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03.12.2019

11:19

Deka und Helaba

Sparkassen machen sich auf den langen Weg zum Spitzeninstitut

Von: Elisabeth Atzler, Frank Matthias Drost, Andreas Kröner

Am Donnerstag diskutiert der Verwaltungsrat der Deka über eine engere Zusammenarbeit mit der Helaba. Eine wichtige Etappe für die geplante Sparkassenzentralbank.

Sparkassenpräsident Helmut Schleweis kann sich eine Fusion von Deka und Helaba als „Nukleus“ für ein Zentralinstitut des Sektors vorstellen. dpa

Deka-Bank in Frankfurt

Sparkassenpräsident Helmut Schleweis kann sich eine Fusion von Deka und Helaba als „Nukleus“ für ein Zentralinstitut des Sektors vorstellen.

Frankfurt, Berlin Sparkassenpräsident Helmut Schleweis hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Er will, dass es künftig nur noch eine einzige Sparkassenzentralbank gibt statt mehrerer Spitzeninstitute, die regionalen Sparkassen und Bundesländern gehören. Seinem Ziel wird der Chef des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) diese Woche wahrscheinlich zumindest ein kleines Stück näher kommen.

Nach Handelsblatt-Informationen werden die Mitglieder des Verwaltungsrats des Sparkassen-Fondsdienstleisters Deka-Bank am Donnerstag darüber abstimmen, ob Schleweis einen Auftrag zur Prüfung einer engeren Zusammenarbeit zwischen der Deka und der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) erhält.

Die Deka wollte sich dazu nicht äußern. Der DSGV teilte auf Anfrage mit, es sei nun „abzuwarten, ob die Verwaltungsräte beider Institute einen solchen Prüfauftrag geben“. Das Kontrollgremium der Helaba tagt kommende Woche, und auch dort wird dann die Frage zur Debatte stehen, ob eine engere Zusammenarbeit mit der Deka geprüft werden soll.

Letztlich aber geht es um die Frage, ob die beiden Frankfurter Geldhäuser sich zusammenschließen können. Eine mit dem Thema vertraute Person sagte: „Für mich ist klar, dass eine Fusion zumindest geprüft werden muss“, weil die abgespeckte Variante, eine engere Zusammenarbeit beider Institute, keine signifikanten Vorteile bringen werde. Ein anderer Insider betonte ebenfalls, man müsse bei der Prüfung alle Optionen, auch ein Zusammengehen, untersuchen.

Mehrere Insider halten es für wahrscheinlich, dass die meisten Verwaltungsratsmitglieder tatsächlich auch eine Fusion prüfen lassen wollen. Gleichwohl könnte es aber eine Debatte um die genaue Wortwahl geben – und Schleweis nur das Mandat für Gespräche zu einer vertieften Kooperation erhalten.

Ein entsprechender Prüfauftrag mutet zwar wie ein kleiner Schritt an. Doch Schleweis könnte das Mandat dazu nutzen, eine Konsolidierung im Sektor voranzutreiben. Wie er sich den Weg dahin vorstellt, hat er bereits deutlich formuliert: „Durch eine Fusion von Helaba und Deka würde ein Nukleus für ein Zentralinstitut entstehen. Das Modell ist offen für andere“, sagte der DSGV-Präsident kürzlich dem Handelsblatt. „Die Bereitschaft und die Möglichkeit, weitere Banken aufzunehmen, sind da. Das ist erst der Anfang.“

Der Chef des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes will, dass die knapp 400 Sparkassen mit einem einzigen Spitzeninstitut auskommen. dpa

Sparkassenpräsident Helmut Schleweis

Der Chef des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes will, dass die knapp 400 Sparkassen mit einem einzigen Spitzeninstitut auskommen.

Schleweis wirbt seit gut einem Jahr für eine Konsolidierung unter den Landesbanken. Derzeit gibt es neben Deka und Helaba noch drei weitere große Spitzeninstitute in der Sparkassen-Finanzgruppe: Die BayernLB und die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) sowie die NordLB. Letztere wurde gerade erst mit Geld aus Niedersachsen und von Sparkassen und anderen Landesbanken gerettet, nachdem die Hannoveraner Landesbank vor allem durch Schiffskredite in eine Schieflage geraten war.

Im Gegensatz zum Sparkassenlager haben die Volks- und Raiffeisenbanken die Konsolidierung bereits hinter sich. Die Genossen kommen mit einem Spitzeninstitut, der DZ Bank, aus. Die Frage ist, wie lange sich die Sparkassen angesichts des zunehmenden Drucks durch die Negativzinsen und des starken Wettbewerbs noch mehrere Zentralinstitute leisten wollen.

Eine Verschmelzung von Deka und Helaba wäre vor allem aus einem Grund beachtenswert: Die Zahl der Landesbanken sank in den vergangenen Jahren im Wesentlichen nur, wenn Institute in akute Probleme gerieten. So wurde die Düsseldorfer WestLB, die einst größte deutsche Landesbank, 2012 aufgespalten, nachdem sie sich im Zuge der Finanzkrise verspekuliert hatte.

Die unverkäuflichen Reste der Landesbank wanderten in eine Abwicklungsbank, die gesunden Teile übernahm die Helaba. Die HSH Nordbank, die heute Hamburg Commercial Bank heißt, wurde 2018 von Cerberus und anderen Finanzinvestoren übernommen, nachdem das Institut durch Schiffskredite in eine gefährliche Schieflage geraten war, und mit Staatsgeld gerettet werden musste.

Streit um Konsolidierung

Die Deka gehört den regionalen Sparkassenverbänden, die Helaba ist mehrheitlich im Besitz der Sparkassen in Hessen und Thüringen, zudem halten die Sparkassen in Nordrhein-Westfalen sowie die Länder Hessen und Thüringen Anteile. Unterstützung für Gespräche über eine Fusion von Deka und Helaba hatte sich Schleweis bereits Anfang Oktober geholt. Damals stellten sich die regionalen Verbandspräsidenten sowie die Landesobleute der Sparkassenvorstände hinter ihn.

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Allerdings gab es auch zu diesem Zeitpunkt offenbar bereits unterschiedliche Meinungen über einen Zusammenschluss. In einer offiziellen Stellungnahme hatte eine DSGV-Sprecherin zunächst davon gesprochen, dass beide Institute „eine vertiefte Zusammenarbeit bis hin zu einer Zusammenführung“ prüfen sollen, später war in einer schriftlichen Mitteilung nur noch von „engerer Zusammenarbeit“ die Rede.

Das Gremium aus Verbandspräsidenten und Landesobleuten fasst anders als ein Verwaltungsrat oder eine Eigentümerversammlung keine bindenden Beschlüsse, zudem waren damals nicht alle Sparkassenmanager anwesend.

Der Präsident des Sparkassenverbandes Baden-Württemberg, Peter Schneider, hat sich bisher zurückhaltend zu einem Zentralinstitut geäußert – und auch zu einer möglichen Fusion von Deka und Helaba. Die Sparkassen hätten vor einigen Jahren aus guten Gründen die Landesbanken aus der Deka herausgehoben.

„Wenn man jetzt wieder eine Landesbank hereinholen will, ist das zunächst mal für alle diskussionswürdig“, sagte Schneider Mitte Oktober in einem Interview. Die Deka gehörte bis 2011 auch den Landesbanken, seither sind die baden-württembergischen Sparkassen mit knapp 16 Prozent der größte Anteilseigner.

Nicht gut angekommen ist in München und Stuttgart, dass Schleweis mehrfach betont hat, eine Sparkassen-Zentralbank ohne Beteiligung der Bundesländer anzustreben. Dass sei nicht gerade eine Einladungskarte für die BayernLB und die LBBW gewesen, an denen die Länder Bayern beziehungsweise Baden-Württemberg maßgeblich beteiligt sind, betonten mehrere mit dem Thema vertraute Personen. Dass die Sparkassen-Finanzgruppe Milliarden aufbringt, um die Länder aus ihren Landesbanken herauszukaufen, halten die meisten Beteiligten auf absehbare Zeit für unrealistisch.

Bedenken im Osten

Ein weiterer Miteigentümer der Deka, der Ostdeutsche Sparkassenverband, begrüßt zwar im Kern die Gespräche zwischen Deka und Helaba. Das sei ein Baustein auf dem Weg zur Schaffung einer „Sparkassen-Zentralbank“, heißt es in Berlin. Alle müssten ein Interesse daran haben, durch Skaleneffekte Effizienzgewinne zu heben. Daher sei es auch richtig, DSGV-Präsident Schleweis zu beauftragen, die dazu notwendigen Schritte zu unternehmen.

Allerdings hat der Ostdeutsche Sparkassenverband noch Vorbehalte, auf welchem Weg man ein Zentralinstitut schaffen sollte. So erinnerte Sparkassenpräsident Michael Ermrich auf einer Verbandsversammlung Ende Oktober seine Mitglieder daran, dass die Diskussion über die Einbindung der Helaba in die Deka „insbesondere wegen der Landesanteile bei Helaba im Widerspruch zu unserer Beschlusslage von 2011“ stehe.

Wie dieses „Problem“ beseitigt werden könnte, wurde indes nicht weiter diskutiert. Wenige Tage vor der Sitzung bei der Deka-Bank ist die Gemengelage noch verworren. Manch ein Beobachter hält es sogar für möglich, dass die Abstimmung zur Zusammenarbeit oder Fusion von Deka und Helaba noch ganz von der Tagesordnung der Verwaltungsratssitzung verschwindet.

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