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26.07.2019

19:43

Edelmetall

Notenbanken wollen Goldverkäufe nicht mehr koordinieren

Von: Jakob Blume, Jan Mallien

Die EZB und 21 andere europäische Notenbanken wollen nach 20 Jahren ihr Abkommen über Gold-Verkäufe auslaufen lassen. Sie halten es inzwischen für überflüssig.

Seit fast einem Jahrzehnt haben die Notenbanken keine großen Bestände an Gold mehr veräußert. dpa

Gold

Seit fast einem Jahrzehnt haben die Notenbanken keine großen Bestände an Gold mehr veräußert.

Frankfurt Das Gold der Notenbanken weckt immer wieder Begehrlichkeiten. Anfang des neuen Jahrtausends noch haben viele einen Teil ihres Schatzes verkauft – und damit den Goldpreis unter Druck gesetzt. Damals schlossen 1999 führende europäische Notenbanken ein Abkommen, um ihre Goldverkäufe zu begrenzen und damit Verwerfungen am Markt zu verhindern.

Das Abkommen wurde danach immer wieder verlängert. Nun wollen die EZB und 21 andere europäische Notenbanken, darunter auch die schwedische Reichsbank und die Schweizerische Nationalbank (SNB), das inzwischen vierte Abkommen am 26. September auslaufen lassen.

Die Unterzeichner würden keinen Sinn mehr in einem formellen Abkommen sehen, da sich der Markt entwickelt habe und reifer geworden sei, teilte die Europäische Zentralbank (EZB) mit. Seit 2012 haben die betroffenen Notenbanken kaum noch Gold verkauft. Gleichzeitig haben andere Notenbanken ihre Goldreserven sogar aufgestockt.

„Die Haltung der Notenbanken gegenüber Gold hat sich seit der Finanzkrise grundlegend geändert,“ sagt Natalie Dempster vom World Gold Council. Die Ankündigung der EZB sei ein weiteres Zeichen dafür.

Insgesamt sind die Notenbanken und andere offizielle Institutionen wieder zu Nettokäufern von Gold geworden. Im vergangenen Jahr hätten die Notenbanken im Rahmen des bestehenden internationalen Währungssystems mehr Gold gekauft als jemals zuvor, so Dempster.

Angesichts zunehmender geopolitischer Risiken und zum Teil negativer Zinsen sei Gold als Währungsreserve attraktiv. Sie hält das Abkommen ebenfalls inzwischen für überflüssig, weil die Europäer inzwischen zu Nettokäufern von Gold geworden seien.

Auch Giovanni Staunovo, Rohstoffexperte der Schweizer Bank UBS bestätigt: „Die Zentralbanken halten Gold für einen wichtigen Bestandteil ihrer Devisenreserven.“ Der Zeitpunkt für den Schritt sei gut gewählt: „Es ist besser aus einem solchen Abkommen auszusteigen, wenn die Stimmung für Gold positiv ist.“ So würden überzogene Marktreaktionen vermieden.

Russland einer der emsigsten Käufer

Der UBS-Experte ist überzeugt, dass sich die Zentralbanken auf ein neues Abkommen verständigen, sollten sie in Zukunft größere Verkäufe planen. Doch danach sieht es bisher nicht aus. Die meisten Notenbanken in Europa halten ihre Bestände konstant, Polen und Ungarn haben zuletzt kräftig zugekauft.

Ein Trend der nach Einschätzung von Staunovo Bestand haben dürfte: „Weiterhin solide Käufe von Zentralbanken dürften sich positiv auf den Goldpreis auswirken.“

Einer der emsigsten Käufer ist die russische Notenbank. Sie stockt seit Jahren massiv ihren Goldbestand auf. Russlands Präsident Wladimir Putin will so den Anteil des US-Dollars an den Währungsreserven reduzieren.

Seit 2015 hat Russlands Zentralbank jedes Jahr mehr als 200 Tonnen Gold gekauft, wie Zahlen des World Gold Council zeigen. Besonders aktiv waren die Notenbanker zwischen August 2018 und Februar 2019, als sie regelmäßig mehr als 30 Tonnen pro Monat in die Tresore legten. Auch die Notenbanken von China, Kasachstan und der Türkei gehören zu den größten Käufern.

Finanziell hat sich das Engagement gelohnt. Seit Jahresbeginn hat der Goldpreis um fast zehn Prozent zugelegt. Besonders groß sind die Gewinne für Notenbanken, die seit dem Abschluss des Abkommens 1999 kein Gold verkauft haben. Seither hat sich der Goldpreis etwa verfünffacht.

Daher dürfte das Edelmetall auch für Anleger attraktiv bleiben, sagt Staunovo: „Die expansive Geldpolitik der Fed und der EZB dürften Finanzanleger wieder veranlassen, weiterhin in das gelbe Metall zu investieren.“

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