Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

26.02.2019

17:38

Geldinstitute im Wandel

Deutsche-Bank-Aktionär Cerberus unterstützt mögliche Übernahme der Commerzbank

Von: Andreas Kröner, Michael Maisch, Yasmin Osman, Daniel Schäfer

Der Widerstand gegen eine mögliche Fusion der Geldhäuser scheint zu schwinden: Mehrere Investoren meinen, dass an dem Deal womöglich kein Weg vorbeiführt.

Beim Thema Fusion hat ein US-Investor seine Meinung mittlerweile geändert. Paul Langrock/Zenit/laif

Fassade der Deutschen Bank in Frankfurt

Beim Thema Fusion hat ein US-Investor seine Meinung mittlerweile geändert.

Frankfurt Fusionieren sie, oder fusionieren sie nicht? So lautet die große Frage im Frankfurter Bankenmonopoly. Bislang hatten einige der größten Investoren von Commerzbank und Deutscher Bank eine ziemlich eindeutige Antwort: Aus zwei kränkelnden Banken wird keine gesunde.

Doch nach den heftigen Turbulenzen an den Finanzmärkten Ende des vergangenen Jahres haben einige mächtige Aktionäre eine Übernahme der Commerzbank durch den größeren Frankfurter Nachbarn neu bewertet. Langsam, aber sicher verschiebt sich die Meinung zur möglichen innerdeutschen Großfusion von Ablehnung in Richtung Zustimmung oder zumindest Akzeptanz.

Am deutlichsten fällt die Neubewertung nach Informationen des Handelsblatts beim US-Finanzinvestor Cerberus aus, der zu den größten Aktionären beider Geldhäuser zählt. Ende 2017 betonte Cerberus-Chef Stephen Feinberg bei einem Geheimbesuch in Deutschland noch, dass er keinen Zusammenschluss von Deutscher Bank und Commerzbank anstrebt.

Deutschland biete genug Platz für zwei große Privatbanken, sagte er nach Handelsblatt-Informationen bei Gesprächen im Kanzleramt, im Finanzministerium sowie bei der Finanzaufsicht. Ganz grundsätzlich sei das Engagement von Cerberus bei den beiden Großbanken eine Wette auf den deutschen Mittelstand und die robuste deutsche Wirtschaft.

Dieses Argument führen Vertreter von Cerberus auch heute noch ins Feld. Doch beim Thema Fusion hat der US-Investor seine Meinung mittlerweile geändert. Denn die Aktienkurse von Deutscher Bank und Commerzbank sind im Keller – und beide Investments sind für die erfolgsverwöhnten Amerikaner bislang ein Verlustgeschäft.

Grafik

Bei der Commerzbank stieg Cerberus im Juli 2017 mit rund fünf Prozent ein. Damals stand die Aktie noch bei gut elf Euro, heute sind es 6,75 Euro. Noch trauriger sieht das Bild bei der Deutschen Bank aus. Seit dem Einstieg im November 2017 mit mindestens drei Prozent hat sich der Wert der Aktie auf 7,75 Euro mehr als halbiert.

Die schwache Performance ist aber nur einer der Gründe, warum Cerberus nach Informationen des Handelsblatts seine Meinung geändert hat und nun eine baldige Fusion befürwortet. Ausschlaggebend für den Stimmungswandel ist die wachsende Sorge, dass es der Deutschen Bank nicht gelingen wird, sich aus eigener Kraft aus dem Sumpf zu ziehen. Vorstandschef Christian Sewing macht aus Sicht vieler Aktionäre zwar alles richtig und „kämpft wie ein Löwe“, wie es ein Beobachter ausdrückt. Doch der Gegenwind werde immer stärker.

Die Bank hat 2018 nach drei Verlustjahren zwar wieder einen kleinen Gewinn erreicht. Aber das Geldhaus leidet unter hohen Refinanzierungskosten, sinkenden Erträgen, der Verwicklung in die Geldwäsche-Affäre rund um die Danske Bank sowie dem zunehmenden Druck aus den USA, wo der Kongress die Geschäftsbeziehungen des Geldhauses zu Präsident Donald Trump untersucht.

Der Sinneswandel von Cerberus ist auch der Einsicht geschuldet, dass sich der rasante technologische Wandel in der Bankbranche besser mit vereinten Kräften bewältigen lässt. Beobachter verweisen auf den 28 Milliarden Dollar schweren Kauf von Suntrust Banks durch BB&T in den USA vor einigen Wochen, durch den die gemessen an der Bilanzsumme sechstgrößte Geschäftsbank des Landes entsteht.

Die größte Bankenfusion weltweit seit mehr als einem Jahrzehnt ist von beiden Geldhäusern explizit damit begründet worden, dass man nur gemeinsam im Wettkampf um die technologische Vorherrschaft bestehen könne. Zusammen wollen die Banken deutlich mehr in Technologie investieren und gleichzeitig zehn Prozent der Kosten durch Filialschließungen und vereinheitlichte IT-Systeme kürzen.

Cerberus hat viel Einfluss

Für Cerberus würde dieselbe Logik auch bei einem Zusammenschluss von Deutscher Bank und Commerzbank gelten. Der US-Fonds gilt als besonders einflussreich, weil er nicht nur an der Deutschen Bank beteiligt ist, sondern sie auch in strategischen Fragen berät.

Ein europäischer Zusammenschluss wäre zwar aus Sicht vieler Aktionäre nach wie vor die bessere Lösung für die beiden Geldhäuser, weil in diesem Fall die Betonung stärker auf den Wachstumschancen und weniger auf den Einsparmöglichkeiten läge.

Aber vielen Investoren ist mittlerweile klar, dass ein solcher Schritt politisch nicht durchsetzbar wäre, weil die Deutsche Bank in einer Fusion mit der französischen BNP oder der Schweizer UBS immer der Juniorpartner wäre. BNP beispielsweise ist an der Börse mit rund 52 Milliarden Euro mehr als dreimal so viel wert wie die Deutsche Bank.

Cerberus wollte sich zu einer möglichen Fusion nicht äußern. Auch die beiden Geldhäuser gaben keinen Kommentar ab. Zu den größten Anteilseignern der Deutschen Bank zählen neben Cerberus die Herrscherfamilie von Katar, der US-Fonds Blackrock und der chinesische Mischkonzern HNA.

Größter Aktionär der Commerzbank ist der Bund mit gut 15 Prozent, gefolgt von Cerberus und Blackrock. Die Bundesregierung hat Insidern zufolge bereits mehrfach deutlich gemacht, dass sie einer Fusion der beiden Institute positiv gegenübersteht.

Aus einer Fusion käme derzeit eine im internationalen Vergleich relativ kleine Bank heraus Alexandra Annecke, Fondsmanagerin Union Investment

Nach Einschätzung von Commerzbank-Chef Martin Zielke wäre ein Zusammenschluss im Moment ein gutes Geschäft für die eigenen Aktionäre. Finanzkreisen zufolge hat der Manager intern mehrfach darauf hingewiesen, dass das Beteiligungsverhältnis bei einer Fusion aktuell so attraktiv wäre wie lange nicht. Gemessen an den Marktwerten würden die Commerzbank-Aktionäre bei einem Zusammenschluss derzeit gut ein Drittel an dem fusionierten Institut halten. In den Jahren zuvor hätte der Anteil oft nur bei einem Viertel gelegen.

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing würde sein Institut am liebsten noch immer allein sanieren. Für Ende dieses Jahres hat der Topmanager den Investoren eine Eigenkapitalrendite von vier Prozent versprochen. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr reichte der Nettogewinn von 267 Millionen Euro nur für eine Rendite von 0,4 Prozent.

Viele Investoren gehen davon aus, dass sich bereits im ersten Quartal, traditionell das beste im Bankgeschäft, zeigen wird, wie viel Zeit der Vorstandschef von den Aktionären noch bekommt, um seinen Plan A umzusetzen. Derzeit sagen die Analysten im Schnitt für die ersten drei Monate 2019 in etwa eine Stagnation im Vergleich zum Vorjahr voraus. Für das Gesamtjahr liegen die Schätzungen für die Eigenkapitalrendite bei 1,7 Prozent.

Von den Launen der Märkte abhängig

Angesichts dieser Aussichten können auch andere bislang kritische Großaktionäre einer Fusion inzwischen etwas mehr abgewinnen: „Unsere Wunschvorstellungen sehen sicher anders aus, aber wenn Plan A nicht funktioniert, dann muss man wohl oder übel auf Plan B ausweichen“, heißt es bei einem der Top-Investoren.

Bei einem anderen institutionellen Anleger heißt es, die Bank habe ihr Schicksal nicht mehr allein in der Hand. Wenn die Märkte sich nicht erholen, könne Sewing zum Handeln gezwungen sein, auch wenn das aus Aktionärssicht nicht unbedingt wünschenswert wäre.

Ähnlich scheinen die Investoren aus Katar die Lage zu beurteilen. Auf kurze Sicht sei die Herrscherfamilie des Emirats gegen eine Fusion, heißt es aus Kreisen, die mit dem Denken der Katarer vertraut sind. Erst solle die Bank ihre Hausaufgaben erledigen. Mit einer Fundamentalopposition sei diese Haltung aber nicht gleichzusetzen.

Dennoch gibt es auch im Kreis der Großinvestoren noch immer große Kritiker einer Fusion. Die Argumente dieser Skeptiker bringt Fondsmanagerin Alexandra Annecke von Union Investment auf den Punkt: „Es wird oft gesagt, dass die exportorientierte deutsche Wirtschaft auf einen nationalen Bankenchampion angewiesen wäre.

Allerdings käme aus einer Fusion von Commerzbank und Deutscher Bank derzeit eine im internationalen Vergleich relativ kleine Bank heraus – mit einer nach wie vor recht geringen Profitabilität und einem Berg an unerledigten Problemen aus der Vergangenheit.“

Mehr: Trotz Sparkurses baut die Deutsche Bank ihr Asien-Geschäft aus. Lesen Sie hier, wie Asien-Chef Werner Steinmüller die Präsenz in Wachstumsmärkten anschieben will.

Handelsblatt Premium

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×