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03.12.2019

18:03

Geplante Übernahme

Comdirect-Investor Petrus erhöht Druck auf die Commerzbank

Von: Andreas Kröner

Petrus Advisers haben ihren Anteil an Comdirect aufgestockt. Der Investor fordert von der Mutter Commerzbank, ihr Übernahmeangebot nachzubessern.

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Commerzbank mit ihrer Übernahmeofferte für Comdirect Erfolg hat, ist gesunken dpa

Comdirect-Zentrale in Quickborn

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Commerzbank mit ihrer Übernahmeofferte für Comdirect Erfolg hat, ist gesunken

Frankfurt Die Commerzbank stößt bei der geplanten Übernahme ihrer Online-Tochter Comdirect auf immer größeren Widerstand. Der Investor Petrus Advisers hat seinen Anteil an Comdirect nach eigenen Angaben von 5,7 auf rund 7,5 Prozent aufgestockt – und lehnt die Offerte der Frankfurter weiter ab.

„Der angebotene Preis von 11,44 Euro pro Aktie liegt deutlich unter dem gegenwärtigen Aktienkurs der Bank und reflektiert den fairen Wert der Comdirect nicht“, erklärte Petrus am Dienstag. Comdirect habe in den vergangenen 24 Monaten hohe Investitionen getätigt und werde dadurch „in den kommenden Jahren einen Quantensprung in der Profitabilität“ erreichen, argumentiert Petrus.

Hinzu kämen Synergien von 150 Millionen Euro, die der Commerzbank im Falle einer Verschmelzung zugute kämen. Der gebotene Kaufpreis stehe „in keinem Verhältnis zu den finanziellen Vorteilen, die für die Commerzbank im Falle einer Komplettübernahme entstehen“.

Die Commerzbank, die sich dazu nicht äußern wollte, hält aktuell 82,3 Prozent an Comdirect. Die Übernahmeofferte kommt nur zum Tragen, wenn das Institut über 90 Prozent kommt. Die Wahrscheinlichkeit, dass dies gelingt, sink durch die Positionierung von Petrus.

Zudem notierte die Comdirect-Aktie am Dienstag bei 12,34 Euro und damit deutlich über dem Angebotspreis. Für Aktionäre ist es somit aktuell attraktiver, ihre Aktien über den Markt zu verkaufen, als sie der Commerzbank anzudienen.

Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass die Commerzbank im Rahmen ihres Angebots bisher lediglich 0,22 Prozent der Comdirect-Anteile eingesammelt hat. Die Annahmefirst läuft noch bis Freitag, 24 Uhr. Das Endergebnis wird im Laufe der nächsten Woche erwartet.

Auf den letzten Drücker

Bei Übernahmeangeboten ist es üblich, dass Aktionäre ihre Aktien erst in den letzten Tagen andienen. Sollte die Commerzbank über die Hürde von 90 Prozent kommen, will sie übrigen Aktionäre im Rahmen eines Squeeze-outs gegen eine Barabfindung aus dem Unternehmen drängen. Eine Aufstockung des Angebots, wie sie Petrus fordert, hat Deutschlands zweitgrößte Privatbank ausgeschlossen.

Sollte die Commerzbank nicht über die 90-Prozent-Hürde kommen, will sie zum Plan B greifen und beide Institute zwangsverschmelzen. Dies ist im Rahmen des Umwandlungsgesetzes bereits aber einer Mehrheit von 75 Prozent der Stimmen möglich.

Comdirect-Aktionäre würden dann Commerzbank-Aktien bekommen, das Tauschverhältnis würde von externen Prüfern festgelegt. Dafür müssten Wertgutachten von Comdirect und Commerzbank erstellt werden. Zudem müsste die Verschmelzung von beiden Hauptversammlungen abgesegnet werden.

Zu erwarten ist, dass die Beschlüsse der Hauptversammlungen anschließend von einzelnen Aktionären angefochten werden. Insgesamt wäre dieser Weg für die Commerzbank also aufwendiger, langwieriger und teurer.

Wie attraktiv der Plan B der Commerzbank, ein Aktientausch, für Comdirect-Aktionäre wäre, hängt von vielen Variablen ab, und ist aktuell schwer abzuschätzen. Wichtige Faktoren wären dabei unter anderem die Kursentwicklung der Commerzbank-Aktie sowie die von einem Gutachter ermittelten Unternehmenswerte von Commerzbank und Comdirect.

Der Investor Petrus erklärte am Dienstag außerdem, dass er mittlerweile auch an der Commerzbank beteiligt sei. Dabei handelt es sich nach Angaben des Unternehmens bisher jedoch lediglich um ein kleines Investment. Falls es am Ende tatsächlich zu einer Verschmelzung von Comdirect und Commerzbank kommen sollte, würde der Anteil jedoch deutlich steigen.

Mehr: Der Comdirect-Chef Arno Walter glaubt, dass die Direktbank bei der Neuausrichtung der Commerzbank Impulse setzen kann – etwa bei Banking-Apps.

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