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14.11.2018

17:04

Deutscher Marktführer für Kryptohandel

Bitcoin.de geht den nächsten Schritt in Richtung Krypto-Geldautomat

Von: Felix Holtermann

Bitcoin.de will mehr sein als ein Marktplatz für Kryptowährungen. Das Unternehmen hat nun eine Bank gekauft. Neue Produkte sollen folgen.

Was es in Kalifornien schon gibt, möchte die Plattform Bitcoin.de nach Deutschland bringen. Reuters

Geldautomat für Kryptowährungen (Symbolbild)

Was es in Kalifornien schon gibt, möchte die Plattform Bitcoin.de nach Deutschland bringen.

DüsseldorfDie deutsche Marktführerin beim Handel mit Kryptowährungen erweitert ihr Geschäftsmodell. Die Bitcoin Group, die den Marktplatz Bitcoin.de betreibt, übernimmt 100 Prozent der Frankfurter Tremmel Wertpapierhandelsbank. Der Kaufpreis liege im unteren siebenstelligen Euro-Bereich, teilte die Herforder Gruppe mit.

Die Tremmel Bank ist ein kleines Institut, das 1983 als Börsenmakler gegründet worden ist. Sie verfügt jedoch über eine deutsche Banklizenz als Wertpapierdienstleister, auf die die Herforder nun zugreifen können. „Mit dem Kauf bauen wir unsere Plattform zur Kryptobörse aus und können viele weitere Produkte anbieten“, sagt Bitcoin.de-Gründer Oliver Flaskämper dem Handelsblatt. Abgeschlossen werden soll der Deal im ersten Halbjahr 2019, die Aufsicht muss noch zustimmen.

Der Schritt der Bitcoin Group kommt für Marktbeobachter nicht überraschend. Im Mai hatten die Herforder in ihrem Jahresausblick erklärt, „eine Mehrheitsbeteiligung an einer regulierten Bank mit Sitz in Deutschland“ anzustreben. Bereits im Januar hatte die Gruppe 50 Prozent der Anteile am Anlagevermittler Sineus übernommen.

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Die Bitcoin Group spielt international zwar kaum eine Rolle, dominiert aber den deutschen Kryptohandel. Im Unterschied zu ausländischen Börsen verkauft die hauseigene Plattform Bitcoin.de bisher nicht auf eigene Rechnung virtuelle Münzen, sondern folgt dem von Ebay etablierten Marktplatzprinzip: Die Herforder bringen Verkaufs- und Kaufwillige zusammen und überwachen die Abwicklung des Handels.

Partner ist seit fünf Jahren die Münchener Fidor Bank. Durch ihr Haftungsdach erfüllt Bitcoin.de die Regeln der Finanzaufsicht Bafin für die Anlagenvermittlung. Die Bank der französischen Volksbanken und Sparkassen, BPCE, hatte Fidor 2016 für knapp 142 Millionen Euro gekauft, will den Verlustbringer nun aber wieder abstoßen.

„Wir wollen weiter mit Fidor zusammenarbeiten, haben aber mit der Tremmel Bank jetzt ein Back-up, das uns unabhängiger macht“, erklärt Flaskämper. Der Bitcoin.de-Gründer skizziert einen zweiteiligen Plan. Zunächst könnten Kunden über die Tremmel Bank als Broker direkt virtuelle Münzen kaufen und verkaufen. „Im ersten Quartal 2019 wollen wir dann den ersten regulierten Bitcoin-Geldautomaten in Deutschland aufstellen.“ Zu klären sei noch, wie sich Kunden am Automaten identifizieren müssten.

In einem weiteren Schritt will Bitcoin.de die Wertpapierhandelsbank zum Einlageninstitut ausbauen, das selbst Konten führt, um den Handel vor allem mit ausländischen Kunden, Unternehmen und auf vermögende Familien spezialisierten Geldverwaltern zu beschleunigen. Außerdem sollen eigene Produkte auf Kryptowährungsbasis emittiert werden. Flaskämper ist zuversichtlich, dass die Bafin bei seinen Plänen mitspielt. „Wir würden am liebsten alles sofort machen, aber natürlich müssen alle neuen Produkte vorab mit der Aufsicht geklärt werden.“

Volker Brühl, Geschäftsführer des Center for Financial Studies an der Frankfurter Goethe-Universität, hält das Vorgehen strategisch für sinnvoll. Stand heute sei Bitcoin.de gerade keine regulierte Börse, sondern agiere als Marktplatz und Vermittler der Fidor Bank.

Auf eine eigene regulierte Brokerbank zu setzen sei daher auch aus Kundensicht sinnvoll. Die weiteren Pläne seien jedoch „sehr ambitioniert“: „Dass es schnell gelingt, ein Einlagengeschäft aufzubauen, halte ich für sehr unwahrscheinlich.“ Denn dazu benötige man eine Vollbanklizenz, deren Erhalt mit hohen Hürden verbunden sei. Und die Zeit dränge. „Alle Spieler müssen sich dafür wappnen, wenn Kryptowährungen als Finanzinstrumente voll reguliert werden“, erklärt Brühl. Die Wettbewerber stünden bereits in den Startlöchern.

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Zuletzt hatte etwa die Börse Stuttgart angekündigt, noch im Herbst 2018 mit einem eigenen Kryptowährungs-Handelsplatz namens Bison an den Start zu gehen. Andere Wettbewerber wollen folgen. Im Unterschied zu den Stuttgartern haben die Herforder schon seit 2011 Markterfahrung gesammelt. Die Bitcoin Group hat 750.000 Nutzer und ist von Hackerangriffen, wie sie etwa die US-Börsen bereits erschüttert haben, bisher verschont geblieben.

Erst Mitte Oktober hatte Firmengründer und Vorstand Oliver Flaskämper im Gespräch mit dem Handelsblatt neue Geschäftsfelder skizziert. Als Reaktion auf ein entsprechendes Urteil des Berliner Kammergerichts erklärte er damals: „Wenn der Bitcoin-Handel nicht mehr erlaubnispflichtig wäre, könnten wir sofort Bitcoin-Geldautomaten in Deutschland aufstellen.“

Mit dem Kauf der Tremmel-Bank rückt man dieser Vision nun ein ganzes Stück näher.

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