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21.09.2017

09:08 Uhr

Fusionsgerüchte

Wer kauft die Commerzbank?

Die Liste der Interessenten für die Commerzbank wächst: Neben der italienischen Unicredit gilt auch die französische BNP Paribas als Kandidat. Laut Medienbericht hat die Bundesregierung einen klaren Favoriten.

Pressebericht sorgt für Aufsehen

Commerzbank: Bund plädiert für Fusion mit BNP Paribas

Pressebericht sorgt für Aufsehen: Commerzbank: Bund plädiert für Fusion mit BNP Paribas

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FrankfurtEin zeitnaher Ausstieg des Bundes bei der Commerzbank gilt einem Magazinbericht zufolge als zunehmend realistisch. Die Bundesregierung favorisiere einen Zusammenschluss des Frankfurter Geldhauses mit der französischen BNP Paribas, berichtete die „Wirtschaftswoche“ am Donnerstag. Ein starkes deutsch-französisches Institut könnte auch ein Signal für eine Vertiefung der europäischen Bankenunion sein, erfuhr das Magazin aus Finanz- und Politikkreisen.

Berater einer Investmentbank analysierten bereits unverbindlich, ob es einen Markt für die Staatsbeteiligung gebe. Die Verkaufsüberlegungen seien aber in einem frühen Stadium, erst im November könnte das Vorgehen mit dem Vorstand der Commerzbank diskutiert werden. Damit dürfte sich dann der neue Bundesfinanzminister beschäftigen, der aber auch der alte sein kann.

BNP Paribas und die Commerzbank lehnten eine Stellungnahme ab. Vom Bundesfinanzministerium war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Auch die italienische Großbank Unicredit plant Insidern zufolge eine Übernahme der Commerzbank. Die Mutter der Hypovereinsbank habe gegenüber der Bundesregierung Interesse an dem Frankfurter Geldhaus signalisiert, sagten zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Der Kontakt sei bisher informell und in einem frühen Stadium, ein Deal sei erst mittelfristig möglich.

„Wir haben immer wieder darauf hingewiesen, dass der Bund seine Beteiligung nicht für ewig halten wird und für den Steuerzahler ein gutes geschäftliches Ergebnis erzielen will“, bekräftigte ein Sprecher des Finanzministeriums am Mittwoch. „Vertreter des Bundesfinanzministeriums werden zu diversen Themen und Anlässen von Finanzinvestoren kontaktiert. Wie immer äußern wir uns zu einzelnen Gesprächen nicht.“

Eine Unicredit-Sprecherin lehnte eine Stellungnahme ab und fügte hinzu, dass sich die Bank auf ihre Sanierung konzentriere. Unicredit-Chef Jean-Pierre Mustier hat dem Geldhaus einen harten Sparkurs verordnet und baut Tausende Stellen ab. Die Commerzbank wollte sich dazu auch nicht äußern.

Welche Bankengruppen am effizientesten arbeiten

Die Aufwand/Ertrag-Relation

Um zu erkennen, wie wirtschaftlich ein Unternehmen arbeitet, lohnt sich der Blick auf das Verhältnis der Kosten zum operativen Ertrag. Je niedriger diese Relation ausfällt, umso mehr bleibt am Ende vom Firmenertrag übrig. Regelmäßig ermittelt die Bundesbank diese Kennziffer auch für Deutschlands Banken.

Deutsche Banken insgesamt

Für alle deutschen Kreditinstitute zusammengenommen liegt die Aufwand/Ertrag-Relation im Jahr 2016 laut Bundesbank-Bericht bei 69,2. Anders ausgedrückt: Um 100 Euro zu erwirtschaften, mussten die Institute im Mittel 69,20 Euro aufwenden. Damit arbeitete die Branche wirtschaftlicher als 2015: Damals lagen die Kosten pro 100 Euro noch bei 70,40 Euro. Doch auch der verbesserte Wert liege verhältnismäßig hoch, schreibt die Bundesbank – und das sowohl im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt der eigenen Branche als auch verglichen mit der internationalen Konkurrenz.

Großbanken

Seit Jahren gehören die deutschen Großbanken zu den Instituten mit der geringsten Kosteneffizienz. Auch 2016 änderte sich wenig an diesem Bild. Um 100 Euro zu erwirtschaften, mussten die Großinstitute Deutsche Bank, Commerzbank, Hypovereinsbank und Postbank 81,40 Euro aufwenden. Auch wenn das 1,50 Euro weniger pro 100 Euro ist als 2015, arbeiten die Branchenriesen damit deutlich ineffizienter als ihre Wettbewerber aus dem In- und Ausland.

Private Regionalbanken

Kleinere Kreditinstitute mit regionalem Schwerpunkt und privatrechtlicher Gesellschaftsform arbeiten deutlich effizienter als die Dickschiffe des privaten Bankensektors. Laut Bundesbank-Statistik liegt die Aufwand/Ertragsrelation der Kleinen 2016 bei 64,2. Damit verbesserten sie ihre Effizienzkennziffer um 0,4 Punkte oder 40 Cents pro 100 Euro.

Zweigstellen ausländischer Banken

Gemessen an heimischen Instituten arbeiten die Deutschland-Filialen internationaler Geldhäuser ausgesprochen effizient. Mit einer Kennziffer von 55,1 liegen sie weit vor ihren Konkurrenten aus Deutschland – und konnten die Aufwand/Ertrag-Relation sogar um 6,10 Euro pro 100 Euro gegenüber 2015 verbessern.

Landesbanken

Immerhin besser als 2015, aber weit von ihrem langjährigen Durchschnitt entfernt: So kommentiert die Deutsche Bundesbank die Effizienz der deutschen Landesbanken. 63,50 Euro müssen sie aufwenden, um 100 Euro zu erwirtschaften. 2015 lag das Verhältnis noch deutlich schlechter bei 69,1 zu 100.

Sparkassen

Die 403 Institute der deutschen Sparkassengruppe und ihre knapp 225.000 Beschäftigten arbeiten zwar effizienter als ihre Konkurrenten aus der Privatwirtschaft. Ihre Wettbewerber aus dem Genossenschaftslager aber können sie auch 2016 nicht schlagen. Das Kosten/Ertrags-Verhältnis von 67,8 liegt 1,1 Punkte besser als 2015. Die Genossenschaftsbanken arbeiten aber noch einen Tick effizienter....

Genossenschaftsbanken

Die genossenschaftlich organisierten Institute schlagen 2016 erneut ihre Wettbewerber in puncto Effizienz: Die Genossen wenden 66,60 Euro auf, um 100 Euro zu erwirtschaften. Die „Roten“ aus dem Sparkassenlager brauchen 1,20 Euro mehr, um zum selben Ertrag zu kommen. Allerdings schmilzt der Abstand der Genossen: Während die Sparkassen ihre Aufwand/Ertrag-Relation 2016 gegenüber dem Vorjahr verbessern konnten, blieb bei den Instituten aus dem Genossenschaftslager alles beim Alten.

Sollte es zur Fusion von Unicredit und Commerzbank kommen, würde diese wohl über einen Aktientausch abgewickelt. Die Italiener hätten dabei deutlich die Oberhand. Das Institut aus Mailand ist an der Börse rund 40 Milliarden Euro wert, drei Mal so viel wie die Commerzbank.

Die Hürden für einen Zusammenschluss sind jedoch hoch. Beide Banken stecken mitten im Umbau und streichen Tausende von Stellen. Ein geplanter Verkauf der Commerzbank ins Ausland könnte zudem auf Widerstand in der Politik treffen. Schließlich ist sie einer der wichtigsten Finanzierer des deutschen Mittelstands. Daneben hat die jüngste Bankenrettung in Italien für böses Blut gesorgt. Nicht zuletzt aus Deutschland wurden Vorwürfe laut, die Regierung in Rom habe die neuen Regeln zur Abwicklung maroder Banken missachtet.

Banken im Umbruch: Unicredit-Chef guter Hoffnung für Italiens Geldhäuser

Banken im Umbruch

Unicredit-Chef guter Hoffnung für Italiens Geldhäuser

Seit Sommer 2016 steht der Franzose Jean Pierre Mustier an der Spitze der italienischen Großbank Unicredit. Nicht nur bei der Sanierung des eigenen Instituts sieht der Vorstandschef Fortschritte.

Auch andere Banken wurden in der Vergangenheit wiederholt als mögliche Bieter für die Commerzbank gehandelt. Im Sommer 2016 loteten die Spitzen der Deutschen Bank und der Commerzbank ein Zusammengehen aus. Der „Sommerflirt“ wurde aber schnell wieder beendet. Beide Banken waren sich einig, dass sie erst einmal aufräumen müssen, bevor sie über weitergehende Schritte nachdenken können.

Die Bundesregierung stehe einem möglichen Verkauf aufgeschlossen gegenüber, sagte einer der Insider nun mit Blick auf Unicredit. Die Italiener hätten Kontakt mit dem Finanzministerium in Berlin gehabt. Der Bund hält noch 15,6 Prozent an der Commerzbank, nachdem der staatliche Bankenrettungsfonds Soffin in der Finanzkrise Commerzbank-Anteile für 5,1 Milliarden Euro übernommen hatte. Damit ein Ausstieg finanziell für den Bund nicht zum Verlustgeschäft wird, müsste der Aktienkurs deutlich steigen.

Kommentare (6)

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Frau Leane Kamari

21.09.2017, 09:36 Uhr

Möchte die italienische Bank so die Hintertür öffnen für einen grösseren Zugriff auf die deutschen Einlagensicherungssysteme? Gibt es nicht gerade bei den italienischen Banken genügend Wackelkandidaten welche die Unicredit zwecks Sanierung übernehmen könnte/müsste? Spielt man hier Szenarien durch die einer politischen "Erpressung" des deutschen Michels gleich kommen?

Herr Lothar Bitschnau

21.09.2017, 10:08 Uhr

Das jahrelange bekämpfen und an den Pranger stellen deutscher Banken durch deutsche Medien und linksorientierter politischer Gruppen zeigt jetzt Wirkung.
Wenn nur alle richtig stolz darauf sind, wenn sich jetzt ausländische Institute und Spekulanten die letzten und mitlerweile stark zerquetschten "Finanzflagschiffe" langsam einverleiben.

Herr Ciller Gurcae

21.09.2017, 11:27 Uhr

Wie schon nach den Weltkiegen ist Deutschland ein zur Plünderung freigegebenes Gebiet.

Und nicht nur das: Die von der HVB nach Italien abzuliefernden fetten Gewinne stammen doch nicht aus der Bank, sondern sind Arbeitnehmern und Unternehmen und Steuerzahlern abgepreßt worden.

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