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15.10.2018

06:10

Deutsche Handelsbank

Die Start-up-Bank der Reimann-Familie sucht Kapital

Von: Yasmin Osman

Die Deutsche Handelsbank finanziert junge Onlineunternehmen. Nun will sie expandieren – und braucht dafür eine kräftige Kapitalspritze.

Die Deutsche Handelsblank finanziert bevorzugt junge Onlineunternehmen wie den Möbelversender Westwing. Dirk Bruniecki/laif

Büro von Westwing

Die Deutsche Handelsblank finanziert bevorzugt junge Onlineunternehmen wie den Möbelversender Westwing.

FrankfurtDie Unternehmerfamilie Reimann ist ebenso reich wie verschwiegen. Sie steht selten im Rampenlicht, das gilt erst recht für den Familienzweig Reimann-Dubbers, der sich von seinen Anteilen am Reinigungsmittelhersteller Reckitt Benckiser 1997 trennte und seither eigenständig agiert.

Ähnlich verschwiegen handelte bisher auch die Bank, die zum Besitz der Reimann-Dubbers zählt: Die Deutsche Handelsbank (DHB), eine Art Hausbank für junge Firmen im Onlinehandel, war bisher nur jungen Technologiefirmen und Wagniskapitalfinanzierern ein Begriff.

Das könnte sich jetzt ändern. „2019 soll für uns ein Wachstumsjahr werden. Wir wollen nicht nur das Kreditgeschäft deutlich ausweiten, sondern auch international expandieren und neue Produkte einführen“, sagt Daniel Kreis, der das Institut seit 2014 führt, im Interview mit dem Handelsblatt.

Die DHB finanziert junge Onlineunternehmen wie den Brillenhändler Mr. Spex, das Möbelhaus Westwing oder den Versicherungsmakler Clark. „Wir sind auf einen stark wachsenden Markt spezialisiert, der viel Potenzial hat, und wir haben die Chance, mit unseren Kunden mitzuwachsen“, sagt Kreis.

Größere Einzelkredite

Er will das aktuell etwa 230 Millionen Euro große Kreditbuch bis 2021 auf „über eine Milliarde Euro“ ausbauen. Bislang darf die Bank einem einzelnen Kunden maximal fünf Millionen Euro leihen. Diese Obergrenze soll bis Ende des ersten Quartals 2019 auf zehn Millionen Euro ansteigen. „Dafür schaffen wir gerade die Voraussetzungen und wollen unser Eigenkapital erhöhen“, so Kreis.

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Für diese Ziele benötigt das Institut ihm zufolge etwa 100 Millionen Euro zusätzliches Eigenkapital. Das entspräche in etwa einer Vervierfachung der aktuellen Kapitalausstattung. Für die DHB wäre das ein enormer Sprung. Mit einer Bilanzsumme von rund 400 Millionen Euro ist das Institut aktuell etwa so groß wie die Volksbank Börde-Bernburg aus Wanzleben in Sachsen-Anhalt.

Ramin Niroumand, Gründer und Chef der Fintech-Schmiede Finleap, hält diesen Schritt für sinnvoll. „Für die Deutsche Handelsbank sind Wachstum und die Ausweitung der Produktpalette auf Dauer wichtig, um am Markt relevant zu bleiben“, sagte er dem Handelsblatt. Er bescheinigt dem Institut, „im Bereich der technologieorientierten Wachstumsunternehmen auf jeden Fall Pionierarbeit geleistet“ zu haben.

Banken mit diesem Geschäftsmodell sind rar: Die DHB bietet aufstrebenden Firmen Bankdienstleistungen an – „früher als etablierte Institute“, wie Niroumand betont. So eine Bank werde gebraucht. Fremdkapital ist bislang Mangelware für junge Unternehmen in der Wachstumsphase.

„In Großbritannien und den USA machen Kredite etwa zehn bis 20 Prozent des Finanzierungsmarkts für Start-ups aus, in Deutschland sind es weniger als ein fünf Prozent“, sagt Peter Lennartz, Leiter des Marktsegments Start-ups bei der Unternehmensberatung Ernst & Young.

Kredite sind auch nicht unbedingt für jedes neu aufstrebende Unternehmen sinnvoll. „Im E-Commerce und im Fintech-Bereich braucht man allerdings jede Menge Cash, um Wachstum zu finanzieren“, erklärt Lennartz. „Onlinehändler etwa müssen die Logistik und die Lagerhaltung finanzieren, und sie müssen unbedingt schnell wachsen, um ihre Marke aufzubauen“, sagt er.

Traditionelle Banken schrecken vor solchen Kunden zurück, die noch Verluste schreiben. Die DHB ist da anders. Neben Umsatz und Ertrag analysiert sie auch Faktoren wie den Betrag, den ein Unternehmen ausgibt, um einen Kunden zu gewinnen, die Kundentreue oder die Rohertragsmarge. „Daraus lässt sich schon ablesen, ob ein Unternehmen Verluste schreibt, weil es wächst oder weil es keinen Markt hat“, meint Bankmanager Kreis.

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Die Geschichte der DHB ist nicht frei von Rückschlägen: Im Geschäftsjahr 2016 musste das Institut 16 Millionen Euro abschreiben. Ein Gemeinschaftsunternehmen mit der Fidor Bank, bei dem die DHB Juniorpartner war, geriet in Schieflage. Nach einem Jahresverlust von 14,4 Millionen Euro musste die Eigentümerfamilie 17 Millionen Euro in die Bank pumpen, um sie zu sanieren.

Die DHB hat daraus gelernt, wie Kreis betont. Sie habe sich auf die Prozesse der Fidor-Bank verlassen. Heutzutage achte das Institut dagegen darauf, Kredit- und Controllingprozesse vollständig selbst durchzuführen.

Das Problemportfolio wird die Bank bis Juni 2019 abgebaut haben. Für das Geschäftsjahr 2018 rechnet Kreis mit Erträgen in Höhe von 18 Millionen Euro. „Wir werden außerdem einen positiven Jahresüberschuss erzielen“, betont er.

Doch der Status quo reicht nicht mehr. Denn die Konkurrenz wächst, selbst in der Nische. Vor wenigen Monaten erst eröffnete die Silicon Valley Bank in Frankfurt eine Dependance. Ähnlich wie die Deutsche Handelsbank ist die Konkurrenz aus Kalifornien bei Wagniskapitalfinanzierern gut vernetzt. Diese Investoren ersetzen beiden quasi das klassische Vertriebsnetz. „Wir leben von deren Empfehlungen“, betont Kreis.

Und klassische Banken springen spätestens dann ein, wenn sich Kreis’ Stammkunden zu etablieren beginnen und ihr Kreditrisiko sinkt. „Es wäre nicht kaufmännisch, solche Unternehmen anderen Banken zu überlassen, wenn sie sich etabliert haben und sich selbst immer neue Geschäftsmodelle suchen, die sich finanzieren lassen“, erklärt er.

Konkurrenz wächst

Sein Institut habe sich bei digitalen Wachstumsfirmen und E-Commerce-Anbietern eine bedeutende Stellung in Deutschland erarbeitet. Diese Stellung will er verteidigen: „Deshalb müssen auch wir wachsen.“ Organisatorisch hat sich die Bank bereits neu aufgestellt: Im September spaltete das Institut sein Vermögensverwaltungsgeschäft ab, das jetzt als Reimann Investors Vermögensbetreuung firmiert.

Nun konzentriert sich die Handelsbank vollständig auf das Corporate Banking für Wachstumsunternehmen.

Das Geschäftsmodell steht auf vier Säulen: Neben dem Zahlungsverkehr und dem Kreditgeschäft erledigt die Bank – ähnlich wie die Solarisbank – für Finanztechnologieunternehmen (Fintechs) bestimmte Aufgaben, für die eine Banklizenz nötig ist.

Außerdem betreibt die DHB als Pilotprojekt eine hochautomatisierte Kreditplattform, die zügig Kredite an kleine Firmen mit geringem Ausfallrisiko vergibt. „Fintech-Banking“ nennt die DHB das Konzept, weil sie ähnlich agiert wie etwa das Fintech Iwoca.

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Das frische Kapital soll zukünftig nicht nur größere Kredite ermöglichen, auch das Produktspektrum soll breiter werden: Kreis will etwa „für alle Ein- und Auszahlungen eine schnelle und kostengünstige Währungskonvertierung anbieten“.

Außerdem sollen die Prozesse der Kreditplattform schneller werden. „Wir wollen in der Zeit, in der wir bislang zwei bis drei Kredite abwickeln, künftig zehn Kredite vergeben können“, sagt Kreis. Viele Details für die Kapitalspritze sind noch offen.

„Wann genau und ob in einer oder in mehreren Tranchen, diskutieren wir gerade“, sagt er. Verschiedene Optionen würden geprüft, auch, mit wem die Bank diesen Schritt machen will. Nur einen Börsengang schließt Kreis aus. Finanzkreisen zufolge sind die Eigentümer offen für einen strategischen Investor, der Expertise oder Wachstumsimpulse einbringen kann.

Darauf angewiesen sind die Reimanns anscheinend nicht. Die Familie soll wohl bereit sein, der Bank im Zweifel auch selbst mehr Kapital zur Verfügung zu stellen, wie zu hören ist.

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