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26.08.2019

18:00

EU-Zahlungsdienstrichtlinie

Streit über Kontoschnittstellen eskaliert

Von: Elisabeth Atzler

Eine junge Finanzfirma bemängelt in einem Brief die Kontoschnittstellen der deutschen Geldhäuser. Diese wehren sich gegen die Kritik des Fintechs.

Gemäß einer neuen EU-Richtlinie müssen Banken Drittanbieten Zugriff auf Zahlungskonten gewähren, wenn der Kunde das wünscht. dpa

Blick auf das Bankenviertel von Frankfurt

Gemäß einer neuen EU-Richtlinie müssen Banken Drittanbieten Zugriff auf Zahlungskonten gewähren, wenn der Kunde das wünscht.

Frankfurt Der Streit über die künftig erforderlichen Kontoschnittstellen der Banken geht in eine neue Runde. Das Finanz-Start-up (Fintech) Fintecsystems sieht bei allen deutschen Kreditinstituten Defizite. „Wir haben einen Brief an 1.296 Kreditinstitute in Deutschland geschrieben und auf die jeweiligen Probleme, die wir bei den Kontoschnittstellen sehen, hingewiesen. Wir sehen bei allen Mängel“, sagte Fintecsystems-Chef Stefan Krautkrämer dem Handelsblatt.

Um die Qualität der Kontoschnittstellen wird seit Langem gerungen. Hintergrund ist die zweite EU-Zahlungsdiensterichtlinie, kurz PSD2. Sie soll den Zahlungsverkehr in der EU für Verbraucher bequemer und sicherer machen sowie den Wettbewerb fördern. Wesentliche Vorgaben treten am 14. September in Kraft, wobei es in bestimmten Fällen auch eine Art Übergangsfrist gibt.

Teil der PSD2 ist, dass Banken Drittanbietern, meist Fintechs, auf Wunsch ihrer Kunden den Zugriff auf Zahlungskonten gewähren. Dafür müssen die Geldhäuser neue Datenschnittstellen einrichten. Über diese Kontoschnittstellen können Fintechs Verbrauchern zum Beispiel eine Übersicht über ihre Finanzen bieten. Auch Zahlungen können per Kontozugriff initiiert werden.

Erste Versionen der neuen Schnittstellen hatten Banken teils schon Mitte März bereitgestellt. Fintechs sollten sie testen und kamen oft zu harschen Urteilen: Die Schnittstellen seien nicht voll funktionsfähig und stellen relativ wenig Daten bereit.
Die deutsche Finanzaufsicht Bafin hatte vorvergangene Woche die Geldhäuser bereits aufgefordert, bei den Schnittstellen bestimmte Punkte zu verbessern. Das sorgte bei Fintechs für Erleichterung, bei Banken jedoch für Unmut. Laut Bafin sollen beide Seiten nun gemeinsam konkrete Zeitpläne für die weitere Umsetzung der Regeln erarbeiten.

Dort will Krautkrämer anknüpfen und „durch den Brief den Dialog aufnehmen“. „Wir wollen Transparenz darüber schaffen, welche Probleme wir sehen, und den Kreditinstituten auch klarmachen, worum es uns im Detail geht“, erklärte er. Fintecsystems, das für andere Fintechs und auch für Banken arbeitet, stellt beispielsweise bei der Schnittstelle der Sparkassen „noch erhebliche Mängel“ fest und listet acht konkrete Kritikpunkte auf. Das Schreiben liegt dem Handelsblatt vor.

Sparkassen und Banken wehren sich und greifen teils ihrerseits Fintechs an: „Den Vorwurf, dass die von Sparkassen bereitgestellte Schnittstelle erhebliche Mängel aufweist, können wir nicht nachvollziehen“, teilte der Deutsche Sparkassen- und Giroverband mit. Die eigene Schnittstelle entspreche den Forderungen der PSD2. Die Forderung von Funktionen über die PSD2 hinaus „entbehrt jeder rechtlichen Grundlage“. Die Hinweise der Bafin aber nehme man ernst und bewerte sie derzeit.

Der Verband der Volks- und Raiffeisenbanken erklärte, dass die Schnittstelle den gesetzlichen Vorgaben entspreche. Die Deutsche Bank hält die Kritikpunkte der Drittanbieter für unbegründet, wie ein Sprecher sagte. „Unseres Erachtens sind diese Punkte außerhalb des PSD2-Leistungsumfangs und teilweise nicht mit der Datenschutzgrundverordnung vereinbar.“ Zudem habe man festgestellt, dass sich viele Drittanbieter noch nicht ausreichend mit den Schnittstellen auseinandergesetzt hätten.

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