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05.07.2019

12:03

Deutsche Bank

Wie sich mit dem Konzernumbau das Spitzenmanagement verändert

Von: Andreas Kröner

Die Deutsche Bank kehrt nach Jahren dem Investmentgeschäft den Rücken. Diesen Strategiewechsel will sie mit neuem Spitzenpersonal im Vorstand stemmen.

Der ehemalige SAP-Vorstand wird neuer Vorstand für Digitalisierung, Daten und Innovation bei der Deutschen Bank. SAP SE

Bernd Leukert

Der ehemalige SAP-Vorstand wird neuer Vorstand für Digitalisierung, Daten und Innovation bei der Deutschen Bank.

Frankfurt Die Deutsche Bank hat nicht nur ihre Strategie grundlegend geändert. Sie nimmt den Umbau auch mit neuem Spitzenpersonal in Angriff. Der Aufsichtsrat hat am Sonntag drei neue Vorstände bestellt.

Christiana Riley übernimmt dort die Verantwortung für das Geschäft in Nord- und Südamerika. Der bisherige Aufsichtsrat Stefan Simon ist als Chief Administrative Officer künftig für die Beziehungen zu den Aufsichtsbehörden und die Rechtsabteilung verantwortlich.

Zudem stößt der langjährige SAP-Manager Bernd Leukert zum 1. September als Vorstand für Digitalisierung, Daten und Innovation zur Deutschen Bank. Leukert hat 1994 bei SAP als Softwareentwickler angefangen und in der Folge Führungspositionen in verschiedenen Bereichen übernommen.

2014 zog der Wirtschaftsingenieur in den Vorstand ein. Dort verantwortete er bis Ende vergangenen Jahres eines der wichtigsten Ressorts: die Entwicklung und Auslieferung aller SAP-Produkte.

Anfang 2019 musste er diesen Posten räumen und bekam zusammen mit Michael Kleinemeier die Verantwortung für die Sparte „Digital Business Services“ übertragen, die Kunden bei der Einführung von Produkten unterstützt. Im Februar verkündete SAP dann überraschend Leukerts „sofortiges Ausscheiden aus dem Unternehmen“.

IT-Experten wechseln in die Finanzbranche

Dass Manager aus Software- und IT-Konzernen in die Finanzbranche wechseln, kommt im Zuge der Digitalisierung immer häufiger vor. Die Deutsche Börse verpflichtete 2018 SAP-Manager Christoph Böhm als IT-Vorstand. Die Commerzbank holte vor zwei Jahren Bereichsvorstand Kerem Tomak, der zuvor unter anderem für die Kaufhauskette Sears, Google und Yahoo tätig war.

Doch Quereinsteiger haben es bei Finanzinstituten nicht immer leicht, das weiß die Deutsche Bank aus eigener Erfahrung. Ihre ehemalige IT-Chefin Kim Hammonds, die zuvor für Boeing, Dell und Ford gearbeitet hatte, hielt sich nur zwei Jahre im Führungsgremium. Kurz vor ihrem Abschied hatte Hammonds die Deutsche Bank als „dysfunktionalstes Unternehmen“ bezeichnet, für das sie je gearbeitet habe.

Auch im Zuge des aktuellen Umbaus müssen mehrere Vorstände ihren Hut nehmen: Investmentbanking-Chef Garth Ritchie, Regulierungsvorständin Sylvie Matherat und Privatkundenchef Frank Strauß verlassen die Bank Ende des Monats. Ritchie, der bislang auch Vizechef des Instituts ist, hatte auf der Hauptversammlung im Mai zusammen mit Regulierungsvorständin Matherat das schlechteste Abstimmungsergebnis eingefahren.

Neben dem schwachen Abschneiden der Investmentbank ärgerten sich viele Aktionäre vor allem über Ritchies Vergütung samt einer millionenschweren Sonderzahlung. Mit einer Gesamtvergütung von 8,6 Millionen Euro war Ritchie im Jahr 2018 Topverdiener im Vorstand, obwohl er laut Geschäftsbericht bei der Erreichung seiner Ziele am schlechtesten abschnitt.

Matherat wird unter anderem vorgeworfen, nicht schnell und entschieden genug auf Vorwürfe über neue Geldwäscheaffären reagiert zu haben.

Der Bank den Rücken kehren wird darüber hinaus Privatkundenchef Strauß. Er war Finanzkreisen zufolge unzufrieden mit der neuen Struktur des Privatkundengeschäfts. Strauß habe wichtige Beiträge zur Neuausrichtung des Privat- und Firmenkundengeschäfts geleistet, erklärte Aufsichtsratschef Paul Achleitner. „Wir bedauern, dass er den Umbau in der vorgesehenen Form nicht mitträgt. Sein Ausscheiden ist daher konsequent.“

Neuer Leiter des Privatkundengeschäfts in Deutschland wird Manfred Knof, der anders als Strauß jedoch nicht dem Deutsche-Bank-Vorstand angehören wird. Knof hat über 20 Jahre für den Versicherer Allianz gearbeitet. 2017 war er als Chef von Allianz Deutschland zurückgetreten, um aus gesundheitlichen Gründen eine Auszeit zu nehmen. Mit den Leitern der operativen Geschäftsbereiche sollen die Vorstände künftig in einem Group Management Committee (GMC) zusammenarbeiten.

Mehr: Die Mitarbeiter der Deutschen Bank können die Pläne zum Stellenabbau nicht nachvollziehen. An der Börse steigt der Kurs des Instituts.

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