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05.03.2019

18:18

Fintechs

Die Finanz-Start-ups Figo und Finreach fusionieren

Von: Frank Drost, Katharina Schneider

Zwei Pioniere der modernen Finanzdienstleistungen schließen sich zusammen. Die Fintechs gehen gemeinsam unter das Dach der Finleap-Gesellschaft.

Das von ihm geleitete Technologieunternehmen Figo soll künftig Teil von Finreach Solutions sein. figo

André M. Bajorat

Das von ihm geleitete Technologieunternehmen Figo soll künftig Teil von Finreach Solutions sein.

Berlin, FrankfurtDas Fusionsrad in der deutschen Finanztechnologiebranche dreht sich immer schneller. Nach mehreren Zusammenschlüssen im Privatkundengeschäft tun sich jetzt zwei der größten Fintechs zusammen, die sich mit ihrem Angebot vor allem an Banken und andere Finanzdienstleister richten: Das Hamburger Start-up Figo schlüpft unter das Dach der Berliner Fintech-Plattform Finleap.

Die von André M. Bajorat, einem der bekanntesten deutschen Fintech-Gründer, geleitete Figo soll künftig Teil eines größeren Unternehmens werden: Dazu wird das junge Technologieunternehmen mit der zu Finleap gehörenden Finreach Solutions verschmolzen. Mit geeinten Kräften wollen die beiden Firmen eine internationale Plattform aufbauen.

Für den Geschäftsführer von Finreach Solutions, Markus Dränert, hat sich die Verbindung geradezu aufgedrängt: „Wir sind als Kontowechselspezialist gestartet, wollen unsere Produktpalette ausbauen und europaweit weiterwachsen.

Figo bietet die technologische Plattform, die skalierungs- und internationalisierungsfähig ist“, sagte er dem Handelsblatt. Dränert ist designierter Chef des fusionierten Unternehmens. Der bisherige Figo-Chef Bajorat soll in den Beirat wechseln und das Team von Finleap verstärken.

Beide Firmen profitieren von der zweiten EU-Zahlungsdiensterichtlinie (PSD2), die seit Januar 2018 in nationales Recht umgesetzt worden ist und ihre volle Kraft Mitte September entfalten wird.

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Ab dann dürfen Unternehmen nur noch über spezielle Schnittstellen auf Bankkonten zugreifen. Und sie brauchen dafür eine Erlaubnis der Finanzaufsicht Bafin. Figo hatte sich zunächst auf Datenschnittstellen zu Bankkonten konzentriert, während Finreach Produkte auf Basis von Kontodaten entwickelt.

Noch vor zwei Jahren hatte Bajorat die PSD2 und den daraus entstehenden Bedarf für neue Datenschnittstellen als Segen für sein Unternehmen bezeichnet. „Rückblickend gesehen war ich damals wohl etwas zu euphorisch in Bezug auf die Nutzung durch die Kunden“, räumt Bajorat heute ein. „Allein die Infrastruktur für den Datenaustausch bereitzustellen reicht in Zukunft nicht mehr, wir müssen unseren Kunden zusätzliche Funktionen bieten, damit sie mit den Daten direkt ein Geschäftsmodell aufbauen können.“ 

Eine perfekte Ergänzung

Finreach sei der ideale Partner, weil man sich perfekt ergänze und es kaum Überschneidungen gebe. „Wir wollten uns beide zu einem umfassenderen Serviceanbieter weiterentwickeln“, so Bajorat. „Indem wir unsere Angebote kombinieren, können wird das deutlich schneller erreichen.“

Mit ähnlichen Argumenten hatten 2018 auch die digitalen Vermögensverwalter Vaamo aus Frankfurt und der britische Wettbewerber Moneyfarm ihre Fusion begründet – man wolle von den Stärken des anderen profitieren und gemeinsam expandieren. Bereits 2017 übernahm der Technologieanbieter Deposit Solutions die Zinsplattform Savedo. Auch dabei wurden Kräfte gebündelt.

Der Konsolidierungsdruck in der Fintech-Branche werde sich noch verstärken, sagt Nils Beier, Geschäftsführer Finanzdienstleistungen bei Accenture Strategy. Da nicht jedes Fintech zu 100 Prozent innovativ sei, gehe es darum, Skaleneffekte zu heben. Gerade Fintechs, die im Payment-Bereich unterwegs seien, stünden unter enormem Wettbewerbsdruck – weshalb es dort zuletzt gleich mehrere Fusionen gegeben hat.

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Auf der einen Seite profitieren Payment-Fintechs laut Beier von den neuen Regeln im Zahlungsverkehr. Zugleich übe die Regulatorik aber auch großen Druck auf Fintechs aus.

Figo wollte eigentlich von genau diesem Druck profitieren. Als Alleinstellungsmerkmal hatte das Start-up seit August 2018 als erstes Unternehmen in Deutschland die Bafin-Erlaubnis als Kontoinformations- und Zahlungsauslösedienst.

Für Unternehmen, die den Aufwand einer eigenen Bafin-Erlaubnis scheuten, bot Figo ebenfalls als Erster sein sogenanntes „Regshield“ an. Damit können andere Unternehmen ohne eigene Lizenz weiterhin Kontodaten nutzen. „Wir hatten gehofft, von diesem Wettbewerbsvorteil deutlich stärker profitieren zu können, aber gegen Unternehmen, die sich nicht an die Regeln gehalten haben, wurde erst spät vorgegangen“, sagt Bajorat.

Schnell fand das Geschäftsmodell zudem Nachahmer: Beim Start-up Fintecsystem heißt das Angebot „License as a Service“ und bei FinAPI, die im vergangenen Jahr von der Schufa übernommen wurden, „FinAPI PSD2-Lizenz“.

Finreach und Figo wollen sich im Zusammenschluss weniger als bisher auf Banken als Kunden fokussieren. „Wir erweitern unsere Kundenzielgruppe über Banken hinaus und wenden uns zukünftig an Unternehmen unterschiedlicher Branchen, die eine breite Endkundenbasis haben“, erläutert Dränert. Das können beispielsweise Versicherer, Vergleichsportale oder Einzelhändler sein.

Die Vision sei, dass Endverbraucher mit einem Klick ihr finanzielles Potenzial erschließen können. „Der Kunde soll in einem weiteren Schritt automatisiert Empfehlungen bekommen, wo er Geld bei seinen Verträgen sparen kann, wie er seine Sparziele erreichen oder seine Versorgungslücke schließen kann, oder Hinweise erhalten, wenn sein Risikomix in der Geldanlage nicht stimmig ist“, sagt Dränert.

Neue Firmenphilosophie

Finleap wird im Zuge des Zusammenschlusses als Lead Investor einen hohen siebenstelligen Betrag zur Finanzierung des weiteren Wachstums investieren, hieß es. Die Finanzierung dürfte nicht schwerfallen. Denn erst im November 2018 hat Finleap mehr als 40 Millionen Euro von Investoren erhalten.

Figo-Anteilseigner wie Deutsche Börse und Berliner Volksbank sollen bei dem fusionierten Unternehmen an Bord bleiben, aber sich an der laufenden Finanzierung nicht beteiligen, hieß es. Damit dürfte Finleap größter Anteilseigner des fusionierten Unternehmens werden, das noch defizitär ist.

Dass Figo allein 2017 einen Verlust in Höhe von rund 4,5 Millionen Euro machte, sieht Bajorat indes nicht als Signal für eine Schieflage in seinem Unternehmen. „Wir sind ein Wachstumsunternehmen und hatten 2017 hohe Ausgaben für die Vorbereitung unserer Bafin-Erlaubnis.“

Richtig sei aber, dass Figo neues Kapital brauchte: „Wir waren von Anfang an offen für einen Finanzinvestor sowie für einen strategischen Partner“, so Bajorat. „Die Fusion mit Finreach ist aus meiner Sicht die beste Lösung.“ Die beiden Standorte in Berlin und Hamburg mit ihren 90 Mitarbeitern sollen erhalten bleiben.

Für die Finreach-Muttergesellschaft Finleap bedeuten die Fusion und die geplante Investition eine Abkehr von der bisherigen Philosophie. Bisher betätigte sich Finleap als eine Art Geburtshelfer für junge Fintech-Firmen. Die Plattform gründete Unternehmen und stattete diese mit Kapital zwischen 0,5 Millionen und fünf Millionen Euro aus. Gelingt der Start, werden Co-Investoren gesucht.

Die Unternehmen sollen möglichst schnell Umsatz generieren und Marktanteile gewinnen. Auf diese Art hat Finleap schon rund 16 Unternehmen auf den Markt gebracht, darunter Schwergewichte wie die Solarisbank, den Versicherungsmakler Clark, den Sachversicherer Element und die digitale Plattform für den Vermögensverwalter Elinvar.

Figo wird wohl keine Ausnahme bleiben, bestätigt Ramin Niroumand, Gründer und Geschäftsführer von Finleap. „Der Markt konsolidiert sich, und ein anorganisches Wachstum gehört für uns in Zukunft dazu“, sagte er dem Handelsblatt. So hatte Clark kürzlich die zweite Übernahme eines Versicherungsmaklers bekanntgegeben.

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