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22.09.2017

14:20 Uhr

Deutsche Börse

Bafin lehnt Kengeter-Deal mit Staatsanwaltschaft ab

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hatte bei Gericht eine Einstellung des Ermittlungsverfahrens gegen Carsten Kengeter beantragt. Doch die Bafin ist mit dem Deal nicht einverstanden. Für Kengeter wird die Luft immer dünner.

Die Vorwürfe gegen den Vorstandschef belasten die Deutsche Börse. AFP

Carsten Kengeter

Die Vorwürfe gegen den Vorstandschef belasten die Deutsche Börse.

FrankfurtIn der Insideraffäre bei der Deutschen Börse könnte es für Vorstandschef Carsten Kengeter noch einmal eng werden. Wie eine mit den Gesprächen vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag sagte, lehnt die Finanzaufsicht Bafin den Deal Kengeters und der Börse mit der Staatsanwaltschaft als zu niedrig ab.

Um das Verfahren gegen ihn beizulegen, sollte Kengeter aus seinem Privatvermögen 500.000 Euro bezahlen, das Unternehmen will 10,5 Millionen Euro an die Behörde überweisen. Der Insider sagte, verglichen mit ähnlich gelagerten Fällen seien diese Summen zu gering. Die Bafin, die Deutsche Börse und die Staatsanwaltschaft Frankfurt wollten sich nicht äußern. Die Aktie der Börse gab am Freitag um 2,5 Prozent nach.

Ein Gerichtssprecher sagte auf Anfrage von Reuters, ihm liege noch keine offizielle Stellungnahme der Bafin in dem Fall vor. Zuerst hatte die Agentur „Bloomberg“ darüber berichtet. Das Votum der Bafin ist sehr wichtig in dem Fall, weil sie vor der endgültigen Annahme eines Deals durch das zuständige Amtsgericht gehört werden muss. Sie prüft ohnehin unabhängig vom Gericht die Zuverlässigkeit des Vorstands der Börse.

Deutsche Börse: Der gelähmte Konzern

Deutsche Börse

Der gelähmte Konzern

Schockstarre in Eschborn: Die Ermittlungen gegen Börsenchef Kengeter blockieren das Unternehmen. Erste Politiker dringen auf seine Ablösung, Investoren fordern eine schnelle Entscheidung. Die Zeit drängt.

Auch die hessische Börsenaufsicht, die für die Betriebserlaubnis der Frankfurter Börsenaufsicht zuständig ist, prüft in dem Fall. Von ihr war am Freitag keine Stellungnahme zu erhalten. Mit einem Ergebnis der Untersuchung wird erst in den kommenden Monaten gerechnet.

Kengeter wird vorgeworfen, dass er im Dezember 2015 für 4,5 Millionen Euro Aktien des Börsenbetreibers gekauft hat – zwei Monate bevor die Fusionspläne mit der Londoner Börse LSE öffentlich wurden. Diese hatten den Aktienkurs massiv nach oben getrieben. Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft gab es zum Zeitpunkt des Aktienkaufs aber bereits Gespräche mit der LSE. Im Frühjahr März 2017 war das Unterfangen endgültig gescheitert.

Diese Fusionspläne der Deutschen Börse sind gescheitert

17. Juli 2000

Die Deutsche Börse präsentiert einen Plan für die Gründung de iX international exchange zusammen mit der Londoner LSE. Die beiden Partner hoffen, mit der paneuropäischen Handelsplattform weitere Börsenbetreiber mit ins Boot zu holen. Das Projekt scheitert allerdings an mangelnder Unterstützung.

Sommer 2003

Der damalige Chef der Deutschen Börse, Werner Seifert, trifft sich mit Euronext-Chef Francois Theodore. Die Gespräche über eine Fusion werden allerdings beendet, nachdem sich beide Seiten nicht über die Bewertung ihrer Häuser einig werden.

Frühling 2004

Seifert und Theodore nehmen ein weiteres Mal Kontakt auf. Ein Zwist über die Besetzung der Führungspositionen lässt sie abermals ergebnislos auseinandergehen.

August 2004

Die Schweizer Börse SWX lehnt Pläne der Deutschen Börse für eine Fusion, faktisch eine Übernahme, ab.

13. Dezember 2004

Die Deutsche Börse veröffentlicht ein Übernahmeangebot für die LSE über knapp zwei Milliarden Euro, das 2005 am Widerstand des Hedgefonds und Deutsche-Börse-Aktionärs TCI scheitert.

21. Februar 2006

Der neue Börsenchef Reto Francioni legt ein vorläufiges Fusionsangebot für die Pariser Euronext vor und facht damit ein Konsolidierungsfieber in der Branche an.

19. Mai 2006

Die Deutsche Börse dient Euronext-Chef Theodore die Führung eines vereinten Unternehmens an, besteht allerdings auf Frankfurt als Hauptsitz. Auch der Großteil des Managements sollte am Main angesiedelt sein.

Juni 2006

Die Deutsche Börse unterbreitet der Euronext einen überarbeiteten Fusionsvorschlag. Die Frankfurter geben in der Hauptquartiersfrage nach, doch der Vorstoß kommt zu spät: Die Euronext schließt sich mit der NYSE zusammen.

Dezember 2008

Deutsche Börse und NYSE Euronext loten eine Fusion aus. Die Pläne werden vorzeitig bekannt und scheitern.

April 2011

Die Börse wagt einen weiteren Versuch, mit der Nyse Euronext als Partner eine neue Größenordnung zu erreichen. Die US-Börsen Nasdaq OMX und ICE wollen die Fusion mit einer Gegenofferte für die Nyse torpedieren.

Februar 2012

Der Traum Francionis platzt erneut. Die EU-Kommission untersagt die Milliardenfusion mit der Nyse Euronext aus schwerwiegenden wettbewerbsrechtlichen Bedenken. Die EU fürchtet vor allem ein weltweites Monopol im Handel mit europäischen Finanzderivaten.

Februar 2016

Die Deutsche Börse und die Londoner Börse machen nach Marktgerüchten Pläne für einen Zusammenschluss öffentlich.

März 2016

Die Deutsche Börse und die London Stock Exchange (LSE) sind handelseinig und streben eine Fusion auf Augenhöhe an.

März 2017

Die EU-Kommission untersagt den milliardenschweren Deal, weil er auf dem Markt zur Abwicklung festverzinslicher Finanzinstrumente „ein De-Facto-Monopol“ geschaffen hätte.

Der frühere Investmentbanker Kengeter hatte die Aktien im Rahmen eines Vergütungsprogramms erworben, mit dem ihn der Aufsichtsrat langfristig an das Unternehmen binden wollte. Er hatte sich bei dem Kauf mit eigenem Geld verpflichtet, die Aktien mindestens bis Ende 2019 zu halten.

Sein Vorgehen hat der Börsenchef wiederholt verteidigt. Wenn es ein Angebot des Aufsichtsrats an das Top-Management zum Kauf von Aktienoptionen des eigenen Unternehmens gebe, dann sei es die „moralische Pflicht, ein solches auch anzunehmen“, hatte er erst kürzlich erklärt. Der Aufsichtsratschef der Börse, Joachim Faber, stärkt Kengeter den Rücken. Faber steht allerdings wegen der Angelegenheit selbst unter Druck.

Von

rtr

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