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05.04.2019

06:00

Ein Jahr nach PR-Skandal

Fintech Savedroid versucht Comeback mit Kryptowährungs-App

Von: Katharina Schneider

Vor einem Jahr hat Savedroid einen ICO-Betrug vorgetäuscht. Jetzt löst das Fintech ein Versprechen an die Investoren ein. Wann diese finanziell profitieren, ist aber fraglich.

Mit Kryptowährungen auf den Lamborghini sparen? Damit wirbt das Fintech Savedroid für seine App. Screenshot

Savedroid-Website

Mit Kryptowährungen auf den Lamborghini sparen? Damit wirbt das Fintech Savedroid für seine App.

Fast genau vor einem Jahr wurde Savedroid über Nacht zu einem der bekanntesten und zugleich auch unbeliebtesten Finanz-Start-ups in Deutschland. Gerade hatte das junge Unternehmen im Rahmen eines Initial Coin Offerings (ICO) – eines virtuellen Börsengangs – rund 40 Millionen Euro von etwa 35.000 Investoren eingesammelt. Am 18. April dann der Schock für die Geldgeber: Savedroid täuschte vor, dass sich der Gründer Yassin Hankir mit den Millionen ins Ausland abgesetzt habe. Wie das Handelsblatt erfuhr, will das Unternehmen nach einigen Monaten der Funkstille an diesem Freitag den Start seiner neuen Krypto-App feiern – und gewissermaßen auch sein Comeback.

Die Party stehe unter dem Motto „New Kids on the Blockchain“ – angelehnt an den Namen der amerikanischen Pop-Band New Kids on the Block, bestätigte Hankir im Gespräch mit dem Handelsblatt. Passend dazu werden die Gäste gebeten, sich im Stil der 80er- oder 90er-Jahre zu kleiden. „In den vergangenen Monaten hatten wir uns etwas aus der Öffentlichkeit zurückgezogen, jetzt wollen wir den Launch unserer neuen App feiern“, so der Co-Gründer und Geschäftsführer.

Savedroid wurde 2015 in Frankfurt gegründet. Schon mit seiner ersten App wollte das Unternehmen Nutzern beim Sparen helfen. Sie können darüber Sparregeln einrichten, so dass bei bestimmten Anlässen automatisch Geld von ihrem Girokonto auf ihr Savedroid-Konto übertragen wird – zum Beispiel, wenn sie in einem bestimmten Laden eingekauft haben oder wenn sie sich wenig bewegt haben. Die Sparbeträge landen dann auf einem unverzinsten Sparkonto bei der Wirecard Bank. Mit dem Geld aus dem ICO wollte Savedroid eine neue App entwickeln, über die Nutzer Geld in Kryptowährungen investieren können.

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Am 18. April 2018 schien der Plan für diese App passé. Auf der Homepage des Fintechs war nur noch ein Bild aus der US-Comic-Serie „South Park“ zu sehen. Überschrift: „And it’s gone“ – und es ist weg. Auf Hankirs Twitter-Seite waren dazu noch Fotos aufgetaucht: Eines zeigte den Gründer vor einer Anzeigetafel am Flughafen, auf dem anderen wurde eine Bierflasche der Marke Stella vor einer Strandpanorama in die Kamera gehalten – dazu die Nachricht „Thanks guys! Over and out“. Telefonisch war keiner der Savedroid-Manager zu erreichen. Noch dazu war auch das Büro, das sich damals in einer ehemaligen Auto-Werkstatt befand, leergeräumt. Erst nach 24 Stunden kam die Auflösung: Alles sei nur eine PR-Aktion gewesen.

Pläne für ICO-Beratung gestoppt

Er habe darauf hinweisen wollen, wie viel Betrug im Bereich von ICOs passiere und wie einfach es auch für Savedroid gewesen wäre, mit dem Geld seiner Investoren zu verschwinden, sagte Hankir damals. Er plante, mit einem Tochterunternehmen eine ICO-Beratung zu gründen, um andere Unternehmen bei virtuellen Börsengängen zu unterstützen. Diese Idee habe er nun aber verworfen. „In der Zwischenzeit ist der ICO-Markt zusammengebrochen und es gibt aktuell keine Nachfrage mehr danach“, sagt er.

Die „Savedroid – Save in cryptocurrency“-App dagegen ist nun für iPhones und Android-Geräte verfügbar – zunächst nur auf Englisch. Wer sie nutzen will, braucht eine Kreditkarte, von der das Geld in die Krypto-Wallet abgebucht wird. „Die App soll international verfügbar sein, deshalb haben wir uns für diese Auflademethode entschieden“, erläutert Hankir. „Aus regulatorischen oder Sicherheitsgründen sind wir allerdings nicht in Ländern wie den USA, dem Iran oder Teilen Afrikas verfügbar, aber etwa in Großbritannien, der Türkei und Singapur.“

Wie in der ersten Savedroid-App, die parallel ebenfalls ausgebaut werden soll, können Nutzer Sparziele anlegen sowie Regeln, die dazu führen, dass Geld von ihrer Kreditkarte in die App übertragen wird. Investieren können Nutzer das Geld entweder in ein „KI-gesteuertes Portfolio“, bei dem die Gewichtung zwischen zunächst vier Krypto-Währungen (Bitcoin, Ethereum, Litecoin und Bitcoin Cash) automatisch angepasst wird, um die Volatilität zu minimieren. Alternativ können Nutzer manuell entscheiden, auf welche der vier Währungen sie setzen. Aktuell sind die Einzahlungen auf 10.000 Euro begrenzt.

Für die Nutzer fallen mehrere Gebühren an: Auf Transaktionen werden drei Prozent des Betrags erhoben. Pro Auszahlung werden zehn Euro fällig. Daneben sind weitere Gebühren möglich. So zum Beispiel 50 Euro, wenn eine Transaktion storniert wird.

Um an die erzielten Ersparnisse heranzukommen, können sich Nutzer diese entweder auf das Kreditkartenkonto auszahlen lassen, das sie zur Einzahlung verwendet haben oder sie beantragen künftig in der App eine virtuelle Debit-Kreditkarte, die dann bei Online-Einkäufen eingesetzt werden kann. „Nutzer sparen sich damit den Umweg zurück und die damit verbundene längere Transaktionszeit“, erklärt Hankir. Aus Sicht des Start-ups dürfte die Kreditkarte zudem eine zusätzliche Ertragsquelle sein, denn beim Einkauf müssen Händler Gebühren an den Kartenherausgeber zahlen und der könnte diese mit Savedroid teilen. Welches Unternehmen das ist, will Hankir nicht kommentieren. In jedem Fall müssen sich die Kunde vor der Auszahlung identifizieren, um Geldwäsche zu verhindern. Dafür werde das Foto-Ident-Verfahren genutzt.

Fintech: PR-Kampagne – Savedroid-Gründer hat sich doch nicht mit Investorenkapital abgesetzt

Fintech

PR-Kampagne – Savedroid-Gründer hat sich doch nicht mit Investorenkapital abgesetzt

Tausende Investoren glaubten, der Savedroid-Gründer Hankir habe sich mit ihrem Geld davongemacht. Jetzt erklärt das Fintech die Aktion zum PR-Trick.

Um die App betreiben zu können, hat Savedroid in Liechtenstein das Tochterunternehmen Savedroid FL GmbH gegründet, das im House of Blockchain in Vaduz sitzt. „Von der Finanzmarktaufsicht in Liechtenstein werden wir als klassische Wechselstube reguliert“, sagt Hankir.

Veränderungen in der Geschäftsführung

Auch im Management des Fintechs hat sich zwischenzeitlich einiges getan. Co-Gründer Marco Trautmann hat das Unternehmen verlassen, Co-Gründer Tobias Zander ist weiterhin an Bord. Neu in die Geschäftsführung eingestiegen sind Fabian Keller und Joachim V. Brockmann, beide haben mehr als 25 Jahre Erfahrung in der Finanzbranche. Insgesamt sei das Team von 14 Leuten vor einem Jahr auf nun 25 gewachsen. Auch im Aufsichtsrat gab es eine Veränderung: Jochen Siegert, Experte für Fintechs und Zahlungsverkehr, sei ausgeschieden, berichtet Hankir.

Apps zum Handel mit Kryptowährungen gibt es schon einige, auch die Börse Stuttgart hatte zuletzt eine Krypto-App namens Bison gestartet. Für Hankir besteht der Hauptunterschied darin, „dass es bei uns nicht um Trading geht, sondern um eine spielerische Art, langfristig in ein Portfolio aus Kryptowährungen anzulegen“. Er scheint trotz aktueller Kursturbulenzen an den Erfolg von virtuellen Währungen zu glauben.

Dabei ist auch die Kursentwicklung der Savedroid-Token (SVD), quasi unregulierte digitale Gutscheine, die Savedroid im Rahmen seines ICO an Investoren ausgegeben hat, extrem enttäuschend. Seit vergangenem September haben diese Token zwei Drittel ihres Kurswertes verloren. „Wir können mit der Kursentwicklung nicht zufrieden sein, doch je mehr Kunden unsere neue App nutzen, desto höher wird die Nachfrage nach unseren Token sein“, sagt Hankir, denn die Gebühren in der App können nur in SVD bezahlt werden.

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Vor drei Wochen hat das Fintech Investoren mit einem vorgetäuschten Betrug erschreckt. Jetzt erneuert Savedroid-Gründer Hankir seine PR-Strategie.

Ob der Kurs in den nächsten Wochen tatsächlich ansteigt, wird sich zeigen. Ähnlich unsicher dürfte auch die Zahl der Gäste bei der Party am Freitag sein. Eingeladen sind laut Hankir Freunde, Geschäftspartner und Leute aus der Frankfurter Fintech- und Start-up-Szene.

Unmittelbar nach der PR-Aktion hatten zahlreiche Vertreter anderer Fintechs herbe Kritik an Savedroid geäußert und einen offenen Brief verfasst. Vertrauen sei für ihre Branche wichtig. „Daher ist es uns völlig unverständlich und wir sind entsetzt, wie man Kunden, Partner, Regulatoren und die Öffentlichkeit durch PR-Aktionen in die Irre führen kann, die mit diesem Vertrauen spielen“, schrieben sie damals.

Kommentare (1)

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Herr William Rother

05.04.2019, 10:09 Uhr

Grundsätzlich halte ich die Idee, auf ein selbst definiertes Ziel automatischzu sparen, sehr gut.
Aber diese Unprofessionalität ist ein Unding im Finanzbereich und die sehr hohen Gebühren sind für ein FinTech Startup (was ein Wort) ebenso ein Hemmnis.

Dann lieber doch auf einer der Kryptobörsen für um die 0,25% Gebühr Umwandeln, unabhängig von der Höhe des Betrages.

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