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28.02.2019

17:34

Finanzgruppe

Deutschlands Sparkassen sind uneins über ihre Super-Landesbank

Von: Elisabeth Atzler, Frank Matthias Drost, Andreas Kröner

Sparkassenpräsident Helmut Schleweis bekommt Rückendeckung für seinen Plan aus Frankfurt und Hannover. Die LBBW will sich indes nicht beteiligen.

Die NordLB, die auf eine Bilanzsumme von 155 Milliarden Euro kommt, soll erheblich verkleinert werden. dpa

NordLB-Gebäude

Die NordLB, die auf eine Bilanzsumme von 155 Milliarden Euro kommt, soll erheblich verkleinert werden.

Frankfurt, Hannover, StuttgartHelmut Schleweis kann sich über wachsende Rückendeckung aus dem Sparkassen-Lager freuen: Die Regionalverbände aus Niedersachsen, Hessen sowie Thüringen signalisierten am Donnerstag Unterstützung für das Vorhaben einer Super-Landesbank, das der deutsche Sparkassenpräsident Schleweis seit vergangenem Jahr verfolgt.

„Wir würden uns konstruktiv damit auseinandersetzen“, sagte der Präsident des Sparkassenverbandes Hessen-Thüringen, Gerhard Grandke. Auch der Präsident der niedersächsischen Sparkassen, Thomas Mang, wirbt für eine Konsolidierung unter Landesbanken: „Wir unterstützen den Vorstoß von Helmut Schleweis.“

Zuvor hatten bereits die Sparkassen in Ostdeutschland sowie in Westfalen Zustimmung zum Plan einer einzigen Landesbank gezeigt. Aus Baden-Württemberg allerdings kommt Gegenwind: Aus Sicht der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) spricht derzeit nichts dafür, sich an einer Super-Landesbank zu beteiligen. Er sehe kein wirkliches Argument, „warum das im Interesse der Träger dieser Bank sein sollte“, sagte Vorstandschef Rainer Neske.

Skeptisch hatte sich bereits der Sparkassenverband in Stuttgart gezeigt, der wie das Land Baden-Württemberg und die Stadt Stuttgart Anteile an der LBBW hält. Auch aus Bayern kommt Ablehnung. Der Freistaat ist Haupteigner der BayernLB. Die Zahl der Landesbanken ist zwar bereits gesunken, aber meist im Zuge von Krisensituationen. Schleweis wünscht sich eine einzige „Sparkassenzentralbank“ für den gesamten öffentlich-rechtlichen Sektor.

Auch hier sollte die durch Schiffskredite verschuldete NordLB der Startpunkt sein. So hatte Schleweis im vergangenen Jahr vorgeschlagen, dass sich in einem ersten Schritt die NordLB und Helaba (Landesbank Hessen-Thüringen) zusammentun. Anschließend sollte das fusionierte Institut dann mit der LBBW, dem Fondsdienstleister Dekabank und dem Immobilienfinanzierer BerlinHyp verschmelzen.

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Eine Konsolidierung der Sparkassen wäre langfristig sinnvoll. Doch zuvor muss der erste Schritt erfolgen. Die Initiative der Sparkassen ist gefragt.

Allerdings scheiterten kurz vor Weihnachten Fusionsgespräche zwischen NordLB und Helaba, an der die Sparkassen aus Hessen und Thüringen die Mehrheit halten. Die NordLB wird nun durch das Land Niedersachsen und die Sparkassen-Finanzgruppe gerettet. Die Auffanglösung sieht eine Kapitalspritze von rund 3,5 Milliarden Euro vor, davon sollen gut 1,1 Milliarden Euro von Sparkassen und Landesbanken kommen.

Dass bei der NordLB-Rettung die gesamte Sparkassen-Finanzgruppe an Bord ist, gilt als Chance, auf diesem Wege die Konsolidierung voranzutreiben. „Wir sind Realisten bei der Frage der Umsetzbarkeit. Aber wir glauben, dass es strukturelle Veränderungen des Landesbankensektors in den nächsten Jahren geben wird“, sagte Mang. Ob zum Schluss nur ein Institut übrig bleiben werde, sei eine andere Frage.

Ähnlich hat sich bereits ein anderer wichtiger Player geäußert: der Mehrheitseigner. Die NordLB stehe für eine Konsolidierung des Landesbankensektors zur Verfügung, betonte unlängst der niedersächsische Finanzminister und NordLB-Aufsichtsratschef Reinhold Hilbers (CDU). Von einer Filetierung des Instituts will er aber nichts wissen.

Die NordLB, die auf eine Bilanzsumme von 155 Milliarden Euro kommt, soll erheblich verkleinert werden. Mang ließ durchblicken, dass bereits in den nächsten Wochen Teilfunktionen der NordLB an andere Landesbanken abgegeben werden könnten. Für ihn persönlich mache es Sinn, wenn auch die Immobilientochter Deutsche Hypo aus der NordLB ausgegliedert werde.

Ein Geschäft, das die LBBW interessieren könnte: Sollten die Deutsche Hypo oder andere Bankgeschäfte zum Verkauf stehen, werde die LBBW sich das anschauen, so Neske.

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Mit 320 Millionen Euro beteiligen sich die niedersächsischen Sparkassen an der Rettung der NordLB. Außerdem soll die Deutsche Hypo aus der Landesbank herausgelöst werden.

Wie genau eine weitere Konsolidierung in Gang kommen könnte, ist indes unklar. Grandke würde sich auch gegen eine kleine Lösung nicht sperren. Schleweis müsse liefern, „und dann sind wir mit dabei“, sagte er. Man erwarte, dass der Sparkassenpräsident die Institute Deka und Berlin Hyp ins Schaufenster stelle, so Grandke. Und was im Schaufenster stehe, schaue man sich an.

Teure NordLB-Rettung

Entscheidend wird für die öffentlich-rechtliche Finanzgruppe allerdings zunächst sein, ob die EU-Kommission die Auffanglösung für die NordLB als Beihilfe wertet und den Deal nur unter Auflagen gutheißt. „Die aktuelle Lage um die NordLB ist nicht nur für Niedersachsen eine Herausforderung, sondern für die gesamte deutsche Sparkassen-Finanzgruppe“, sagte Mang. Kommende Woche soll der Geschäftsplan für die Landesbank der Aufsicht vorgelegt werden.

Klar ist bereits, dass die NordLB-Beteiligung für die niedersächsischen Sparkassen, die 26 Prozent daran halten, ein finanzielles Desaster ist. Die Belastungen summieren sich auf 1,5 Milliarden Euro, wobei sich die Abschreibungen auf die NordLB-Beteiligung in den vergangenen Jahren auf 1,2 Milliarden Euro belaufen, 320 Millionen entfallen auf Kapitalmaßnahmen.

Die Sparkassen in Hessen und Thüringen müssen knapp 38 Millionen Euro stemmen, die Helaba 60 Millionen Euro. Die LBBW muss rund 80 Millionen Euro berappen. Mit der Entwicklung der LBBW im abgelaufenen Jahr ist Neske zufrieden. Der Vorsteuergewinn stieg um gut acht Prozent auf 558 Millionen Euro.

Und im laufenden Jahr rechnet der Vorstandschef mit einem weiteren Anstieg des Ergebnisses. Neske betonte, dass Konsolidierung per se keine Erfolgsgarantie sei. Man müsse sich dem Thema mit Augenmaß und „kühlem Herzen“ nähern und analysieren, wie das Geschäftsmodell einer fusionierten Bank aussehen könne. Letztlich müssten die Eigentümer entscheiden.

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