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21.09.2018

13:57 Uhr

Filiale in Estland

Geldwäsche-Skandal um Danske Bank – Ermittler entdecken Konten britischer Unternehmen

VonHelmut Steuer

Die Affäre beim dänischen Finanzinstitut ist schon jetzt einer der größten Geldwäsche-Fälle überhaupt. Auch britische Firmen könnten verwickelt sein.

Zwischen 2007 und 2015 könnten bis zu 9,1 Milliarden Dollar über die estnische Tochter der Bank gewaschen worden sein. Reuters

Danske Bank

Zwischen 2007 und 2015 könnten bis zu 9,1 Milliarden Dollar über die estnische Tochter der Bank gewaschen worden sein.

StockholmDer Geldwäsche-Skandal der Danske Bank zieht weitere Kreise: Jetzt will auch Großbritannien untersuchen, inwieweit heimische Unternehmen in die Affäre involviert sind. Wie die National Crime Agency (NCA) in London bekanntgab, habe man eine Vielzahl von Konten bei der estnischen Filiale der dänischen Großbank entdeckt, über die in Großbritannien registrierte Personen und Unternehmen möglicherweise Geldwäsche betrieben hätten. Weitere Einzelheiten nannte die Behörde noch nicht.

Die größte dänische Bank hatte am Mittwoch einen internen Untersuchungsbericht zu einem der größten Geldwäsche-Skandale in Europa veröffentlicht. Danach seien zwischen 2007 und 2015 über die estnische Tochtergesellschaft der Danske Bank insgesamt 234 Milliarden Dollar (200 Milliarden Euro) geflossen. Viele der Transaktionen seien von Personen oder Unternehmen vorgenommen worden, die nicht in Estland gelebt haben.

Diese sogenannten Non-residentials sollen vorwiegend aus Russland, Aserbaidschan, und Moldawien stammen. Bei einem großen Teil der Transaktionen bestünde der Verdacht, dass es sich um Geldwäsche gehandelt habe.

In dem internen Untersuchungsbericht, den die Kopenhagener Kanzlei Bruun & Hjejle im Auftrag der Bank erstellt hat, werden die Kontrollsysteme von Danske Bank als „unzureichend“ bezeichnet. Man habe jetzt 15.000 nicht in Estland lebende Kunden genauer untersucht und festgestellt, dass diese zwischen 2007 und 2015 finanzielle Transaktionen mit einem Volumen von rund 200 Milliarden Euro durchgeführt haben. Bei 6200 Kunden bestünde der Verdacht, dass sie Geldwäsche betrieben haben. Ole Spiermann, der die interne Untersuchung geleitet hat, sprach von „verdächtigen Transaktionen“.

Der Chef der Danske Bank, Thomas Borgen, hatte am Mittwoch seinen Rücktritt erklärt und sich für die mangelnden Kontrollen seiner Bank entschuldigt. Der Fall beschäftigt seit Monaten die dänische Öffentlichkeit, die Finanzaufsicht und Gerichte. 

Kontrollsysteme „unzureichend“: Danske-Bank-Chef tritt wegen Geldwäsche-Skandals zurück

Kontrollsysteme „unzureichend“

Danske-Bank-Chef tritt wegen Geldwäsche-Skandals zurück

Die Danske Bank veröffentlicht einen Bericht, der das Ausmaß eines der größten europäischen Geldwäsche-Skandale offenbart. Bankchef Borgen zieht Konsequenzen.

Die Affäre hatte im Mai durch eine Artikelserie der dänischen Tageszeitung „Berlingske“ Fahrt aufgenommen. Sie hatte berichtet, dass zwischen 2007 und 2015 möglicherweise bis zu 9,1 Milliarden Dollar über die estnische Tochter von Danske Bank gewaschen wurden. Auch wenn das gesamte Ausmaß der illegalen Transaktionen noch nicht geklärt ist, gehen interne und externe Ermittler inzwischen von einer deutlich höheren Summe aus, die über die estnische Filiale von Danske Bank geflossen sind.

Die mangelhaften Kontrollen werden die Bank teuer zu stehen kommen. Die dänische Regierung rechnet mit Strafzahlungen in Höhe von bis zu vier Milliarden Kronen, rund 535 Millionen Euro, sollte die Schuld der Bank bewiesen werden. Neben der Finanzaufsichten in Dänemark untersuchen auch die USA, Estland und jetzt möglicherweise auch Großbritannien die Affäre.

Danske Bank ist nicht die erste Bank in Europa, die in einen Geldwäsche-Skandal verwickelt ist. Im vergangenen Jahr musste die Deutsche Bank rund 700 Millionen Dollar an Strafe zahlen, weil sie betuchten Russen bei der Ausfuhr von fast zehn Milliarden Dollar geholfen hatte. Die niederländische ING wurde in diesem Jahr ebenfalls wegen der Verwicklung in eine Geldwäsche-Affäre zur Zahlung von 900 Millionen Dollar verpflichtet.

Analysten befürchten Strafen von bis zu 800 Millionen Dollar

Wie hoch die mögliche Strafe für die Danske Bank ausfallen kann, ist noch unklar. Von der Nachrichtenagentur Bloomberg befragte Analysten bezifferten die mögliche Strafe sogar auf etwa 800 Millionen Dollar. Besonders teuer könnte es werden, sollte sich bei der Untersuchung der USA herausstellen, dass amerikanische Recht gebrochen wurde.

Wegen der möglichen Strafzahlungen, eines enormen Imageverlusts sowie einer freiwilligen Spende von 1,5 Milliarden Kronen (201 Millionen Euro) für ein Programm gegen Geldwäsche revidierte Danske Bank am Mittwoch die Geschäftsprognose für dieses Jahr  und rechnet nun mit einem Jahresüberschuss von 16 bis 17 Milliarden Kronen statt der bislang erwarteten 18 bis 20 Milliarden Kronen.

Der Geldwäsche-Skandal könnte auch für das Management von Danske Bank teuer zu stehen kommen. Der Vorsitzende des Aufsichtsrats von Danske Bank, Ole Andersen, erklärte gegenüber der schwedischen Zeitung „Svenska Dagbladet“, dass man wegen des Skandals alle Bonuszahlungen aus den Jahren 2007 bis 2015 an leitende Mitarbeiter überprüfen werde. „Es kann sein, dass wir die Rückzahlung fordern“, sagte er. „Das gilt für alle, auch für Thomas Borgen.“ Der Danske Bank-Chef hatte in dem aktuellen Zeitraum rund 22 Millionen Kronen an Boni erhalten. 

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