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25.01.2019

04:00

Wieslaw Smetek

Frankfurt, BerlinDer Ort ist geschichtsträchtig und eine der besten Adressen in Berlin. An der Ecke Charlottenstraße und Unter den Linden liegt die Hauptstadtdependance der Deutschen Bank. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs residierte in der Gründerzeitpracht der Vorstand des größten heimischen Geldhauses.

Einmal im Jahr kehrt der alte Glanz zurück. Traditionell lädt die Bank im Januar zum Hauptstadtempfang in den glasüberdachten Innenhof, den die Sandsteinwände der Altbauten ringsum zu einer gigantischen Bühne machen.

In dieser Szenerie wirkt Christian Sewing fast ein wenig verloren, als er sich am vergangenen Mittwoch durch die Menge von Kunden, Politikern und Lobbyisten den Weg ans Rednerpult bahnt. In seiner Rede versucht der Vorstandschef, dem Ort gerecht zu werden, inszeniert sich als Staatsmann und spricht vom Handelskrieg des Donald Trump über den Brexit bis zur Sinnkrise Europas. Vom Schicksalsjahr 2019 ist die Rede und vom raueren Umfeld.

„Die Zukunft sieht ungewisser aus als noch vor zwölf oder 24 Monaten“, warnt Sewing, die Hände aufs Pult gestützt, die Arme durchgestreckt, den Blick fest ins Publikum gerichtet. Sätze, die auf die politischen Krisen rund um den Globus gemünzt sind, die sich aber beinahe eins zu eins auf die Lage der Deutschen Bank übertragen lassen.

Zehn Monate steht Sewing nun an der Spitze des Frankfurter Geldhauses. Seine Bilanz fällt ernüchternd aus: Der Aktienkurs brach um rund 40 Prozent ein, deutlich mehr als bei der Konkurrenz. An der Börse ist das Geldhaus nur noch 16,5 Milliarden Euro wert, im globalen Geschäft fast ein Rundungsfehler. Mit dem Gewinn eines einzigen Jahres könnte der Wall-Street-Riese JP Morgan die Deutsche Bank gleich zweimal kaufen.

Die Zukunft sieht kaum besser aus, es droht eine Abwärtsspirale: Der Kurssturz erhöht die Risikoprämien und verscheucht Kunden, was die Aktie belastet und wiederum das Geschäft. Wie ernst die Situation ist, zeigt sich anhand der Kreditausfallversicherung, mit der sich Investoren gegen das Platzen der Anleihen absichern. Sie fordern von der Deutschen Bank eine fast doppelt so hohe Risikoprämie wie von der Commerzbank oder mehr als viermal so viel wie von der Schweizer Großbank UBS.

Der Vorstandschef sorgt sich. Der fallende Aktienkurs könnte zu einem Verzweiflungsdeal mit der Commerzbank führen. Illustrationen: Julius Brauckmann, Smetek; Foto: Arne Dedert/dpa [M]

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing

Der Vorstandschef sorgt sich. Der fallende Aktienkurs könnte zu einem Verzweiflungsdeal mit der Commerzbank führen.

Kann das einst glänzende Symbol für die Macht der „Deutschland AG“ auf Dauer auf eigenen Beinen stehen? Die Politik ist alarmiert, es laufen Planspiele mit enormem Einsatz: Es geht um das Schicksal der beiden größten deutschen Privatbanken, um den Standort Deutschland und um die Stabilität des Finanzsystems.

Viel spricht für eine Fusion mit der Commerzbank

Mit am Tisch sitzen Finanzminister Olaf Scholz, sein neuer Staatssekretär Jörg Kukies sowie viele deutsche Banker von Rang und Namen. Noch liegen nicht alle Karten auf dem Tisch, aber vieles spricht dafür, dass am Ende Sewing und sein Kollege Martin Zielke von der Commerzbank ihre Geldhäuser fusionieren.

Wie weit die Vorbereitungen reichen, zeigte sich im vergangenen September. Da spielten die Banker der Deutschen Bank ein Zusammengehen mit der UBS durch. Die Schweizer prüften nach Informationen des Handelsblatts ebenfalls das Szenario. Doch zu Verhandlungen kam es nicht.

Bleibt also die Commerzbank. Wirklich glücklich macht eine mögliche Übernahme durch die Deutsche Bank allerdings kaum jemanden. Investoren und Experten plagen Zweifel, ob man aus einer kränkelnden und einer schwächelnden Bank einen nationalen Champion schmieden kann.

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Auch Zielke und Sewing würden lieber weiter als Singles durchs Leben gehen. Die Mitarbeiter fürchten zu Recht Massenentlassungen. Für den Analysten Stuart Graham vom Londoner Researchhaus Autonomous wäre es ein „verzweifelter Deal, betrieben von einer Regierung, die eine Ansteckung des restlichen Finanzsektors verhindern will“.

Trotzdem könnte es zur Frankfurter Bankenehe kommen, diktiert von der Not, orchestriert von der Politik. Seit Mai 2018 hat Kukies laut einer parlamentarischen Anfrage der Grünen 20-mal mit hochrangigen Managern der Deutschen Bank gesprochen, zweimal war Scholz dabei. Auch die Frage, wie man etwaige Fusionspläne bewerten würde, beantwortete das Ministerium ungewohnt offensiv: „Die Bundesregierung steht wirtschaftlich sinnvollen Optionen offen gegenüber.“

Scholz entdeckte die Leidenschaft zu den Banken neu

Mit der Commerzbank und Cerberus, jenem US-Fonds, der an beiden Banken beteiligt ist, redete der Minister ebenfalls mehrmals, auch wenn nicht klar ist, ob es bei den Gesprächen mit den Amerikanern um die Frankfurter Großbanken ging. Cerberus hat im vergangenen Jahr mit Partnern auch die HSH Nordbank übernommen und erwägt eine Beteiligung an der NordLB.

Dass es zu einer Fusion kommen könnte, liegt an dem Duo, das beim Neujahrsempfang in der Charlottenstraße nicht dabei, aber doch immer irgendwie mit im Raum war: Scholz und Kukies. Lange Jahre herrschte Eiszeit zwischen Berlin und Frankfurt. Zu enttäuscht war die Politik über die Finanzkrise und das Verhalten der Banker. Ausgerechnet der nüchterne Hanseat Scholz entdeckt die Leidenschaft zu den Banken neu.

Auf dem Handelsblatt Banken-Gipfel verkündete der Minister vor wenigen Monaten eine neue Industriepolitik für die Finanzbranche. Seither macht er in schöner Regelmäßigkeit klar, dass er sich eine starke, global wettbewerbsfähige und heimische Bank wünscht.

Kursentwicklung: Jeder zweite Analyst rät zum Verkauf der Deutsche-Bank-Aktie

Kursentwicklung

Jeder zweite Analyst rät zum Verkauf der Deutsche-Bank-Aktie

Kein anderes Institut im Stoxx 600 schneidet bei Analysten so schlecht ab wie die Deutsche Bank. Eine Fusion mit der Commerzbank halten viele für riskant.

Als Helfer holte sich Scholz Kukies, den ehemaligen Deutschland Co-Chef der US-Investmentbank Goldman Sachs, in sein Ministerium. Der lebhafte Mainzer weiß nur zu gut, welche Risiken der Absturz des Aktienkurses und vor allem der Anstieg der Risikoprämien an den Anleihe- und Derivatemärkten für die Deutsche Bank bergen. Analyst Graham geht davon aus, dass die deutsche Politik für die Bank mit einer Bilanz von 1,4 Billionen Euro, die bereits 2016 eine Vertrauenskrise überstehen musste, einen „Plan B“ in der Tasche haben will.

Das ist die defensive Variante. Aber die Pläne von Scholz und Kukies haben auch eine offensive Komponente. Die Strippenzieher im Finanzministerium fürchten, dass beide Großbanken zu schwach sind, um die deutsche Wirtschaft zu stützen. Dazu kommen die geopolitischen Risiken, der Neoprotektionismus eines Donald Trump und der rasante Aufstieg der chinesischen Banken.

Druck aus Berlin

Die Finanzpolitiker wollen verhindern, dass die heimischen Unternehmen am Tropf der Wall Street oder von Peking hängen. Deshalb könnte Scholz“ Industriepolitik für die Finanzbranche am Ende auf eine Frankfurter Eheanbahnung hinauslaufen. Seit der Rettungsaktion in der Finanzkrise hält der Bund rund 15 Prozent an der Commerzbank, ein wertvoller Chip im Poker um die Banken.

Berliner Insider betonen zwar, dass Scholz und Kukies keine staatliche Zwangsfusion wollen. Aber es heißt auch, dass man sich mit den Bankern, zumindest was die politische Analyse für die Zukunft des Finanzplatzes Deutschland angehe, einig sei. Man könne die Rahmenbedingungen ja so setzen, dass die beiden Geldhäuser von sich aus zu den richtigen Schlussfolgerungen kommen. Eines sei für die Spitze des Finanzministeriums jedenfalls klar: „So wie jetzt kann es einfach nicht bleiben.“

In den Doppeltürmen der Deutschen Bank und im Hochhaus der Commerzbank empfinden die Manager den Druck aus Berlin längst nicht mehr als sanft. Dort verfestigt sich der Eindruck, dass es Berlin nicht mehr so sehr darum geht, ob, sondern nur noch wann der Zusammenschluss kommt.

Der Druck aus Berlin auf Deutsche Bank und Commerzbank wächst. Illustration Julius Brauckmann, Fotos: J. Wresch/Agentur Focus, Ullstein bild [M]

Finanzminister Olaf Scholz

Der Druck aus Berlin auf Deutsche Bank und Commerzbank wächst.

Trotz des wachsenden Enthusiasmus der Politik für eine Deutsche Commerzbank – oder wie immer die neue Megabank am Ende heißen würde – bleiben zwei entscheidende Fragen: Ist die Frankfurter Fusion wirklich nötig? Und: Kann sie funktionieren?

Zurück zum Neujahrsempfang der Deutschen Bank in den überdachten Innenhof in der Berliner Charlottenstraße. Gegen Ende seiner Rede beschwört Sewing die Stärken seines Hauses. Die Bilanz? „So solide wie selten zuvor.“ Die Kosten? „Im Griff.“ Und die Rechtsrisiken, die seit der Finanzkrise rund 14 Milliarden Euro kosteten? „Erheblich reduziert.“

Jedes rhetorische Fragezeichen soll beweisen, dass es der Bank nicht so schlecht geht, wie es der Kurssturz an der Börse suggeriert. Aber dann folgen Sätze, die fast schon kleinlaut wirken. „Wir haben das größte Interesse daran, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen, und wir sind den vielen Kunden dankbar, die auch in den vergangenen Wochen zu uns gehalten haben.“

Dann rückte auch noch die Staatsanwaltschaft an

Sewings Dank ist weit mehr als eine höfliche Floskel. Das vierte Quartal 2018 war für viele große Banken eine mittlere Katastrophe, aber für die Frankfurter fiel es wohl besonders düster aus. Schuld daran sind neue Skandale. Zuerst kam ans Licht, dass die Bank in die größte europäische Geldwäscheaffäre rund um die Danske Bank verwickelt ist. Dann rückte Ende November auch noch die Staatsanwaltschaft mit rund 170 Fahndern an, um Geschäftsräume und Vorstandsbüros zu durchstöbern.

Die Ermittler wollten wissen, ob Mitarbeiter Kunden geholfen haben, über Briefkastenfirmen in der Karibik schmutziges Geld in sauberes zu verwandeln. Die beiden Affären machten die ohnehin schon verstörten Investoren und Kunden noch misstrauischer.

Vor allem im wichtigen Investmentbanking legten verstörte Klienten viele Geschäfte erst einmal auf Eis. Aber nicht nur bei den Kunden, auch in der Bank liegen die Nerven blank: „Bei anderen Banken ist so eine Durchsuchung in ein, zwei Tagen vergessen, bei uns breitet sich in der Belegschaft erst einmal eine Angstlähmung aus“, klagt ein Deutsche-Bank-Manager.

Wenn Sewing am 1. Februar das Jahresergebnis präsentieren wird, dann befürchten die Analysten für das vierte Quartal mittlerweile einen Verlust von knapp 240 Millionen Euro. Autonomous-Experte Graham hat seine Schätzung gleich dreimal nach unten korrigieren müssen.

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Auch bei Sewing sitzt der Frust tief. Wie zu hören ist, wäre er ohne die Razzia auf einem guten Weg gewesen, mit einem deutlich besseren Ergebnis als erwartet im vierten Quartal zu überraschen. Das ist jetzt perdu: Die Durchsuchungen haben die Bank einen signifikanten dreistelligen Millionenbetrag an Einnahmen gekostet, berichten zwei mit den Zahlen vertraute Personen. Besonders in den USA hätten große Aktionäre und Anleiheinvestoren die Durchsuchung als Misstrauensvotum des Staates gegen die Bank und gegen ihren Vorstandschef interpretiert.

Sewing bleibt zumindest ein Trost: Sein Versprechen, nach drei Verlustjahren in Folge wenigstens für 2018 insgesamt einen Gewinn präsentieren zu können, wird er wohl erfüllen. Die Analysten rechnen mit einem Nettoergebnis von rund 480 Millionen Euro, aber das würde nur für eine mikroskopische Eigenkapitalrendite von 0,9 Prozent reichen. Damit wird der Vorstandschef die Ängste der Investoren nicht zerstreuen können, die die Bank in einer Abwärtsspirale aus steigenden Finanzierungskosten und fallenden Erträgen gefangen sehen.

Sewing genießt breites Ansehen

Anfang April 2018 hatte Aufsichtsratschef Paul Achleitner Sewings Vorgänger John Cryan wegen Erfolglosigkeit aus dem Amt gejagt. Der Brite mit der leisen Stimme und den melancholischen Augen hatte die lange Liste der Probleme zwar glänzend diagnostiziert, nur bei der Therapie kam er kaum voran.

Also machte der Aufsichtsrat Sewing zum Chefarzt. Der Mann aus der Nähe von Bielefeld hat quasi seine gesamte Karriere bei der Bank verbracht, von der Lehre bis zum Chefposten im Privatkundengeschäfts. Ihm trauen Achleitner und Co. zu, das seit Jahren vor sich hin kränkelnde Geldhaus wieder auf die Beine zu bringen. Und auch in der Bundesregierung genießt der neue Bankchef hohes Ansehen. „Christian Sewing ist der beste Vorstandschef der Deutschen Bank seit Jahren“, sagt ein Bundesminister.

Gerade einmal 18 Tage war der neue Deutsche-Bank-Chef im Amt, als er im April 2018 in einer Telefonkonferenz mit Analysten verkündete: „Wir werden den Kurs jetzt ändern, es gibt keine Zeit zu verlieren.“ Der Kern der Bank müsse „neu definiert“ werden.

Der ehemalige Deutschland-Co-Chef von Goldman Sachs weiß, wie riskant es für die Deutsche Bank ist, dass ihr Aktienkurs fällt und Risikoprämien an Anleihe- und Derivatemärkten steigen. Illustration: Julius Brauckmann, Foto: www.marco-urban.de [M]

Staatssekretär Jörg Kukies

Der ehemalige Deutschland-Co-Chef von Goldman Sachs weiß, wie riskant es für die Deutsche Bank ist, dass ihr Aktienkurs fällt und Risikoprämien an Anleihe- und Derivatemärkten steigen.

Für Sewing heißt das, zwei Drittel der Erträge sollen künftig aus stabilen Bereichen wie dem Privatkundengeschäft, der Vermögensverwaltung oder dem Zahlungsverkehr kommen. Dagegen soll die Investmentbank um zehn Prozent schrumpfen. Die Kosten will der Chef bis Ende 2019 auf 22 Milliarden Euro drücken, 2017 waren es noch knapp 24 Milliarden. Die Eigenkapitalrendite soll bis Ende dieses Jahres auf zumindest vier Prozent klettern. Aber hat Sewing genügend Zeit zu beweisen, dass das möglich ist?

In dieser Woche hat sich der Vorstandschef zum großen Klassentreffen der Polit- und Wirtschaftselite auf den Weg in die Schweizer Alpen gemacht. Anders als sein Vorgänger John Cryan, der Davos eher verabscheute, stürzt sich Sewing geradezu in den Rummel des Weltwirtschaftsforums.

Gespräche in Davos

Bereits vor dem offiziellen Beginn empfing er ostentativ gelassen einen illustren Kreis von rund 40 deutschen Topmanagern, unter ihnen Adidas-Chef Kaspar Rorsted und andere Topmanager, zum informellen Abendessen im Hotel Steigenberger Belvedere. Am Dienstagabend diskutierte Sewing leidenschaftlich mit Springer-Chef Mathias Döpfner und einem MIT-Professor darüber, wie die großen Tech-Plattformen die Welt in Gewinner und Verlierer teilen. Kurz danach zeigte er sich auch noch bei einem Dinner des Großaktionärs Blackrock.

Das übliche Davos-Programm eines Topmanagers also. Eher ungewöhnlich ist dagegen, dass sich Sewing gleich mit mehreren Bankchefs zu Einzelgesprächen traf, darunter Ralph Hamers von der niederländischen ING und Jes Staley, der Boss der britischen Barclays-Bank. „Jeder will wissen, wie es um die Deutsche Bank steht – und ob es zu einer Konsolidierung kommt“, sagt ein Banker. 

Wie es um die Frankfurter bestellt ist, zeigt eine einzige Kennzahl: das Verhältnis der Marktkapitalisierung zur Bilanz. Der sogenannte „Price-to-Book Value“ ist vielleicht das wichtigste Maß für das Vertrauen der Investoren in ein Geldhaus. Ein Wert über eins signalisiert Solidität, ein Wert darunter latentes Misstrauen. Nach dem Absturz an der Börse ist das Kurs-Buchwert-Verhältnis der Bank auf kümmerliche 0,26 geschrumpft.

Schon im Juni 2018 hat die Ratingagentur Standard & Poor’s die Bonitätsnote gesenkt. Dem Institut drohen damit dauerhaft höhere Finanzierungskosten. Das macht es schwieriger, den Kunden konkurrenzfähige Konditionen zu bieten. Und so treibt die Investoren die Angst um, dass die bereits seit drei Jahren schrumpfenden Erlöse schneller wegbrechen, als Sewing sparen kann.

Die angespannte Lage führt zu zwei bemerkenswerten Paradoxien: Trotz des Absturzes an der Börse sitzt der neue Vorstandschef fest im Sattel. Im Aufsichtsrat genießt Sewing breite Unterstützung, und als der US-Hedgefonds Hudson Executive im Herbst mit rund drei Prozent einstieg, sprach Gründer Doug Braunstein dem Topmanagement sein „volles Vertrauen aus“.

Andere Großinvestoren würden sich vielleicht nicht ganz so euphorisch äußern. Aber innerhalb und außerhalb der Bank wissen die meisten, dass ein neuer Chef auch nur wenig anders machen könnte.

Die verhasste Deutsche Bank

Eigentlich wissen auch alle, dass Sewing noch Jahre braucht, um die Bilanz aufzuräumen. Trotzdem läuft dem Vorstandschef die Zeit davon. Analyst Graham glaubt, dass schon die Zahlen für das erste Quartal, traditionell das beste im Bankgeschäft, über die Glaubwürdigkeit von Sewings Sanierungsplan entscheiden können. In den ersten Wochen des Jahres hätten sich Finanzierungskosten und Einnahmen wieder stabilisiert, ist aus der Bank zu hören.

Aber Topmanager warnen auch, dass sich angesichts der unsicheren Wirtschaftslage heftige Turbulenzen wie im vierten Quartal 2018 schnell wiederholen könnten. Sollte es gar zu einer Rezession kommen, fürchtet Graham, dass die Bank zurück in die Verlustzone rutscht, sogar eine Wiederholung der großen Vertrauenskrise von 2016 will er dann nicht ausschließen.

Allmählich setzt sich die Erkenntnis durch, dass ein Befreiungsschlag nötig ist: „Die Bank braucht eine Neubewertung durch den Kapitalmarkt“, meint ein hochrangiger Deutschbanker.

Eine Übernahme der Commerzbank würde gleich mehrere Probleme lösen. Seit 2012 hat die Deutsche Bank bereits knapp 33 Milliarden Euro bei den Aktionären eingesammelt, trotzdem ist Kapital noch immer ein knappes Gut. Nach dem Kursrutsch würde das Institut allein kaum neues Geld von den frustrierten Aktionären bekommen. Gemeinsam mit der Commerzbank könnte das anders aussehen, vor allem, wenn der Staat bei einer Kapitalerhöhung mitzieht.

Über seine Beteiligung an der Commerzbank wäre der Bund auf jeden Fall auch bei dem neuen Institut mit an Bord, bei einem reinen Aktientausch rein rechnerisch mit etwa fünf Prozent. Damit hätte die fusionierte Bank den stabilsten Aktionär, den man sich vorstellen kann. Das könnte das Misstrauen von Investoren und Kunden zerstreuen, die Finanzierungsbedingungen verbessern, und die Investmentbanker hätten es wieder leichter, Geld zu verdienen, ist aus dem Umfeld der Bank zu hören. Außerdem würde Sewing quasi mit einem Schlag sein Ziel erreichen, zwei Drittel der Erträge aus stabilen Geschäftsbereichen zu erwirtschaften.

Auf dem Papier würde sich die Fusion rechnen

Dabei würde sich ein Deal zumindest auf dem Papier rechnen. Beide Institute hätten – wenngleich nach hohen Anlaufkosten – die Chance, viel Geld zu sparen, vor allem in der Zentrale könnten Zehntausende Stellen wegfallen, Filialen könnten geschlossen und IT-Kosten gespart werden.

Die Analysten von Morgan Stanley halten „mindestens 30 Prozent der Kostenbasis der Commerzbank“ für realistisch. Beide Banken zusammen könnten ab 2022 eine Rendite auf das materielle Eigenkapital von acht Prozent erreichen und damit zumindest ihre Kapitalkosten verdienen.

Kein schlechtes Szenario. Aber wer sich in diesen Tagen mit Managern der Bank unterhält, der hört anderes. Noch immer habe Sewing die Chance zu beweisen, dass seine Ziele für 2019 erreichbar sind und die Bank auch allein zurechtkommt. Oder ein privater Investor schießt Kapital zu. Der Staatsfonds von Katar sieht die Deutsche Bank als mögliche Investition.

Vielleicht findet sich ja auch ein anderer Partner? Im Topmanagement wurde zum Beispiel auch über eine Kombination mit einer französischen Bank wie BNP oder Société Générale geredet, weil die Investmentbanken gut zusammenpassen und es im Privatkundengeschäft wenig regionale Überlappungen gibt.

Aus einer Fusion käme derzeit eine im internationalen Vergleich relativ kleine Bank heraus. Alexandra Annecke, Fondsmanagerin Union Investment

Im Detail rechneten die Strategen der Frankfurter aber eine andere Variante durch: Als sich die Führungskräfte Mitte September im Hamburger Luxushotel „The Fontenay“ trafen, da ging es neben der Commerzbank auch um eine Fusion mit der Schweizer UBS. Für diese Kombination spricht vor allem, dass sich die Strategien ergänzen: Die UBS ist stark in der Vermögensverwaltung, und die Deutsche Bank hat den Fokus auf das Investmentbanking.

Die Zuneigung war nicht einseitig. Nach Informationen des Handelsblatts spielten auch die Strategieexperten der UBS eine Übernahme der Deutschen Bank durch. Dabei ging es auch um eine Verlagerung des Sitzes des Schweizer Geldhauses nach Deutschland, weil die eidgenössischen Aufseher keine noch größeren Banken in der kleinen Schweiz dulden würden.

Auch Zielkes Plan geht bislang nicht auf

Eine echte Chance hatte die Verlobung aber nie. Zu schwierig war den UBS-Chefs der deutsche Bankenmarkt, zu groß waren die Risiken in der Bilanz der Deutschen Bank. Gegen einen europäischen Deal spricht auch, dass die Deutsche Bank bei all diesen Kombinationen der Juniorpartner wäre, was gegen die Pläne der Bundesregierung für eine starke deutsche Großbank spricht.

Und die Commerzbank? Im höchsten Frankfurter Bankenturm sieht die Lage etwas, aber nicht viel besser aus als bei der Deutschen Bank, wie das beinahe genauso traurige Kurs-Buch-Verhältnis von 0,29 zeigt. Der nüchterne Stratege Zielke hat im Herbst 2016 bei der Verkündung seiner Strategie versprochen, das Geldhaus einfacher, effizienter und profitabler zu machen. Dabei setzt der 56-Jährige auf die Digitalisierung, den Abbau von 9600 Stellen und die Konzentration auf das Geschäft mit Privat- und Firmenkunden.

Doch auch sein Plan geht bislang nicht auf. Das Ziel, die Erträge bis 2020 auf knapp zehn Milliarden Euro zu steigern, hat der Manager bereits kassiert. Besonders weit hinkt das Firmenkundengeschäft den Erwartungen hinterher.

Er wäre einer Fusion mit der Deutschen Bank nicht abgeneigt. Illustration: Julius Brauckmann, Fotos: Marc-Steffen Unger/Euroforum, imago/Westend61 [M]

Commerzbank-Chef Martin Zielke

Er wäre einer Fusion mit der Deutschen Bank nicht abgeneigt.

Das liegt zum einen am brutalen Wettbewerb, zum anderen an hausgemachten Problemen: Die interne Zusammenlegung von Investmentbank und Mittelstandsbank führte zu Reibereien, und viele fürchten, dass sich die Bank selbst in der starken Position im deutschen Mittelstand geschwächt hat. Die Ergebnisse sprechen jedenfalls eine deutliche Sprache, in den ersten neun Monaten 2018 ist der operative Gewinn des Bereichs um 30 Prozent eingebrochen.

Im Privatkundengeschäft sieht die Lage etwas besser aus. Mit einem kostenlosen Girokonto und einem Begrüßungsgeld wirbt Zielke aggressiv um Klienten. Seit Herbst 2016 kletterte die Zahl der Kunden denn auch um über eine Million auf rund 13 Millionen.

Regelmäßige Treffen der CEOs

Aber kann der Vorstandschef diesen Zuwachs auch in Profite umwandeln? Die bereinigten Erträge sind in den ersten neun Monaten 2018 gestiegen – der operative Gewinn nicht. Unter dem Strich gehen Analysten davon aus, dass die Commerzbank im vergangenen Jahr einen Gewinn von 950 Millionen Euro eingefahren hat, genug, um eine Dividende von 20 Cent je Aktie auszuschütten.

Ist das Glas also halbvoll oder halbleer? Darüber wird auch intern heftig diskutiert. Einig ist sich ein Großteil der Belegschaft bei der Frage, was man nicht will: einen Zusammenschluss mit der verhassten Deutschen Bank. „Wir dürfen unseren Umbau nicht dadurch torpedieren, dass wir mit einer noch kränkeren Bank fusionieren“, warnt ein Commerzbank-Insider.

Eine Verschmelzung würde aus seiner Sicht nicht nur Tausende Stellen kosten, sondern auch mehr Probleme schaffen als lösen. Auch weil die Kulturen beider Banken in etwa so unterschiedlich sind wie die des FC Bayern und die von Borussia Dortmund.

Nichtsdestotrotz beschäftigt sich Zielke, der einst selbst für die Deutsche Bank arbeitete, intern sehr wohl mit Fusionsszenarien. Schon seit 2012 dachte das Topmanagement über Zusammenschlüsse auf europäischer Ebene nach. Auch weil immer wieder Zweifel aufkamen, ob die Bank groß genug ist, um auf Dauer allein bestehen zu können.

Bei der Strategiesitzung im firmeneigenen Tagungszentrum im Taunus in Glashütten im vergangenen Herbst spielten die Manager gleich mehrere Optionen durch: eine Fortentwicklung der Commerzbank aus eigener Kraft, eine Fusion mit der Deutschen Bank sowie ein Zusammengehen mit verschiedenen ausländischen Geldhäusern. Zielke selbst hielt sich bedeckt. Da aktuell zumindest offiziell niemand an die Commerzbank herangetreten ist, konzentriert er sich auf die Umsetzung seiner Strategie. „Das hat für uns absolute Priorität“, versprach er im Intranet der Bank.

Bereits 2014 gab es Fusionspläne

Grundsätzlich ist der groß gewachsene Manager mit der runden Hornbrille aber offen für einen Zusammenschluss, berichten mehrere mit dem Thema vertraute Personen. Und eine Fusion mit der Deutschen Bank wäre ihm lieber als ein ausländisches Geldhaus – auch aus politischen Gründen.

Ansehen der Geldhäuser: Das Image der Banken wird immer schlechter

Ansehen der Geldhäuser

Das Image der Banken wird immer schlechter

Zehn Jahre nach der Finanzkrise berichten die Medien weiterhin negativ über Kreditinstitute. Der Gründer der Analysefirma hält einige Banken für unverbesserlich.

Zielke glaubt nämlich, dass eine deutsche Großbankenfusion für die Bundesrepublik industriepolitisch vorteilhaft sein kann. Und er hätte dabei vermutlich auch mehr Einflussmöglichkeiten als bei einer Übernahme der Commerzbank durch ein ausländisches Geldhaus. Der Zeitpunkt ist zudem attraktiv. Das Beteiligungsverhältnis würde derzeit etwa ein Drittel zu zwei Drittel entsprechen. In den Jahren zuvor wäre die Commerzbank oft nur auf rund ein Viertel gekommen.

Die Fusionspläne sind eine Art Evergreen. Bereits 2014 hat Zielkes Vorgänger Martin Blessing beim damaligen Deutsche-Bank-Chef Anshu Jain angeklopft, stieß aber auf taube Ohren. 2016 standen die Banken beim sogenannten Sommerflirt bereits kurz vor der Verlobung, kamen dann aber doch zu dem Schluss, dass beide erst einmal ihre Aufräumarbeiten erledigen sollten.

Der Plan damals: In einer Holding wird auf der einen Seite das Privat- und das Unternehmensgeschäft beider Häuser gebündelt. Auf der anderen Seite stünde die Investmentbank. Zu den Unterstützern des Deals gehörte schon damals der Aufsichtsratschef der Deutschen Bank Achleitner.

Auch wenn die Aufräumarbeiten zumindest in der Deutschen Bank noch immer auf vollen Touren laufen, könnten der nicht mehr ganz so sanfte Druck aus Berlin und die faktische Macht der Märkte sich beschleunigen. Sewing und Zielke treffen sich regelmäßig, und wenn sie sich sehen, dann reden sie auch über einen möglichen Zusammenschluss, erzählen Insider. Aber sie würden sich nicht treffen, um über einen Deal zu sprechen. Denn offiziell gibt es keine Verhandlungen. Weder die Vorstände noch die Aufsichtsräte oder Arbeitsgruppen arbeiten derzeit an dem Projekt.

Italienische Staatsanleihen als Sorgenkind

Aber der Weg dahin ist lang und mit Risiken behaftet. Das beginnt schon bei der Finanzierung: Denn Sparen ist erst einmal teuer. Die Integration der IT-Systeme kostet Geld. Die Gewerkschaften lehnen die Fusion ab und werden dafür sorgen, dass Entlassungen nicht ohne Abfindungen über die Bühne gehen.

Außerdem müsste die Commerzbank nach aktueller Rechtslage die stillen Lasten, die in ihrer Bilanz schlummern, offenlegen. Den Deutschbankern bereiten vor allem die rund acht Milliarden Euro an italienischen Staatsanleihen in den Büchern des potenziellen Partners Sorgen.

Sollte die Deutsche Bank die Gelegenheit nutzen, um ihr Investmentbanking gesundzuschrumpfen, wäre auch das teuer. In Davos erzählt ein europäischer Topbanker, dass er dem deutschen Finanzministerium schon vor drei Jahren gesagt habe, die Deutsche Bank müsse ihre Investmentbank halbieren. Aber ein solcher Plan würde die Fusionskosten auf zehn bis 15 Milliarden Euro steigern.

Hinzu kommt, dass Aufseher von besonders großen Banken auch besonders große Eigenkapitalpuffer verlangen. Schon heute sind die Anforderungen für die Deutsche Bank hoch – und sie würden durch eine Fusion weiter steigen. Analysten schätzen den nötigen Kapitalbedarf auf drei bis neun Milliarden Euro.

Das ist viel Geld – und ein Erfolg ist keineswegs gewiss. Im Privatkundengeschäft wäre selbst eine Kombination von Deutscher Bank und Commerzbank noch kein Riese: Auf gerade einmal elf Prozent taxiert Morgan Stanley den gemeinsamen Marktanteil. Und im Firmengeschäft droht die Abwanderung von Kunden, weil viele Unternehmen, um Risiken und Abhängigkeiten zu vermeiden, ihr Geschäft gern auf mehrere Banken verteilen. Analyst Graham befürchtet, das könne beide Häuser etwa 18 Prozent der Erträge kosten.

Deutsche Bankenfusionen haben selten Wert geschaffen

Außerdem hat die Deutsche Bank noch alle Hände voll mit der Integration der Postbank zu tun, die sich bis 2022 hinziehen wird. „Es dürfte kaum möglich sein, drei Banken gleichzeitig zu integrieren“, warnt Fondsmanagerin Alexandra Annecke von Union Investment, einem der größten deutschen Investoren.

Ihr ernüchterndes Fazit: „Aus einer Fusion käme derzeit auch nur eine im internationalen Vergleich relativ kleine Bank heraus – mit einer nach wie vor recht geringen Profitabilität und einem Berg an unerledigten Problemen aus der Vergangenheit.“ Großinvestoren wie das Scheichtum Katar und der US-Fonds Cerberus galten bislang ebenfalls nicht gerade als Unterstützer eines schnellen Zusammenschlusses.

Die Vergangenheit gibt den Skeptikern recht. Deutsche Bankenfusionen haben selten Wert für die Aktionäre geschaffen. Für die Übernahme der Postbank durch die Deutsche Bank gilt das ebenso wie für den Kauf der Dresdner Bank durch die Commerzbank.

Aber wird das Finanzminister Scholz und seinen Staatssekretär Kukies beeindrucken? Immerhin würde durch die Bankenehe ihr großes Ziel erfüllt, eine große internationale Bank mit Sitz in Deutschland zu etablieren. Ihr Vorhaben erinnert an den Spruch des Aphoristikers Georg von Lichtenberg: „Ob es besser wird, wenn es anders wird, weiß ich nicht. Dass es anders werden muss, wenn es besser werden soll, ist gewiss.“

Kommentare (3)

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Herr Lothar Bitschnau

25.01.2019, 10:20 Uhr

Des Pudels Kern
HB: Am 8.11.2017: Deutsche-Bank-Chef will mit weniger Personal auskommen
„Wir beschäftigen derzeit 97.000 Menschen“, sagte John Cryan der „Financial Times“.
„Die meisten Großbanken kommen mit der Hälfte an Angestellten aus.“
Hr. Cryan brachte das wirkliche Problem der Deutschen Bank auf den Punkt und musste dafür gehen, weil es für mindestens den halben Aufsichtsrat (Betriebsräte) ein Affront darstellte, ein Tabubruch. Nur vier Monate nach dieser Aussage wurde der vom Aufsichtsrat verlangte Rücktritt von Cryan öffentlich. Für mich war er nicht erfolglos, sondern sein Weg der Sanierung wurde verhindert.

Das Alte geht, das Neue kommt.
Ackermanns Baustellen in wenigen Jahren zu sanieren ist eine Herkulesaufgabe. Alle Anläufe, über Wachstum und höhere Erträge die Personalkosten zu kompensieren haben unter neuen Bedingungen bisher versagt. Zudem schreitet in der Finanzwirtschaft eine digitale Transformation voran, entweder mit oder ohne Deutsche Bank und erfordert Wandel.

Anstand und Aktienkultur
Sollte die Bank ein weiteres Mal auf die alte Idee einer Kapitalerhöhung zurückgreifen, wäre dies ein weiterer „Betrug“ an den Altaktionären durch eine weitere nutzlose und nachteilige Verwässerung der Anteile. Es passte zum Fabulieren um den Kulturwandel und hätte nichts mit einem anständigen Unternehmen zu tun. Beim heutigen Kurs-Buchwert-Verhältnis würde sich die Bank damit verschenken.

Herr Stefan Urban

25.01.2019, 13:19 Uhr

DB und CoBa zu fusionieren halte ich für die Atombombe in Deutschlands Bankensektor. Denn was soll das insgesamt bringen, wenn zwei Riesen,die aktuell ohne jede klare Strategie darstehen, fusionieren? Das Chaos, welches in beiden Häusern aktuell besteht, würde nur noch größer werden, interne Machtkämpfe wachsen und das ohnehin schon gebeutelte Personal, noch weiter verunsichert und demotiviert.

Die Krise bei der Deutschen Bank lässt sich nur lösen, wenn endlich mal eine klare Strategie für die Gesamtbank auf den Tisch kommt und umgesetzt wird, Dafür wird das Top-Management doch bezahlt, oder etwa nicht? Das Geschäftsmodell globale Universalbank ist aus meiner Sicht absolut tot und man sollte die Bank möglichst schnell in Investmentbank und Privat-und Geschäftskundenbank trennen. Außerdem muss dringend eine echte IT-Strategie her und die Systemlandschaft bereinigt werden. Keine Bank der Welt braucht mehr als 400 FO-Systeme, über 16.000 Applikationen usw. Vielleicht wäre es sogar am besten, man würde die IB teilweise abwickeln und sich aus einigen Regionen dieser Welt stärker zurück ziehen. Das verringert natürlich die Umsätze schlagartig, aber auch die Kosten und die Umsatzschwankungen.

Aber bitte fangt endlich an eine echte und klare Strategie zu definieren, denn sonst kann selbst ein Riese wie die Deutsche Bank umfallen. Und das kann nun wirklich keiner wollen. Am wenigsten unsere aktuelle Regierung.

Herr Andre Peter

25.01.2019, 14:23 Uhr

Die Deutsche Bank und auch die Commerzbank haben sich in der Finanzkrise 2007-2008 korrekt verhalten und kaum Risiken der amerikanischen Schrottpapiere in den Büchern. Die Landesbanken hatten sich wegendiesen Schrottpapieren jahrelang über schöne (Buch-) Gewinne gefreut und die Risiken ignoriert. Die Folgen für die Landesbanken sind bekannt! Die Aufsichtsräte jener Banken sind Politiker, die i.d.R. keine Ahnung von Bankgeschäften und Risiken haben.
Was geschah in der Zeit danach:
ALLE Banken werden massiv reguliert und in ihrem Geschäftsmodell eingeschränkt und müssen zudem die extrem hohen Kosten der Regulierung tragen.
Die Leidtragenden sind die Deutsche Bank und die Commerzbank.
UND NUN KOMMT EIN POLITIKER WIE SCHOLZ UND VERLANGT IRGENDWELCHE UNVERSTÄNDLICHEN STRATEGISCHEN ENTSCHEIDUNGEN?
Als die Politik Druck auf die Commerzbank machte die Dresdener Bank zu übernehmen, war klar kurz darauf die Commerzbank vor dem Zusammenbruch: Sie hatte die Risiken der Dresdner Bank übernommen, die sich mit griechischen Staatsanleihen "verspekuliert" hatte. Aussage der Regierung damals war zwar, dass griechische Anleihen sicher seien, war aber nicht so.
WER DER POLITIK VERTRAUT, SOLLTE SICH IM KLAREN SEIN, DASS DORT RELATIV UNBEGABTE MENSCHEN ZU FINDEN SIND.
Diese unbegabten Menschen schotten sich zudem von Begabung ab: Siehe AKK Wahl und die Nikolaus-Party Jens Spahns. Dort durfte AKK reden, AKK wurde gewählt, Freund von Spahn wurde Vize.... das sagt eigentlich alles.

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