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15.01.2019

18:33

Finanzaufsicht

Bundesregierung wirbt für Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank

Von: Martin Greive, Andreas Kröner, Yasmin Osman

Vertreter der Bundesregierung haben bei der Bankenaufsicht wegen eines Zusammenschlusses der Institute vorgefühlt. Doch die Kontrolleure haben viele offene Fragen.

Angst vor einer Abwärtsspirale. Bloomberg

Zentrale der Deutschen Bank

Angst vor einer Abwärtsspirale.

Berlin, FrankfurtEs ist ein neuer Ton, der den Banken seit einigen Monaten aus Berlin entgegenschlägt. Statt der früheren Distanz setzt sich die Regierung seit Neuestem offensiv für einen starken Bankensektor ein. „Wir brauchen eine nachhaltige Finanzindustrie, die global wettbewerbsfähig ist“, betonte Bundesfinanzminister Olaf Scholz am Dienstag abermals auf dem Forum Future Europe in Berlin. „Das ist zentral für Deutschland und Europa.“

Und einen Plan für die Stärkung der deutschen Bankenbranche hat Berlin auch: Eine Fusion zwischen der kränkelnden Deutschen Bank und der fußlahmen Commerzbank soll den Befreiungsschlag bringen. Hinter den Kulissen versucht die Politik daher nach Informationen des Handelsblatts einiges, um einem Zusammenschluss beider Häuser den Weg zu bereiten.

Vertreter der Bundesregierung hätten bei der Bankenaufsicht wegen einer möglichen Fusion der Institute vorgefühlt, sagten mehrere mit dem Thema vertraute Personen dem Handelsblatt. Dabei hätten sie versucht, Sympathie für einen solchen Schritt zu schaffen. „Es hat Sondierungsgespräche zwischen Bundesregierung und Finanzaufsicht gegeben“, sagte ein Beteiligter.

Die Deutsche Bank und die Commerzbank werden federführend von der Europäischen Zentralbank überwacht. In den Aufsichtsteams, die beide Geldhäuser kontrollieren, sind jedoch auch Mitarbeiter der Bundesbank und der Finanzaufsicht Bafin vertreten. Über konkrete Fusionspläne sei mit den Aufsehern noch nicht diskutiert worden, heißt es.

Dennoch ist in Aufsichtskreisen der Eindruck entstanden, dass in das Thema seit Jahresanfang Bewegung gekommen ist. Das Bundesfinanzministerium und die drei Aufsichtsbehörden wollten sich dazu nicht äußern. Auch Deutsche Bank und Commerzbank kommentierten das nicht.

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Offenherzige Antworten

Die Kontakte zwischen Finanzministerium und Bankenaufsicht passen ins Bild. Gerade hat eine parlamentarische Anfrage gezeigt, dass sich Vertreter des Finanzministeriums, vor allem Staatssekretär Jörg Kukies, im vergangenen Jahr 23-mal mit Vertretern der Deutschen Bank getroffen hatten. Auch die Frage, wie die Regierung als Minderheitsaktionär der Commerzbank etwaige Fusionspläne bewerten würde, beantwortete das Ministerium für Beobachter ungewohnt offensiv: „Die Bundesregierung steht wirtschaftlich sinnvollen Optionen offen gegenüber“, hieß es in der Stellungnahme.

Bemerkenswert finden Frankfurter Beobachter, dass die parlamentarische Anfrage, die die Fusionsfantasien befeuert hatte, von Danyal Bayaz, einem Finanzexperten der Grünen, gestellt wurde. Bayaz war früher Praktikant einer von Jörg Kukies geleiteten Abteilung bei Goldman Sachs in Frankfurt. Wie es heißt, sollen sich die beiden aber nicht näher kennen gelernt haben.

In Berlin hieß es, das Bundesfinanzministerium wolle keine staatliche Zwangsfusion. Man wolle aber die Rahmenbedingungen so setzen, dass die Geldhäuser von sich aus zusammengehen können. Scholz und seine Beamten seien überzeugt: Es müsse sich etwas ändern, wenn die deutsche Finanzindustrie in Zukunft noch wettbewerbsfähig sein will.

Diese Erkenntnis setze sich zunehmend auch bei den beteiligten Banken durch. Die Commerzbank war bislang die „treibendere Kraft“ mit Blick auf eine Fusion, sagte eine mit der Diskussion vertraute Person. Doch auch bei der Deutschen Bank wachse die Wahrnehmung, dass man eventuell nicht nach Belieben mit einer Fusion – oder einem anderen strategischen Schritt warten könne.

Die Deutsche Bank habe Angst, dass sie aus der Spirale aus negativen Schlagzeilen, dramatisch fallenden Aktienkursen und misstrauischen Kunden irgendwann nicht mehr ohne einen großen Befreiungsschlag herauskomme, hieß es. Man frage sich bei der Bank, ob man vom Kapitalmarkt die nötige Zeit für die langsame Gesundungsstrategie bekomme.

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Schwacher Dezember

Vor allem die Entwicklung im Dezember hatte den Deutschbankern einen Schrecken eingejagt. Wegen der Geldwäscherazzia Ende November hatten Kunden sich teilweise mit Geschäften zurückgehalten, die Refinanzierungskosten stiegen drastisch, und Mitarbeiter waren demotiviert.

Viel wird deshalb auch vom Verlauf des ersten Quartals abhängen. Im Januar hat die Bank in Teilen des Investmentbankings punkten können und einige wichtige Mandate für Anleiheemissionen von US-Firmen gewonnen. Und Vorstandschef Christian Sewing betonte laut einem Redemanuskript für den Berliner Neujahrsempfang erstaunlich offensiv, dass die Bank ihre Kosten im Griff habe – möglicherweise könnte es also an dieser Stelle eine positive Überraschung geben. Ob das genügt, um Vertrauen zurückzuerobern, muss sich zeigen.

Weder für die Deutsche Bank noch die Commerzbank ist ein Zusammengehen die einzige Option. Die Deutsche Bank hatte im Herbst auf einer Strategiesitzung mehrere Fusionsszenarien durchgerechnet. Dabei hatte ein Fusionsszenario mit der Schweizer UBS aus dem Blickwinkel der Aktionäre besser abgeschnitten als ein Zusammengehen mit der Commerzbank, hatte das Handelsblatt damals von mehreren Insidern erfahren. Mit den industriepolitischen Ambitionen des Finanzministers wäre eine Fusion, bei der der Hauptsitz ins Ausland wandert, wohl nicht vereinbar.

Aus Sicht der Finanzaufsicht wäre eine Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank ein Kraftakt mit großen operationellen Risiken. Zudem gebe es noch viele offene Fragen zum Geschäftsmodell. Manche Kontrolleure sehen etwa im Investmentbanking der Deutschen Bank Anpassungsbedarf – denn das wird durch eine Fusion mit der Commerzbank nicht profitabler. Und sie wollen verhindern, dass das Privat- und Firmenkundengeschäft die Investmentbank dauerhaft quersubventionieren muss.

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Auf der anderen Seite sehen Bankenaufseher auch die Vorteile einer möglichen Fusion – allen voran das Potenzial milliardenschwerer Einsparungen. Und da die Entwicklung beider Banken alleine alles andere als rosig sei, könne irgendwann der Zeitpunkt kommen, an dem man einen Befreiungsschlag wagen müsse.

Die Bankenaufseher hatten in der Vergangenheit unterschiedliche Positionen zum Thema Bankenkonsolidierung. Die Spitzen der EZB-Bankenaufsicht hatten sich in der Vergangenheit mehrfach für eine Konsolidierung des Sektors ausgesprochen. Zurückhaltender hatten sich deutsche Aufsichtsbehörden geäußert. „Konsolidierung ist eine Option, aber sie ist kein Allheilmittel“, sagte Bafin-Chef Felix Hufeld im Herbst im Handelsblatt-Interview.

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