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10.04.2019

20:13

Datenspeicherung

Schwarze Listen: So bekam N26 Ärger mit Datenschützern

Von: Yasmin Osman, Katharina Schneider

Die Smartphone-Bank führte bis vor Kurzem eine schwarze Liste mit allen ehemaligen Kunden – als Schutz vor Geldwäsche. Das ist verboten.

Wegen Verstößen gegen Datenschutzbestimmungen droht dem Unternehmen ein Bußgeld. dpa

N26-Gründer Valentin Stalf

Wegen Verstößen gegen Datenschutzbestimmungen droht dem Unternehmen ein Bußgeld.

FrankfurtDie Smartphone-Bank N26 hat viel Kritik wegen ihres schwer erreichbaren Kundenservices einstecken müssen. Nun zeigt sich, dass das deutsche Fintech auch in Konflikt mit dem Berliner Datenschutzbeauftragten kam, der wegen Verstößen gegen die Datenschutz-Grundverordnung sogar ein Bußgeldverfahren eingeleitet hat: Die Onlinebank hatte die Daten ehemaliger Kunden in einer Art schwarzen Liste geführt, auch wenn die Kunden sich nichts hatten zuschulden kommen lassen, wie aus einem Schreiben hervorgeht, das dem Handelsblatt vorliegt. N26 betonte auf Anfrage, das Problem sei mittlerweile gelöst.

Aufgefallen war die unerlaubte Praxis im vergangenen Jahr, als ein früherer N26-Kunde bemerkte, dass die Onlinebank seine persönlichen Daten weder gelöscht noch für den operativen Geschäftsbetrieb gesperrt hatte. Zwar müssen Banken bestimmte Kundendaten noch einige Jahre aufbewahren, dann aber wenigstens sperren.

Der Berliner Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit ging der Sache nach und stellte fest: „Die Bank benutzt diese Daten, um eine 'schwarze Liste', eine Art Warndatei, zu führen, damit sie ehemaligen Kundinnen und Kunden kein neues Konto zur Verfügung stellt.“ So steht es in dem Schreiben, das der Datenschutzbeauftragte dem betroffenen Kunden schickte.

Die N26 Bank begründete das damals damit, dass sie dazu verpflichtet sei, Sicherheitsmaßnahmen gegenüber geldwäscheverdächtigen Kundinnen und Kunden vorzunehmen, sei aber „leider derzeit nicht in der Lage, zwischen geldwäscheverdächtigen und nicht geldwäscheverdächtigen Betroffenen zu differenzieren“.

Daher würde die Bank die Kontoeröffnung einer jeden Altkundin beziehungsweise eines jeden Altkunden durch die weitere Datenspeicherung verhindern. Anders gesagt: Um die Geldwäschevorschriften einzuhalten, verstieß N26 gegen die Datenschutzregeln, indem sie alle Ex-Kunden als potenziell verdächtig einstufte.

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Die Nöte der Bank bei der Umsetzung der einschlägigen Geldwäschevorschriften beeindruckten die Datenschützer allerdings nicht: „Die Vorgehensweise der Bank ist rechtswidrig. Die Daten ehemaliger Kundinnen und Kunden sind zu löschen oder bei Vorliegen einer Aufbewahrungspflicht zu sperren“, schreibt die Berliner Datenschutzbehörde in ihrem Jahresbericht 2018. In eine solche Warndatei dürfen danach nur Kunden aufgenommen werden, „die tatsächlich unter Geldwäscheverdacht stehen oder bei denen andere triftige Gründe vorliegen, eine erneute Bankverbindung abzulehnen“.

Der Rüffel des Datenschutzbeauftragten wirft erneut ein schlechtes Licht auf N26. Schließlich ist es nicht das erste Mal, dass N26 Kritik von einer staatlichen Behörde einstecken muss. Wie das Handelsblatt vor Kurzem berichtet hat, hat auch die Finanzaufsicht Bafin bei einer Sonderprüfung im vergangenen Jahr organisatorische Mängel entdeckt. Der Druck der Behörden trifft die Smartphone-Bank zu einem ungünstigen Zeitpunkt: Das Fintech will sich nach einer rekordverdächtigen Finanzierungsrunde eigentlich vor allem auf Wachstum konzentrieren.

In dem öffentlich zugänglichen Jahresbericht der Berliner Datenschützer ist der Fall in einem eigenen Kapitel dokumentiert, allerdings ohne die Bank namentlich zu nennen. Dass damit N26 gemeint ist, belegt aber das Schreiben der Behörde an den N26-Kunden, das dem Handelsblatt vorliegt.

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Der Datenschutzbeauftragte wollte auf Anfrage nicht kommentieren, ob es um N26 geht, weil ein gegen die Bank eingeleitetes Bußgeldverfahren in der Sache „noch nicht rechtskräftig abgeschlossen ist“, wie eine Sprecherin der Behörde sagte.

Dieses Bußgeldverfahren hatten die Datenschützer eingeleitet, obwohl die Bank ihren Fehler eingeräumt und Besserung versprochen hatte. Mittlerweile hat die Bank ihre Prozesse nun an die Rechtslage angepasst. „Wir haben den im Datenschutzbericht beschriebenen Sachverhalt bereits gelöst und dies der Behörde auch mitgeteilt“, sagte N26-Chef Valentin Stalf dem Handelsblatt auf Anfrage.

Und eine Pressesprecherin bestätigte auch konkret, dass die Bank mittlerweile „im Kontoeröffnungsprozess zwischen nicht geldwäscheverdächtigen und geldwäscheverdächtigen ehemaligen Kunden unterscheiden“ könne. Ehemalige Kunden, die nicht geldwäscheverdächtig seien, könnten sich also künftig erneut anmelden. Zudem würden keine Daten ehemaliger Kunden mehr im Anmeldeprozess operativ verarbeitet, soweit diese geldwäsche-unverdächtig waren.

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