirect zu und werde sogleich wieder in die Google-Assistant-App geleitet, um dort mein sogenanntes „Voice-Passwort“ festzulegen. Hier lauert die erste technische Hürde: Da ich gerade nicht alleine im Raum sitze, tippe ich ein Passwort ein, statt es auszusprechen – der Google Assistant versteht schließlich Sprache und Schrift.

Ich wähle ein Wort und hänge noch eine Zahl an. So sollten gute Passwörter aufgebaut sein und auf das eigentlich ebenfalls empfohlene Sonderzeichen habe ich dabei schon verzichtet.

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Doch mein Bemühen um Sicherheit rächt sich. Als ich später eine Überweisung anlegen und mit dem Passwort bestätigen will, wird dieses per Spracheingabe nicht erkannt. Problem: Egal, wie schnell ich das Wort und die Zahl hintereinander sage, der Assistant fügt immer ein Leerzeichen zwischen Wort und Zahl ein – so hatte ich das aber nicht eingetippt.

Drei Mal das Passwort falsch eingegeben – schon ist die Verknüpfung zwischen dem Assistenten und meiner Banking-App wieder dahin. Also alles nochmal von vorne.

Diesmal bin ich bei der Passwortwahl zwar kreativ, verzichte aber auf Zahlen. Nach dem Einrichten äußere ich erneut den Wunsch, eine Überweisung an einen Bekannten zu tätigen. Tatsächlich bekomme ich dann die Rückmeldung: „Die Überweisung wird vorbereitet. Öffne deine Comdirect App, um dort die Überweisung abzuschließen.“ Das entspricht nicht ganz dem, was ich mir erhofft hatte, die Bank-App wird jetzt noch nicht einmal automatisch geöffnet.

Wo ist die Überweisung?

Ich starte sie also manuell und sehe – nichts. Wo ist denn nun die Überweisung, die ich angeblich nur noch freigeben muss? Im Gespräch mit Matthias Hach, Vorstandsmitglied von Comdirect, erfahre ich später: Ich hatte die falsche Comdirect-App.

Im Google-Playstore gibt es aktuell drei Banking-Apps der Direktbank. Richtig ist die mit dem großen gelben „C“, die „MoBox“ dagegen ist für das Juniorkonto gedacht und die „comdirect mobile App“, die ich genutzt hatte, ist quasi das Auslaufmodell. Die neuen Sprachfunktionen gebe es nur beim großen gelben „C“. Warum die Kunden darauf nicht hingewiesen werden? Über die Funktionen in der neuen App informiere Comdirect auf der Webseite, so Hach.

Ausschnitt aus dem Dialog der Direktbank Comdirect über den Google Assistant.

Sprachassistent

Ausschnitt aus dem Dialog der Direktbank Comdirect über den Google Assistant.

Also installiere ich nun auch noch die neue Banking-App. Und siehe da, schon auf der Startseite leuchtet mir ein gelber Balken mit der Aufschrift „2 Sprach-Überweisungen“ entgegen. Schnell ausgeführt sind die nun trotzdem nicht. „Ihrer Spracheingabe konnte kein Bankkontakt zugeordnet werden. Bitte wählen Sie einen Empfänger aus Ihren Bankkontakten aus.“ Vorgemerkt sind in dieser Liste die Personen, für die ich schon mal sogenannte Überweisungsvorlagen angelegt hatte.

Wollte ich nun tatsächlich einer bestimmten Person Geld überweisen, könnte ich einen neuen Bankkontakt – Name und Kontonummer IBAN – eingeben, ähnlich wie man auch einen neuen Telefonkontakt im Smartphone speichert. So schließe ich den Test ab, indem ich mir selbst zehn Euro auf ein anderes Konto überweise. Praktisch: Bei Beträgen bis 25 Euro muss ich dafür keine TAN anfordern.

Sicherheit vor Bequemlichkeit

Das also steckt hinter der Ankündigung „Comdirect ermöglicht Überweisungen mit Google“: Man kann die Überweisungen per Sprache vorbereiten. Ein bisschen enttäuschend finde ich das schon.

Doch Matthias Hach argumentiert mit Sicherheitsüberlegungen: „Technisch wäre es auch möglich, eine Überweisung ausschließlich per Sprache anzustoßen – die Freigabe dieser über die Comdirect-App ist ein zusätzlicher Sicherheitsmechanismus“, sagt er – und die Bank habe einen hohen Anspruch an Sicherheit.

Weiterer Vorteil: „Bei unserer aktuellen Lösung werden die Kontodaten nicht über Google übermittelt, sondern liegen ausschließlich auf Comdirect-Servern“, erklärt Hach. Allein mit Namen der Bankkontakte könnte ein etwaiger Hacker wohl nicht viel anfangen.

Sprachassistentin im Praxistest: Alexa, hilf mir bei meinen Finanzen!

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Alexa, hilf mir bei meinen Finanzen!

Die Filiale ihrer Bank besuchen viele Kunden nur noch selten. Mit Sprachassistenten wollen die Geldhäuser nun trotzdem mit ihnen ins Gespräch kommen – zumindest ein bisschen. Ein Praxistest.

Und die Sicherheit des Voice-Passworts? Sobald man dieses sagt, wird es im Chatverlauf des Assistenten gezeigt. Auch da gibt der Comdirect-Banker Entwarnung: Wer unberechtigt Zugang zur Google-Assistant-App bekomme, könne mit dem Passwort schlimmstenfalls den Konto- und den Depotstand abfragen sowie eine Überweisung vorbereiten.

„Welches Bankkonto mit dem Assistant verknüpft ist, kann über die App nicht eingesehen werden und etwaige ungewollten Sprach-Überweisungen können Kunden in ihrer comdirect App leicht identifizieren und löschen“, sagt Hach.

Fazit

Unterm Strich bin ich nicht vom Zusatznutzen der Spracheingabe überzeugt – zumindest, wenn man ohnehin das Smartphone in der Hand hält. In diesem Anwendungsfall ist auch die Unterstützung durch einen Sprachassistenten längst nicht mehr neu. Kunden der Smartphonebank N26 können mit Apples Sprachassistentin Siri schon seit Herbst 2016 Überweisungen anstoßen. Mit Kommandos wie „Hey Siri, überweise zehn Euro an Max für Abendessen“. Auch bei der Deutschen Bank ist das seit Mai 2017 möglich.

Und sogar bei der Comdirect selbst können Kunden nach Angaben der Bank schon seit diesem Frühjahr per Sprache Überweisungen anstoßen – dabei wird je nach Smartphone entweder auch auf den Google Assistant oder auf Siri zugegriffen.

Hach beschreibt den Vorteil der neuen Google-Assistant-Action so: „Wenn Sie zu Hause auf dem Sofa sitzen und Ihnen gerade einfällt, dass Sie Geld an jemanden überweisen müssen, können Sie das Ihrem Google-Home-Lautsprecher schnell zurufen und damit in der App schon vormerken“, sagt er. Nett ist diese Funktion schon und für alle, die den Sprachassistenten ohnehin schon nutzen, kann das nützlich sein. Als einziges Argument zur Nutzung von Googles Assistant würde es mir aber nicht ausreichen.

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