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09.04.2019

18:05

Französische Großbank

Société Générale will weltweit 1.600 Jobs streichen

Die Stellenstreichungen bei der Großbank trifft besonders das Investmentbanking. Die Investmentsparte soll so wieder rentabler gemacht werden.

Um Arbeitsplätze abzubauen, sollen Geschäftsaktivitäten eingestellt oder aus den USA nach Paris verlagert werden. Reuters

Société Générale

Um Arbeitsplätze abzubauen, sollen Geschäftsaktivitäten eingestellt oder aus den USA nach Paris verlagert werden.

ParisBöses Omen für die Deutsche Bank und andere Geldinstitute: Die französische Großbank Société Générale hat eine umfangreiche Neuorganisation der Teams und Aktivitäten der Investmentbank angekündigt. Laut Gewerkschaften, die von der Bank informiert wurden, sind umfangreiche Jobkürzungen geplant, die zum großen Teil die Banque de Financement et d’Investissement (BFI) – die Investment- und Firmenkundensparte der Bank – betreffen.

Es sollen 1.600 Jobs weltweit wegfallen, davon rund 750 in Frankreich und Hunderte von Jobs in London und New York. Rund 1.200 betreffen die Investmentbank, davon etwa 500 in Frankreich. Die Bank bestätigte die Informationen. Die BFI hat etwa 18.000 Angestellte weltweit, die Société Générale insgesamt 149.000.

Um Arbeitsplätze abzubauen, sollen Geschäftsaktivitäten eingestellt oder aus den USA nach Paris verlagert werden. Auch das Privatkundengeschäft wird laut Gewerkschaftsangaben betroffen sein, allerdings in geringerem Umfang. „Zwangsentlassungen“ schloss die Bank aus. Sie setzt stattdessen auf freiwillige Kündigungsvereinbarungen.

Ziel der Sparmaßnahmen sei es, die Investmentsparte wieder rentabler zu machen: Die BFI solle ihre Kapitalkosten wieder verdienen, sagte Severin Cabannes, der das Firmenkunden- und Investmentbanking-Geschäft leitet und zugleich Vizechef der Bank ist. Im Rahmen des Konzernumbaus wird die Société Générale aus Aktivitäten wie dem Eigenhandel komplett aussteigen.

Andere wie der Rohstoff- und der Anleihehandel sollen verkleinert werden. Von einigen Kunden, die nicht genügend Erträge abwerfen, werde sich die Bank trennen, kündigte Cabannes an. Durch den Konzernumbau will die Bank zehn Milliarden Euro an Kapital freisetzen. Nach einem Gewinneinbruch im vierten Quartal des vergangenen Jahres hatte Frankreichs drittgrößte Bank im Februar ihre Mittelfristziele eingedampft und Einsparungen von 500 Millionen Euro angekündigt.

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Aktienkurs legt zu

Nach Ankündigung des Sparprogramms stieg die Aktie der Société Générale zeitweise um rund 1,5 Prozent. Seit einem Jahr ist der Kurs des Papiers allerdings um fast 40 Prozent gefallen, innerhalb von sechs Monaten um 25 Prozent, seit drei Monaten um rund sechs Prozent. Experten sehen die Bank nun im Aufwind und prognostizieren einen Kursanstieg von 20 Prozent innerhalb von drei Monaten.

Schon seit einigen Wochen wird in den Teams der Investmentbank mit einem solchen Schritt gerechnet. Wie die Bedingungen für die Angestellten aussehen, die die Bank verlassen, ist laut französischen Medien bereits bekannt. Sie erhalten ein Monatsgehalt pro Halbjahr der Betriebszugehörigkeit. Wer länger als 20 Jahre dabei war, bekommt Zuschläge auf die letzten zwei Jahre, was für französische Verhältnisse sehr großzügig wäre.

Die Entlassungen folgen dem Strategieplan für die Jahre 2015 bis 2020. Insgesamt sollten in diesem Zeitraum 3.500 Stellen wegfallen, 500 Filialen geschlossen werden. Das Privatkundengeschäft war bereits in den vergangenen Jahren stark gestutzt worden: Im November 2017 hatte die Société Générale einen Abbauplan von 900 Stellen angekündigt, 2016 wurde ein weiteres Abbauprogramm von 2.550 Stellen in Angriff genommen.

Die Gewerkschaften erklärten, es sei der „zwölfte Sparplan unter Oudéa“. Frédéric Oudéa leitet die Bank seit 2008. Mit ihren Problemen im Investmentbanking steht die Société Générale nicht allein da. Auch für die Rivalen bleibt das wirtschaftliche Umfeld 2019 herausfordernd. Die UBS Group bezeichnete das erste Quartal dieses Jahres bereits als eines der schwierigsten seit Jahren.

Auch die große französische Konkurrentin BNP Paribas erwartet keine leichten Zeiten für Investmentbanken. Sie hat ebenfalls entschieden, ihre Investmentbank neu zu strukturieren. In einem ersten Schritt sollen unrentable Aktivitäten identifiziert werden.

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