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26.05.2019

17:55

Deutsche Bank

Investoren fordern schnelle Taten von Christian Sewing

Von: Yasmin Osman, Daniel Schäfer

Die Aktionäre der Deutschen Bank haben der Führungsriege zwar gerade so das Vertrauen ausgesprochen. Doch wenn der Vorstandschef nicht liefert, dürfte er schnell in Ungnade fallen.

Der Vorstandschef und Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Bank haben eine turbulente Hauptversammlung hinter sich. imago images / Future Image

Christian Sewing und Paul Achleitner

Der Vorstandschef und Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Bank haben eine turbulente Hauptversammlung hinter sich.

Frankfurt Wenige Tage nach der turbulenten Hauptversammlung fordern Investoren einen schnellen Umbau der Deutschen Bank. Mit seinem Versprechen, die Investmentbank radikal zu reformieren, hat Vorstandschef Christian Sewing eine Revolte der aufgebrachten Großaktionäre zwar verhindert. Doch jetzt wollen die Anleger schnell konkrete Taten von ihm sehen.

Die Rede des Vorstandschefs sei „extrem unkonkret und defensiv“ gewesen, bemängelt ein institutioneller Investor. Es sei zwar wichtig, dass Sewing Bereitschaft signalisiert habe, unrentable Bereiche der Investmentbank zu stutzen. Allerdings habe der Deutsche-Bank-Chef auch gesagt, dass dies nicht für Aktivitäten gelte, die für andere Geschäftsbereiche sehr wichtig seien. „Wenn das ein Hintertürchen für allerlei Ausnahmen war, ist das ein Problem.“

„Sewing ist sehr vage geblieben, ich würde lieber Taten statt nur Worte bei der Deutschen Bank sehen“, sagt ein anderer großer Investor. „Was versprochen und was umgesetzt wird, sind bei der Deutschen Bank oft zwei verschiedene Welten“, so der Investor. Sewing wirke ehrlicher und überzeugender als seine Vorgänger. „Er hat jetzt ein Jahr Zeit, zu zeigen, dass er das auch anpackt.“

Der Deutsche-Bank-Chef hatte auf der Hauptversammlung angekündigt, genauer hinzusehen, welche Teile des Investmentbanking-Geschäfts sich wirklich lohnen. Sei es, weil das Geschäft profitabel ist wie etwa der Währungshandel oder der Handel mit Unternehmensanleihen. Sei es, weil das Geschäft, etwa Corporate-Finance-Aktivitäten wie das Beratungs- und Emissionsgeschäft, besonders wichtig für andere profitable Geschäftsbereiche sind.

Dezidiert unprofitable Geschäftsbereiche wie etwa den Handel mit Aktien oder Staatsanleihen hatte Sewing mit keinem Wort erwähnt. Das sei mit voller Absicht geschehen, heißt es in der Bank. Doch das war für den Geschmack einiger Anteilseigner deutlich zu subtil.

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Wie skeptisch Aktionäre mittlerweile Ankündigungen der Deutschen Bank aufnehmen, hatte bereits das Stimmverhalten auf der Hauptversammlung gezeigt. Sewing wurde mit nur 75 Prozent der Stimmen entlastet, dabei hat er das Ruder erst im April vergangenen Jahres übernommen. Aufsichtsratschef Paul Achleitner erhielt nur 71,6 Prozent der Stimmen.

Härter traf es nur Regulierungsvorständin Sylvie Matherat und Investmentbanking-Chef Garth Ritchie, die nur 61 Prozent Zustimmung bekamen. Zuletzt hatten im Jahr 2015 die damaligen Co-Chefs der Bank Anshu Jain und Jürgen Fitschen ein ebenso schlechtes Ergebnis erzielt. Wenige Wochen später traten sie von ihrer Position zurück.

Der Denkzettel der Aktionäre hätte noch deutlicher ausfallen können: Auch unter Großaktionären gab es Überlegungen, Vorstand und Aufsichtsrat das Vertrauen zu entziehen – jedenfalls dann, wenn die Führungsriege kein Signal für einen tief greifenden Umbau der Bank setzt. Der Finanzinvestor Cerberus, immerhin mit drei Prozent am Institut beteiligt, zögerte die Entscheidung über sein Abstimmungsverhalten bis zuletzt hinaus. Damit rückte eine Abstimmungsniederlage in den Bereich des Möglichen. Schließlich hatten sich die wichtigen internationalen Stimmrechtsberater, nach denen sich viele institutionelle Investoren richten, unisono gegen die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat ausgesprochen.

Dass Sewing auf der Hauptversammlung nun „harte Einschnitte“ im Investmentbanking ankündigte, darf wohl als Signal an diese Kritiker verstanden werden. „Es hat klare Aussagen gegenüber einigen Investoren gegeben, dass wirklich etwas geschieht“, so ein Insider. Die Bank habe den Investoren zu verstehen gegeben, dass Vorstand und Aufsichtsrat beim Umbau an einem Strang ziehen würden, hieß es in Finanzkreisen. „Sewing weiß, dass er liefern muss. Sonst ist er weg.“

Wie abhängig Sewing und Achleitner von ihren Großaktionären mittlerweile sind, hatte das Votum der Hauptversammlung erneut verdeutlicht: Gegen die Aktienpakete der Großaktionäre lässt sich auf den Aktionärstreffen nichts durchsetzen. Mitglieder der katarischen Herrscherfamilie halten etwa sechs Prozent, die Finanzinvestoren Cerberus und Hudson jeweils drei Prozent, der Vermögensverwalter Blackrock knapp fünf Prozent der Aktien. Zusammen sind das 17 Prozent der Stimmrechte.

Das entspricht etwa der Hälfte des auf der Hauptversammlung vertretenen Aktienkapitals, das in diesem Jahr nur bei knapp 35 Prozent lag. Dass die Dominanz der Großaktionäre nicht noch größer war, liegt daran, dass der chinesische Großaktionär HNA in diesem Jahr nicht auf der Hauptversammlung abstimmte, wie in Finanzkreisen zu hören ist.

Dass die Führungsriege vor einer Niederlage gezittert hatte, zeigt die Stimmung, die bei der Bank nach der Hauptversammlung herrschte. Die Atmosphäre bei dem Umtrunk, zu dem die Bank alle an der Hauptversammlung beteiligten Mitarbeiter, Vorstände und Aufsichtsräte einlud, sei gelöst gewesen, heißt es.

Diese Haltung hatte auch Aufsichtsratschef Paul Achleitner gezeigt, als er nach dem Aktionärstreffen ein paar Worte mit einem Grüppchen Journalisten wechselte. Befragt zu seiner Gefühlslage angesichts des schlechtesten Abstimmungsergebnisses seiner Amtszeit, sagte er sichtlich entspannt: „Wenn man diese Art von Demokratie will, kann man nicht immer eine Zustimmung von 99 Prozent der Aktionäre erwarten.“

Mehr: Warum der Ausstieg aus den USA längst überfällig war, kommentiert Daniel Schäfer.

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