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20.11.2018

03:00

Digitale Vermögensverwalter

Moneyfarm übernimmt Vaamo – Online-Vermögensverwalter planen europaweites Angebot

Von: Katharina Schneider

Die digitale Vermögensverwaltung gilt als Wachstumsmarkt. Nun schließen sich die ersten Start-ups zusammen.

Die Vaamo-Gründer treten in den Vorstand von Moneyfarm ein. Vaamo

Thomas Bloch (l.) und Oliver Vins

Die Vaamo-Gründer treten in den Vorstand von Moneyfarm ein.

FrankfurtDie Tinte unter den Verträgen ist trocken, eine Verständigung erzielt. Wochenlang verhandelten die Vaamo-Gründer Thomas Bloch und Oliver Vins mit dem Interessenten. Nun können die führenden Köpfe des Online-Vermögensverwalters aus Frankfurt Vollzug melden.

Nach Informationen des Handelsblatts wird Vaamo am Dienstag seine Übernahme durch den britischen Wettbewerber Moneyfarm verkünden. Gemeinsam mit den Briten, an denen auch der Versicherer Allianz beteiligt ist, will Vaamo nun ein europaweites Angebot aufbauen. Die Tage der eigenen Marke und des dazugehörigen Eichhörnchen-Logos dürften jedoch gezählt sein.

Der Deal ist nicht nur ein großer Schritt für die Gründer und ihre rund zehn Mitarbeiter. Er bedeutet auch eine Zäsur für die noch junge Branche der digitalen Vermögensverwalter. Denn die Start-ups reagieren damit auch auf eine wachsende Konkurrenz. Digitale Produkte für das Management privater Vermögen gelten zwar schon länger als wichtiger Wachstumsmarkt, und neue Anbieter wie Scalable Capital haben eine ernst zu nehmende Größe erreicht. Doch auch die etablierten Geldhäuser haben die digitale Vermögensverwaltung inzwischen entdeckt. Immer mehr große Banken und Fondsanbieter springen auf den Zug auf.

Viele Start-ups müssen sich nun gegen große Marken behaupten – wobei viele schnell an ihre finanziellen Grenzen gelangen. Für Sven Korschinowski, Fintech-Experte der Unternehmensberatung KPMG, ist die Finanzierung längst nicht der einzige Erfolgsfaktor, aber ein wichtiger: „Wer mit seinem Geschäftsmodell auf Privatkunden zielt, braucht unter anderem Geld für Werbung, denn einem unbekannten Start-up vertrauen Verbraucher ungern ihre Ersparnisse an. Hier ist es wichtig, Marke und Vertrauen aufzubauen.“ 

Mit der Übernahme von Vaamo durch Moneyfarm kommt das Segment der digitalen Vermögensverwaltung nun neu in Bewegung. Gemeinsam wollen die Firmen die Flucht nach vorne suchen. Giovanni Dapra, Vorstandsvorsitzender von Moneyfarm, bezeichnet Vaamo als „idealen Partner“. Die Vision des Frankfurter Start-ups, die private Geldanlage besser und einfacher zu machen, decke sich mit den Zielen von Moneyfarm.

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Der Italiener hat sein Fintech 2012 im Heimatland gegründet, 2016 folgte der Markteintritt in Großbritannien. Der Einstieg in den deutschen Markt mit der Übernahme von Vaamo sei der nächste Schritt einer europaweiten Expansion. Und Vins berichtet: „Wir kennen die Moneyfarm-Gründer schon lange, und unsere Unternehmen ticken sehr ähnlich, das gilt für unsere Philosophie, das Produkt, das Team, die Arbeitskultur und die Technologie.“

Der Deal ist ein klares Signal, dass sich der Markt der digitalen Vermögensverwalter neu sortiert. Einige Anbieter haben auch schon ihr Geschäftsmodell angepasst und wandeln sich zu Technologieanbietern für etablierte Finanzinstitute. Andere setzen auf Vertriebskooperationen mit den Großen. Übernahmen zwischen Fintechs sind die nächste Stufe: Die Konsolidierung der Branche nimmt Fahrt auf.

Ehrgeizige Ziele

Als Vaamo Mitte 2014 an den Markt ging, schien es die besten Voraussetzungen für eine Erfolgsgeschichte zu haben. Die Frankfurter waren der erste unabhängige Online-Vermögensverwalter in Deutschland, entsprechende Angebote von deutschen Großbanken gab es nicht. Das Gründerteam, zu dem anfangs auch noch Yassin Hankir gehörte, hatte bereits einige Jahre Erfahrung bei der Unternehmensberatung McKinsey oder der Investmentbank JP Morgan gesammelt.

Mit Andreas Hackethal saß zudem ein angesehener und perfekt vernetzter Finanzprofessor im Aufsichtsrat, der dabei half, den wissenschaftlichen Ansatz der Anlagestrategie zu betonen. Auch die Finanzierung stand: In den ersten beiden Jahren pumpten ein US-Investor und Business Angels drei Millionen Euro in das Start-up.

Doch all das reichte nicht, um die ehrgeizigen Ziele zu erreichen. 100.000 Kunden wollte Vaamo ursprünglich bis Ende 2018 gewinnen und stolze 1,5 Milliarden Euro verwalten. Davon sind sie heute weit entfernt. Bloch spricht von „deutlich mehr als 5000 Kunden“. Damit ist der Marktführer Scalable Capital bereits weit enteilt.

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Die Münchener haben ihr Angebot erst 2016 gestartet, konnten seitdem aber schon 1,3 Milliarden Euro einwerben. Den First-Mover-Vorteil hatte Scalable also nicht. Allerdings hatte die Firma schon in den ersten beiden Jahren elf Millionen Euro Risikokapital einkassiert, im vergangenen Jahr kamen 30 Millionen Euro hinzu – unter anderem vom Fondsanbieter Blackrock als strategischem Investor.

Inzwischen empfiehlt der Technologiekonzern Siemens das Scalable-Angebot seinen Mitarbeitern, und im September 2017 startete eine Kooperation mit der ING Diba, die mehr als acht Millionen Kunden hat. Scalables verwaltetes Vermögen steigt seitdem rasant an.

Angesichts der angespannten Konkurrenzlage könnte der Zusammenschluss von Vaamo und Moneyfarm Nachahmer finden. Matthias Hübner, Partner der Unternehmensberatung Oliver Wyman, erwartet für 2019 noch weitere Übernahmen. „Viele Start-ups tun sich noch immer schwer, die ersten 100 oder 200 Millionen Euro an verwaltetem Vermögen einzusammeln“, sagt er. „Doch wenn die kritische Masse fehlt, wird ein eigenständiges Überleben nicht dauerhaft klappen.“ Es kann ein Teufelskreis entstehen: Das Geld werde knapp, und für neue Runden fehlten den Firmen erste zählbare Erfolge.

Übernahmen zwischen Start-ups können nach Ansicht von KPMG-Experte Korschinowski immer dann sinnvoll sein, „wenn beide ihre jeweiligen Stärken bündeln können“. Das könnten die Technologien, die Mitarbeiter, die Kunden – oder auch die Zielmärkte sein. In anderen Geschäftsfeldern der Finanz-Start-ups gab es schon häufiger Übernahmen: Der britische Kreditmarktplatz Funding Circle hat den Berliner Wettbewerber Zencap übernommen.

Der Zinsmarktplatz Deposit Solutions verleibte sich Savedo ein – ließ dessen Marke jedoch bestehen. Der Anlagevermittler Easyfolio ging an die Naga Group. Der schwedische Zahlungsdienstleister schlug in Deutschland gleich dreimal zu und akquirierte die Wettbewerber Sofort-Überweisung, Billpay und Cookies. Auch die Mobil-Bezahldienste Sumup und Payleven schlossen sich zusammen.

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Vaamo und Moneyfarm profitieren mit der Übernahme gleich mehrfach voneinander. Gemeinsam sind sie in drei Märkten aktiv und können ihr Marktwissen und die Erfahrung bündeln: Vins und Bloch sollen Mitglieder des Executive Committees werden – also quasi der Vorstand von Moneyfarm. Bloch wird für das Deutschlandgeschäft und den Ausbau des europaweiten B2B-Geschäfts von Moneyfarm verantwortlich sein. Und Vins wird die Themen Produktmanagement und -entwicklung verantworten. „Bei Vaamo haben wir die Aufgaben so ähnlich aufgeteilt“, so Bloch.

Die Marke Vaamo soll zunächst bestehen bleiben, von Dauer ist das aber wahrscheinlich nicht. Für die Bestandskunden von Vaamo soll sich jedoch erst einmal nichts ändern. „Die Portfolios werden weiter betreut, und später werden wir den Kunden sicher anbieten, auf die neue Plattform zu wechseln“, sagt Vins.

Denn auf Dauer will das Start-up nun in eine neue Dimension wachsen. Nach Ansicht von Niels Beier, Partner der Unternehmensberatung Accenture, dürfte der Erfolg der Fintechs stark von ihrer Expansion abhängen, „gerade weil auch die Investoren solche paneuropäischen Geschäftsmodelle lieben“.

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