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13.06.2018

17:54 Uhr

Fintech-Ökosystem

Warum Frankfurter Start-ups globaler denken müssen

VonKatharina Schneider

Vom Status eines führenden Fintech-Hubs ist Frankfurt noch weit entfernt. Neben Gründergeist fehlt es auch an internationalen Kunden. Das will Hessens Wirtschaftsminister ändern.

Unternehmen, die in der Region starten, brauchen auch internationale Kunden. dpa

Frankfurt bei Nacht

Unternehmen, die in der Region starten, brauchen auch internationale Kunden.

FrankfurtGerade mal vier Monate ist es her, dass Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir ein ambitioniertes Ziel verkündet hat: Bis Ende 2022 soll die Region Frankfurt-Rhein-Main zum „führenden Fintech-Hub in Kontinentaleuropa“ und zur „international anerkannten Tech-Region“ ausgebaut werden.

Dann sollen 1000 Start-ups in der Region ansässig sein, die Hälfte davon Finanztechnologie-Start-ups. Am Mittwoch bekräftigte der Minister dieses Vorhaben nochmal. „Das war kein Marketing-Gag, das haben wir ernst gemeint“, sagte er im TechQuartier, dem Frankfurter Startup-Zentrum mit Schwerpunkt auf Fintechs. Wie ehrgeizig das Ziel tatsächlich ist, zeigt eine aktuelle Studie von Startup Genome.

Die Initiative zur Förderung des Standorts wird vom Land Hessen sowie von Vertretern aus Wirtschaft und Wissenschaft getrieben. Einen Masterplan mit 20 Maßnahmen hatten die Geschäftsführer des TechQuartiers bereits im Februar vorgestellt – angefangen mit der Talentschmiede über die Förderung von Kooperationen bis hin zur Unterstützung bei der Finanzierung und Werbung.

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Neben der anvisierten Zahl der Start-ups erscheint auch das angepeilte Finanzierungsvolumen enorm. Insgesamt sollen in fünf Jahren stolze 1,25 Milliarden Euro zusammenkommen. Von der Beteiligungsgesellschaft Hessen Kapital III sollen zunächst 33,5 Millionen Euro kommen.

Im Vergleich mit anderen Startup-Ökosystemen hinkt Frankfurt bisher in vielen Punkten hinterher. Das zeigt auch die gerade veröffentlichte Studie „Frankfurt Startup-Ökosystem Report“ der Beratungsgesellschaft Start-up Genome. Aktuell seien in der Region erst knapp 400 Tech-Start-ups aktiv, sagte Gründer und Geschäftsführer JF Gauthier. Das Wachstum müsse deshalb oberste Priorität haben. Immerhin, Potenzial gebe es noch genug: Auf 1000 Einwohner kommen in der Region gerade mal 60 Start-ups.

In Berlin dagegen sind es mehr als fünf Mal so viele und in Tel Aviv elf Mal so viele. Seine Zielvorgabe: Die Zahl der Start-ups in der Region müsse verdreifacht werden. Dafür müsse etwa der „Gründergeist“ an den Hochschulen gefördert werden.

Positiv hob der Berater hervor, dass es in der Frankfurter Start-up-Szene einen guten Sinn für Gemeinschaft gebe und die Jungunternehmer einander helfen. Zudem sei die durchschnittliche Frühphasenfinanzierung zuletzt gestiegen und es konnten internationale Investoren gewonnen werden.

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Doch es gibt auch gravierende Schwächen: So würden sich die hiesigen Start-ups oft noch zu stark auf den deutschen oder europäischen Markt konzentrieren. „Um richtig erfolgreich zu sein, müssen sich Start-ups von Anfang an global aufstellen“, sagte Gauthier. Schnelles Wachstum sei sonst nicht möglich und ein Einhorn, also ein Unternehmen, das mit mehr als einer Milliarde Dollar bewertet wird, könne mit lokalem Fokus nicht entstehen.

Hier liege Frankfurt weit hinter anderen Ökosystemen wie Berlin oder Stockholm zurück. Wie eine globale Strategie funktioniert, zeigen etwa Unternehmen wie die Berliner Smartphone-Bank N26 oder der schwedische Zahlungsdienstleister Adyen. Bei der globalen Ausrichtung müssten das TechQuartier und andere Initiativen helfen.

Weiteren Verbesserungsbedarf sieht Gauthier auch hinsichtlich Startup-Gründungen von Einwanderern sowie bei der Finanzierung der jungen Unternehmen. Es müsse gelingen, noch mehr Investorengelder in die Region zu holen.

Von der Idee, eine andere Stadt kopieren zu wollen, rät er jedoch ab. „Frankfurt wird gegenüber Berlin vermutlich niemals aufholen, aber das ist auch nicht schlimm“, so Gauthier. Es gehe schließlich nicht darum, dass die Regionen gleich stark sind, sondern dass jede Region für sich genommen wachse. Wenn Gründer nach Frankfurt geholt würden, könnten sie das dortige Ökosystem stärken und neue Arbeitsplätze schaffen.

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Frankfurt sei ein vielversprechendes Ökosystem, aber es gebe noch Verbesserungsbedarf, folgerte auch Thomas Funke, Co-Geschäftsführer des TechQuartiers. „Wir haben die qualifizierten Talente, wir verfügen über ein sehr tiefes Branchenwissen in bestimmten Teilbereichen und wir haben die globale Reichweite“, sagte er am Mittwoch. „Was fehlt, ist ein stärkerer Impuls, zukünftigen Gründern zu helfen durchzustarten und sie in jeder Phase zu unterstützen.“

Hilfe dabei will ab sofort auch Visa leisten, das Kreditkartenunternehmen ist nun Gold-Sponsor des TechQuartiers. Mit seinem Fintech-Programm will Visa für junge Unternehmen den Zugang zu seinem weltweiten Netzwerk vereinfachen und beschleunigen. Auch von dem europäischen Visa-Investitionsprogramm im Wert von 100 Millionen Dollar könnten Frankfurter Fintechs profitieren.

Für mehr Aufmerksamkeit für die Region soll außerdem die gerade gestartete Internet-Plattform Techobserver.org sorgen. Sie soll angehenden Gründern sowie Investoren umfangreiche Informationen über die Startup-Szene in Frankfurt und der Region liefern und Erfolgsgeschichten dort ansässiger Unternehmen präsentieren.

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